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09.10.2009

„Ja, die Erde bebt!“

Renate und Helmut Burbach sind mit ihrem Segelschiff im Südpazifik unterwegs

Vor einer Woche forderte ein Tsunami auf den Samoa-Inseln hunderte Tote, tausende Menschen wurden abdachlos. Kurz danach bebte die Erde auf der indonesischen Insel Sumatra. Die Horber Weltumsegler Renate und Helmut Burbach sind im Südpazifik unterwegs und ankern derzeit vor der Insel Vanuatu.

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Horb/Vanuatu. „Ja, die Erde bebt und wir sind leider mittendrin.“ Das meldete gestern per e-Mail Helmut Burbach, nachdem die SÜDWEST PRESSE-Redaktion ihn bereits am Donnerstag letzter Woche versucht hatte, auf elektronischem Wege zu erreichen. Die bange Zeit des Wartens auf ein Lebenszeichen hatte laut Helmut Burbach einen schlichten technischen Grund: „Unsere e-Mails können wir nur abrufen, wenn wir Internet haben. Dies war hier in Vanuatu nur maximal alle vier Wochen der Fall.“

Sie sind auf der Hut. „Gerade heute Morgen um 9 Uhr Ortszeit hat ein weiteres Beben im NN Westen von Espirito Santo die Region und vor allem uns Segler in Atem gehalten. Über UKW-Seefunk wurden wir heute (08.10.) um 9.15 Uhr informiert, dass wir in der nächsten Stunde mit dem Eintreffen eines Tsunami rechnen müssen. Daraufhin haben wir sofort den Anker gehoben und sind fluchtartig in tiefes Wasser (300 Meter) gefahren und hatten damit auch genügend Abstand zur Küstenlinie. Glücklicherweise haben wir auch diesmal keine Auswirkungen gespürt und es gab auch hier in Vanuatu keine größeren Schäden.

Wenn wir uns mit unserem Schiff im tiefen Wasser befinden und uns mit deutlichem Abstand zur Küstenlinie aufhalten, brauchen wir vor einem Tsunami keine Befürchtungen (hoffentlich) zu haben, weil eine Tsunamiwelle erst wirklich gefährlich wird, wenn sie durch das Auftreffen auf die Küste gestaucht wird, ansteigt und sich dann bricht. Das Erdbeben letzte Woche vor Samoa (30.09. um 07.10 Uhr Tongazeit) ist für uns ebenfalls bis auf die nervliche Anspannung ohne Schäden geblieben.“

Wie so etwas ausgehen kann, zeigt die Kurzschilderung eines befreundeten amerikanischen Seglers, der sich zu diesem Zeitpunkt mit seiner Yacht im Hafen von Pago Pago, Amerikanisch Samoa, befunden hat. Er berichtete Burbachs: „Nachdem wir durch eine starke Erschütterung der Yacht aus dem Schlaf gerissen wurden, brach ca. 20 Minuten später die Hölle los. Wir wurden Zeugen, wie das Wasser rapide, wirklich rapide fiel, innerhalb eines Augenaufschlags lag unser Boot im Hafenbecken im Schlamm. Im nächsten Moment wurde das Hafenbecken wieder gefüllt und wir schwammen außerhalb der Kaimauern. Wenige Sekunden später waren wir wieder innerhalb des Hafenbeckens und es war uns möglich, die zwei verbliebenen Landleinen durchzuschneiden (drei waren bereits beim ersten Absinken gerissen). Wir starteten die Maschine und konnten uns in die Mitte des Hafens manövrieren. Um uns herum trieben Fischerboote und Yachten ohne Crew. Als wir unsere Nachbar-Yacht passierten, schrie uns die Frau zu, dass ihr Mann beim Losschneiden der Leinen über das Hafenbecken hinausgespült worden war. Einige Boote wurden an den Strand gespült, ein Segelboot trieb auf der Straße und riss mit dem Mast die Stromleitungen ab. Wir fühlten uns durch die schnell wechselnde Ebbe und Flut wie in einem Fahrstuhl. Nach drei Stunden konnten wir an der Kaimauer wieder festmachen. Unser Nachbar wurde nicht mehr gefunden.“

Burbachs ist nach den zweimaligen Erdbeben und den nachfolgenden Tsunamiwarnungen „deutlich bewusst geworden, dass Vanuatu an der Nahtstelle der Indo-Australischen und der pazifischen Erdplatte liegt und mit seinen aktiven Vulkanen ein stark erdbebengefährdetes Gebiet ist. Dieses Jahr gibt es offensichtlich besonders viele und heftige Aktivitäten.“

Burbachs werden am 18. Oktober Vanuatu von Port Vila aus mit Ziel Bundaberg/Australien verlassen und hoffen, dass sie bis dahin „von weiteren Aufregungen verschont bleiben“. Helmut Burbach: „Für die Dauer der Zyklonsaison werden wir in Australien bleiben und im Frühling 2010 entlang der Ostküste nach Darwin und über Indonesien, Malaysia nach Langkawi in Thailand segeln.“

Seit Pfingsten 2005 segeln sie um die Welt
„Keine Weltumseglung“, sagte Helmut Burbach im Mai 2005. „Wir wollen in erster Linie Land und Leute kennen lernen – und das aber weltweit“, ergänzte seine Frau Renate. Seit Pfingsten 2005 sind sie mit der „Nuku'alofa“ (Heimat der Liebe) unterwegs. Der Zweimaster ist ein Hallberg Rassy 42-Ketch. 42 steht für 42 Fuß (fast 13 Meter), Ketch steht für die Takelung. Das Schiff ist mit drei Selbststeueranlagen ausgerüstet, zwei elektrischen und einer Windsteueranlage. Eine Entsalzungsanlage für Seewasser ist an Bord und ansonsten alles, was zur Navigation gebraucht wird. Außerdem Funkgeräte, mit denen sie Verbindung mit der Welt halten können. An Bord verfügen sie über einen Salon, zwei Kojen im Vorschiff, zwei Waschräume, zwei Toiletten und eine Pentry (Kombüse). 1986 kam Helmut Burbach nach Horb. Stationiert war er bei der Bundeswehr in Esslingen. Seit Juli 1989 war er in Horb zunächst im Sanitätsbataillon, später dann im Sanitätsregiment, zuletzt als Vize-Kommandeur. Ende 2003 wurde er als Oberstleutnant in den Ruhestand verabschiedet. Renate Burbach arbeitete bis 31. März 2005 als Steuerfachwirtin. Verheiratet sind die beiden seit 35 Jahren. Ihre Söhne Jochen und Michael wuchsen in Horb auf.




Text: Winfried Gaus


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