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06.02.2010

EM-Träume sind erlaubt

Leichtathletik: Die zweifache Meisterin Kerstin Marxen hat noch große Ziele

Kaum bei der LAV Asics Tübingen angekommen, macht Kerstin Marxen ihrem Trainer Dieter Baumann und dem Verein schon viel Freude. Sie wurde Landes- und Hochschulmeisterin über 800 Meter und beschert damit der LAV ein Trio an Topläufern.

Erster Start für die LAV, erster Titel: 800-Meter-Meisterin Kerstin Marxen. Bild: hajo

Tübingen. Kerstin Marxen ist ein bekennendes Land-Ei. Die Läuferin aus einem kleinen Eifel-Städtchen liebt die Berge und ist daher glücklich, nicht mehr am Niederrhein leben und trainieren zu müssen. Des Pharmaziestudiums wegen ist sie zum Wintersemester 2008 nach Tübingen gewechselt, Steinenberg und Spitzberg zählen seither zu ihren bevorzugten Trainingsrevieren. Das Auf und Ab stärkt die Kraft-Ausdauer, hat sie schon registriert. Die Frühform stimmt jedenfalls – innerhalb von zehn Tagen hat sie gleich zwei Hallen-Titel eingefahren: In der Karlsruher Europahalle wurde sie Landesmeisterin über 800 Meter, am Mittwoch holte sie in Frankfurt in 2:09,11 Minuten über die gleiche Strecke den Titel einer Deutschen Hochschulmeisterin.

Mit dem Wechsel nach Tübingen hat sich die 24-jährige Mittelstrecklerin einen lange gehegten Traum erfüllt: „Ich habe schon früher für Tübingen geschwärmt. Hier hat man die ideale Verbindung von Ländlichem und Universität.“

Nach den ersten Leichtathletik-Jahren bei der Gerolsteiner LG Vulkaneifel war das junge Talent zum Spitzenclub Bayer Leverkusen gewechselt, wurde im Chemiekonzern zur Bürokauffrau ausgebildet – unter Bedingungen, die das Nebeneinander von Beruf und Spitzensport erlaubte. Trainiert wurde sie von Paul-Heinz Wellmann, 1976 in Montreal Bronzemedaillengewinner über 1500 Meter. Nach dessen Plänen trainierte sie auch noch im Herbst des vergangenen Jahres, bis dann hoch offiziell Olympiasieger Dieter Baumann und die LAV Asics Tübingen die Läuferin unter ihre Fittiche nahmen.

Doch schon bevor das TAGBLATT im vergangenen Jahr den Vollzug ihres Vereinswechsels meldete, hatte sich Kerstin Marxen Baumanns Trainingsgruppe angeschlossen, drehte unter anderem mit den deutschen Topläufern Arne Gabius und Filmon Ghirmai Runden auf dem Spitzberg-Kamm oder am Neckar entlang.

Mit Baumann trainieren zu können, ist für Marxen ein Glücksfall. „Er selbst lebt uns vor, wie man als Spitzensportler leben sollte. Er hat die richtige Mischung aus Lockerheit, Disziplin und Ehrgeiz.“ In Leverkusen, erzählt die Mittelstrecklerin, habe sie sich manchmal zu sehr unter Druck gesetzt. Das Pharmazie-Studium helfe ihr nun, nicht nur immer den Sport im Vordergrund zu sehen. „Ich habe jetzt einfach mehr Spaß am Laufen.“

Überhaupt: Die einstige Mehrkämpferin hasst stumpfsinniges Training und hat sich deshalb für die Mittelstrecke entschieden. „Für diese Strecke wird nicht nur Ausdauer gebolzt, sondern auch Sprint trainiert“, erläutert Marxen. Die Läufe in Karlsruhe wie in Frankfurt waren von Taktik geprägte Rennen, die sie jeweils erst im Spurt entschied. Insofern darf sich die Tübingerin durchaus ausrechnen, demnächst in einem schnellen Zeitlauf ihre Hallenbestleistung von 2:07,59 Minuten zu unterbieten.

Ihre 800-Meter-Bestzeit im Freien liegt bei 2:05,23 Minuten, ihre schärfsten nationalen Konkurrentinnen sind nur wenige Sekunden besser. Da darf man trotz strenger Normen schon mal von internationalen Wettkämpfen träumen. Für Kerstin Marxen ist zunächst die Deutsche Meisterschaft Mitte Juli in Braunschweig der Saisonhöhepunkt. „Alles weitere“, sagt Marxen, „ist von meiner Form abhängig.“ Und die Europameisterschaft in Barcelona? „Ich will mich da nicht unter Druck setzen“, sagt die Siebte des letztjährigen Stadtlaufs. Aber, gesteht sie, genau auf der Bahn zu laufen, auf der ihr Trainer 1992 seinen größten Triumph feierte, habe schon einen ganz speziellen Reiz.




Text: bernhard schmidt


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