Kürzerer Auftakt, als gedacht: Die Elektropunker von „Frittenbude“ quittierten ihren Dienst am Vorabend des eigentlichen Minirock-Festival-Starts vorzeitig. Grund: Das Publikum im gut gefüllten Festivalzelt war auf nackte Haut aus.
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Fabian Ziehe
Hier heizte Frittenbude noch ein - kurz darauf verließen sie unter Protest die Bühne im Zelt des Minirock-Festivals.Ziehe
"Das ist sexistische Scheiße“, Leadsänger Johannes Rögner nahm kein Blatt vor dem Mund, als er gegen 1 Uhr in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nochmal auf die Bühne ging. „Frittenbude, Frittenbude“, hatte das Publikum skandiert – doch die vier Jungs ließen sich nicht erweichen.
Noch Minuten zuvor hatten sie einen Kracher angekündigt: „Raven gegen Deutschland“, ihren Hit, den sie normalerweise mit Egotronic auf der Bühne singen. Jetzt waren die Kollegen der anderen Band nicht zu greifen, so sollte einer aus dem Publikum den Gesang übernehmen.
Draußen vor der Bühne war noch nichts los: Am Vorabend des eigentlichen Festivalstarts steppte der Bär im Festzelt nebenan.Ziehe
Das Mädchen, dass sie aus der aufgeheitzten Masse vor der Bühne zogen, konnte den Text nicht, doch genoss das Rampenlicht sichtlich. Als die Menge „Ausziehen, ausziehen“ rief und das Mädchen der Aufforderung nachkam und im BH auf der Bühne kokettierte, kam die Reaktion der Band prompt: „Tschüß, das war es von Frittenbude, darauf haben wir keinen Bock“, verkündete Rögner – und verließ mit seinen Kollegen die Bühne. Während viele Zuhörer – einige sichtlich bedröppelt – dem Ausgang zuströmte, versuchten die Minirock-Organisatoren, den Abend zu retten. „Wir haben natürlich alles versucht, die Band umzustimmen.
Saalschutz heizte im Zelt mit Erektropop ein.Ziehe
Aber es ging nicht mehr“, sagt Minirock-Sprecher Adrian Laschinger. „Das ist eine Entscheidung der Band, die ich nicht kommentieren möchte.“ Die Organisatoren trugen an CDs zusammen, was zu finden war, um vom DJ-Pult aus weiter Musik zu bieten. „Wir waren natürlich nicht darauf eingestellt“, so Laschinger. Immerhin: Ohne eine Runde Schwofen musste keiner in den Schlafsack kriechen.
Der Auftakt hatte vielversprechend begonnen. „Das gibt 'ne ziemlich lange Nacht“ stimmte das Schweizer Duo „Saalschutz an“. Vieles sprach dafür: DJ MTDF & Ja!kob hatten mit strammen Elektro-Beats die Masse zum Warmtanzen animiert. „Saalschutz“ steigerte mit poppigem Elektro die Stimmung weiter. Schon nach kurzer Zeit tanzten viele der gut 300 Zuhöhrer ab.
Das Saalschutz-Duo DJ Flumroc und M T Dancefloor brachten die Masse vor der Bühne in Bewegung.Ziehe
Das Festzelt neben der Bühne war zwar damit nur halb gefüllt. Doch für das diesjährige Festival, das erstmals auf dem Ihlinger Neckarwiesen statt auf dem Horber Festplatz steigt, hatten die Organisatoren ein gut vier mal so großes Zelt aufgebaut. Mit intelligenten, kritischen Texten und bretterndem, harten Beat leitete Saalschutz über zu Frittenbude.
Leadsänger Johannes RögnerZiehe
Die freuten sich zunächst über die aufgeheizte Schar, die stetig weiter wuchs. „Hey Leute, das Festival geht zwar erst morgen los, aber schön, dass ihr da seid“, rief Rögner. Das Publikum ließ sich nicht lange bitten, warf Hände und Beine in die Luft und zappelte zu dem Mix aus Punk, Elektro und HipHop ab. Allerdings nur bis zum erwähnten Eklat.