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Das närrische Brauchtum lebt

26 Zünfte stellen beim Ringtreffen sich und ihre Narrenfiguren vor

Für manche Besucher eines Brauchtumsabends ist die Vorstellung der Narrenzünfte mit ihren Gruppen und Zunftmeistern etwas Langweiliges, weil sie nichts als Party machen wollen.

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Alfred Binder

Talheim. Für die meisten Narren aber ist es interessant und informativ, wie sich die 26 Mitgliedszünfte aus vier Landkreises im „Närrischen Freundschaftsring Neckar-Gäu“ alle zwei Jahre präsentieren. Das Spektakel zum 25. Ringtreffen im mit fast 3000 Besuchern – meist Hästrägern – besetzten Festzelt auf dem Sportplatz zwischen Steinachhalle und Steinachschule, begann mit dem Einzug der Honoratioren und der Ring-Funktionäre. Für die ausrichtende Zunft, die „Zigeuner“ Untertalheim (NZU) begrüßte Zunftmeister Helmut Walz die zahlreich gekommenen Hästräger und Ehrengäste. „Vergessen wollen wir den Kummer und die Sorgen und feiern durch bis früh am Morgen“, rief der schon heiser gewordene „Zigeuner-Chef“ den Besuchern mit einem dreifachen Narri-Narro zu.

Brauchtumsmeister Jakob Holocher aus Eutingen am Samstag bei der Vorstellung der 26 ... Brauchtumsmeister Jakob Holocher aus Eutingen am Samstag bei der Vorstellung der 26 Narrenzünfte.Bilder: bin

Dass just bei der namentlichen Begrüßung von Oberbürgermeister Peter Rosenberger das Licht im Zelt ausging, wird wohl Zufall gewesen sein?? Horbs Stadtoberhaupt war mit seinem Hexenhäs mit der Nummer 123 gekommen, gratulierte der NZU vorab schon mal zum 50-jährigen Jubiläum, das in zwei Wochen mit einem großen Jubiläums-Ball, einem Umzug, einer Kinder-Fasnetsparty und einem Garde- und Showtanz-Treffen gefeiert wird. Dann rief er den Besuchern von der Bühne aus zu: „Seid alle herzlich willkommen und geht raus auf die Gass`, zeigt dem Volke, dass Brauchtum macht Spaß.“

Seit 2003 schon ist Karl-Heinz Schach aus Mühlen Ringpräsident und in dieser Funktion begrüßte auch er die Narrenschar in gereimten Worten. Sein besonderer Gruß galt neben „seinen Untertanen“ auch Abordnungen der Narrenzunft „Seegockel“ aus Friedrichshafen, aus Neuhausen/Fildern und aus Obermarchtal, sowie seinem Vorgänger, dem Ehrenpräsidenten Karl Ruoff aus Ergenzingen.

Horbs OB Peter Rosenberger, Ortsvorsteherin Kerstin Just, Ring-Präsident Karl-Heinz Schach und ... Horbs OB Peter Rosenberger, Ortsvorsteherin Kerstin Just, Ring-Präsident Karl-Heinz Schach und Vizepräsident Klaus Ranft (von links) beim Brauchtumsabend,

Sie hätte erst mal geschluckt, sagte Ortsvorsteherin Kerstin Just in ihrem Grußwort, als ihr Zunftmeister Helmut Walz mitgeteilt hatte, dass das 25. Ringtreffen mit mehreren Tausend Hästrägern im „Zigeunerdäle“ in Talheim sein soll. „Ich ziehe den Hut vor den NZU-Mitgliedern, die es in zweijähriger Vorbereitungszeit geschafft haben, solch ein Fest zu organisieren“, sagte die Ortschefin und bedankte sich bei den vielen Helfern unter den 2600 Talheimer Bürgern für deren Engagement.

In drei Blöcken stellten Brauchtumsmeister Jakob Holocher aus Eutingen und Vizepräsident Klaus Ranft aus Ergenzingen die 26 Mitgliedszünfte und ihre Maskengruppen vor. Für die weiter hinten sitzenden und stehenden Besucher gab es eine Großleinwand, auf der das Geschehen gut einsehbar war.

Für die musikalischen Höhepunkte sorgte unter anderem die Narrenzunft „Salzschlecker“ aus Stetten (Haigerloch) mit ihrem Fanfarenzug. Nachfolgend einige Zunftvorstellungen: Die größte Mitgliedszunft im Ring sind die Horber Kernstädter mit ihrem Zunftmeister Eckard Bukenberger. Maskengruppen sind die Stäpfeleshopser, die Hexen, die Kropfer, der Hochzeitszug, die Schantle, die Hornauer Stoibrecher, die Turmschurken und die Wasserspeier.

Zunftmeisterin Gabi Lacher aus Mühringen inmitten ihrer „Untertanen“. Zunftmeisterin Gabi Lacher aus Mühringen inmitten ihrer „Untertanen“.

Die „Fronleute“ sind in Altheim die Zunftgründer. Man sieht den Masken an, dass die früheren Herren von Altheim von ihren Mitarbeitern recht viel abverlangt haben. Daneben gibt es die Mogglafresser (Tannenzapfen-Verspeiser) und Zunftmeister ist seit langen Jahren Rainer Singer. Im Horber Stadtteil Betra hat bei den Keaschmecker Zunftmeisterin Jutta Hellstern das Sagen. Der Keaschmecker ist ein typischer Weißnarr, bei dem das Häs mit Ortsornamenten bemalt ist. Eine weitere Maskengruppe ist die Burgstallhexe und der Felbenschreck. Die passende Fasnetsmusik kommt bei den Betraern von der zunfteigenen Kapelle „Kandldabber“.

Der Weißnarr Schneckengraber ist Namensgeber für die Dettinger Zunft, bei der auch noch die Linsenbühlhexe, der Schantle und die Kohlwaldköhler tragende Rollen haben. Begleitet werden die Dettinger mit ihrem Zunftmeister Karl-Heinz Hurm von der „Lombaseggel-Musig“. Die „Bettschoner“ aus Weitingen führen immer eine Laterne mit, weil sich der Heimweg nach Fasnets-Events meist schwierig gestaltet. Daneben wirken die Jaunerschecken, die Urnburghexen und neben dem Blotzer auch noch die Fußgruppen Kanoniere und Bettträger in Zunftmeister Rolf Brezings Truppe mit.

Der Blätzlesbua ist eine der größten Gruppen im Ring. Die Ergenzinger Narrenzunft mit den weiteren Maskenträgern, der Lausbühlhexe, dem Stricker, dem Lerchenfänger und dem Narren-Polizisten wird angeführt von Zunftmeisterin Gabi Schall. Musikalisch begleitet werden die Ergenzinger von der Gruppe „Fleckahuper“.

Nachdem alle 26 Zünfte auf der Bühne vorgestellt waren, gab es noch den traditionellen Ringtanz, eine Erfindung des legendären Gründungspräsidenten Julius Fischer aus Weitingen. Und dann war doch noch Party angesagt. Für den „guten Ton“ sorge die Band „Fashion“ aus Bad Hirschau.

06.02.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 09.02.2012 - 14:27 Uhr

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