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Hält der Landrat sein Wort?

52 niedergelassene Ärzte protestieren gegen die Ausweitung der Kreisklinik-MVZs

Das „Ärzte-Netz Kreis Freudenstadt“ hat sich am Wochenende mit einem Hilferuf an die Kreisräte gewandt. Die niedergelassenen Mediziner fordern, dass der Landrat und der Kreisklinik-Geschäftsführer ihre Zusagen einhalten. Es geht um die Medizinischen Versorgungszentren.

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Andreas Ellinger

Horb/Freudenstadt. „Sowohl Herr Landrat Dombrowsky als auch der Geschäftsführer Herr Schmidhuber haben – sogar unter Zitierung des Ehrenwortes – versprochen, dass die Gründung des Medizinischen Versorgungszentrums allein der Sicherung des neuen Zentrums für Kardiologie diene. In den folgenden Jahren wurde dann eine sukzessive Ausdehnung auf weitere kassenärztliche Versorgungsbereiche betrieben. Es bestand die Zusage, dass weitere Ausdehnungen ohne Einvernehmen mit der Ärzteschaft ausgeschlossen seien.“ Das schreiben Ärzte-Netz-Vorsitzender Dr. Adolf Megnin und sein Stellvertreter Dr. Matthias Kraft – im Auftrag von insgesamt 52 namentlich genannten niedergelassenen Ärzten. Der Brief ist der SÜDWEST PRESSE zugespielt worden.

„Wir haben über viele Jahre Willen und Fähigkeit bewiesen, in gemeinsamer Verantwortung mit den Kollegen der Krankenhäuser eine qualitativ hochwertige Medizin zu gestalten. Dies zeigt auch die langjährig hohe Quote unserer Einweisungen in die Häuser der KLF (Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt).“ Das „Ärzte-Netz Kreis Freudenstadt“ hatte Klinik-Manager Rainer Schmidhuber sogar unterstützt, als er gegen den Willen der „Bürgerinitiative pro Krankenhaus Horb“ durchgesetzt hat, dass die KLF ausschließlich mit dem Universitätsklinikum Tübingen kooperiert und nicht mit dem Klinikverbund Südwest fusioniert.

Das Vertrauen der niedergelassenen Ärzte in den Geschäftsführer und in den Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Dombrowsky scheint inzwischen gelitten zu haben: „Es bereitet uns Sorge, dass an den Krankenhäusern in Freudenstadt und Horb durch die Gründung von Medizinischen Versorgungszentren im Bereich der ambulanten Versorgung eine Konkurrenzsituation entsteht, in der wir mit unseren eigenen Steuergeldern unsere eigene Konkurrenz subventionieren, während wir für die eigene Praxis das unternehmerische Risiko tragen und hohe Investitionen in schwerer Zeit schultern müssen. Dies ist definitiv nicht Wille der Gesetzgeber in Deutschland und der Europäischen Union.“

Das Ärzte-Netz betont: „Vertrauen ist Grundvoraussetzung jedes medizinischen Handelns und jeder ärztlichen Kooperation.“ Die Mediziner verlangen, dass Versprechen gehalten werden und Zuverlässigkeit gewährleistet ist: „Die Anzahl der wechselnden Leistungsträger (Ober- und Chefärzte) – eigentlich Lebensstellungen – am Krankenhaus Freudenstadt in den vergangenen fünf Jahren ergibt bereits die unfassliche Zahl von 23! Wir haben den größten Teil dieser Kollegen schätzen gelernt und mit ihnen vertrauensvoll, freundschaftlich und gut zusammengearbeitet. Plötzlich waren sie mehr oder weniger still weg. Eine wirklich plausible Erklärung gab es für uns und unsere Patienten selten. Diese Personalpolitik hat den Ruf unseres Kreiskrankenhauses nachhaltig geschädigt! Wir erfahren das täglich, wenn wir unsere Patienten ins Freudenstädter Krankenhaus einweisen wollen. Was sollen wir denn sagen, wenn wir Patienten an einen Kollegen empfehlen, der Tags darauf nicht mehr da ist?“

Die Personalpolitik von Rainer Schmidhuber, die bisher von Landrat Peter Dombrowsky und dem Aufsichtsrat der KLF (in dem auch Kreisräte sitzen), mitgetragen worden ist, soll sogar den Ärzte-Mangel verstärken: „Ein qualifizierter Arzt, der an einer Niederlassung oder angestellten Tätigkeit im Kreis Freudenstadt so interessiert ist, dass er sich vorher über die Situation hier informiert, sieht hiervon wieder ab.“ Vor diesem Hintergrund appellieren die niedergelassenen Ärzte an die „Verantwortlichen des Kreises“ folgende Voraussetzungen „für eine vertrauensvolle Kooperation zwischen uns Ärzten und den Krankenhäusern“ zu schaffen:

„Stehen Sie zum gegebenen Wort und belassen Sie das MVZ in den bisherigen Grenzen.“

„Sehen Sie davon ab, mit Steuergeldern marktübliche Preise für Kassenpraxen zu überbieten und damit jungen Ärzten die Existenzgründung in einer freien Praxis im Landkreis unmöglich zu machen.“

„Verzichten Sie darauf, mit Steuergeldern Kassensitze aufzukaufen, um ein MVZ aufzubauen, das ungehindert von Qualitätswettbewerb und ohne unabhängige Kontrolle die Indikationen zu stationären Therapien ausweitet.“

„Wenn die ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen im Landkreis funktionieren, verhindern wir langfristig, dass das Krankenhaus an einen fremden Finanzinvestor verkauft werden muss.“

„Denken Sie bitte daran, für unsere Industrie im Landkreis bedeuten freie, unabhängige, leistungsbereite und leistungsfähige niedergelassene Fachärzte und Hausärzte einen riesigen Standortvorteil. Den gilt es zu wahren!“

„Wir stehen für eine Kooperation unter Partnern in Augenhöhe und glauben, dass wir gemeinsam unseren Patienten besser nützen, als im Konkurrenzkampf zwischen angestellten MVZ-Ärzten und uns niedergelassenen freien Ärzten.“

„Schaffen Sie uns Ärzten allen miteinander den Raum, die Gesundheitsversorgung im Kreis auf höchstem Niveau im gut aufgestellten Wettbewerb mit anderen Regionen zu erhalten.“

„Geben Sie unseren Krankenhausärzten die Perspektive, wieder eine langfristige, gedeihliche, friedvolle partnerschaftliche Zusammenarbeit mit uns niedergelassenen Ärzten zu schaffen, in bodenständiger Verbundenheit mit diesem Landkreis. (Welcher Arzt des Kreiskrankenhauses hat an seinem Auto denn noch ein FDS-Schild? Warum ist das wohl so?)“

„Lassen Sie sich korrekt und objektiv über die Situation der Medizin im Landkreis informieren.“

„Haben Sie Verständnis, wenn wir um konkrete Zusagen bitten und dass für uns Fakten zählen.“

Das Ärzte-Netz schreibt abschließend: „Wir wünschen dem scheidenden Landrat Dombrowsky, dass er als Ehrenmann, der zu seinem Wort steht, in den wohl verdienten Ruhestand gehen kann. Wir wünschen dem neuen Landrat Dr. Michael Rückert, dass er sein neues Amt an der Spitze unseres schönen Landkreises in einem Verhältnis des Vertrauens mit den Patienten und allen Ärzten im Landkreis aufbauen kann.“

20.07.2010 - 08:30 Uhr

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