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Kooperation am Kochtopf

Berufsschule und Pestalozzischule sind bei berufsvorbereitender Einrichtung ein Team

Montags kommt die BVE-Klasse der Pestalozzischule zum hauswirtschaftlichen Unterricht in die Berufsschule. Dann wird gekocht. Gestern gab es Vollkornravioli mit Tomatensoße.

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Martina Lachenmaier
Montags kommen die BVE-Schüler mit ihrem Klassenlehrer Freddy Reiff zum Kochunterricht mit ... Montags kommen die BVE-Schüler mit ihrem Klassenlehrer Freddy Reiff zum Kochunterricht mit Eva-Maria Huber in die Berufsschule (Bild oben). Sie hat den Köchen gezeigt, wie man leckere Ravioli macht. Zum Mittagessen hatten die Schüler auch Mitschüler der Pestalozzischule und Lehrer eingeladen (Bild links). Bilder: Kuball

Horb. Dieses Schuljahr hat die Kooperation zwischen der Pestalozzischule und der Berufsschule für die berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) begonnen. Seither verbringen sechs BVE-Schüler den Montagvormittag an der Berufsschule. In der Küche der Berufsschule werden sie von ihrem Klassenlehrer Freddy Reiff und der Berufsschullehrerin Eva-Maria Huber in Hauswirtschaft unterrichtet. Meistens werden einfache Speisen gekocht.

Gestern war eine Ausnahme. Da haben die sechs Schüler ihre Mitschüler und Lehrer zum Mittagessen eingeladen und für 26 Gäste ein Menü gekocht. Das war für die Pestalozzi-Schüler eine riesige Herausforderung, doch zum Ende des ersten BVE-Halbjahres war es Ehrensache für die Mitschüler, die an der BVE nicht teilnehmen können, etwas Leckeres zu kochen. Im zweiten Schulhalbjahr werden die BVE-Schüler montags praktischen Unterricht in der KFZ-Werkstatt der Berufsschule haben.

Ziel dieser Schulkooperation ist es, den Schülern der Berufsschulstufe trotz ihres Handicaps den Einstieg in den Arbeitsalltag zu ermöglichen. Die BVE wird dem erhöhten Förderbedarf der Schüler mit geistigen Behinderungen gerecht. „Langfristig und gezielt werden sie darauf vorbereitet, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Arbeitsstelle zu finden“, sagt Klassenlehrer Freddy Reiff.

Hilfstätigkeiten in Unternehmen seien für die Schüler durchaus denkbar. In den vergangenen vier Jahren, so berichtet Reiff, sei es gelungen vier von 15 BVE-Schülern in feste und dauerhafte Arbeitsstellen zu vermitteln. „Das macht nicht nur Sinn, es funktioniert tatsächlich“, so Reiff.

Er begleitet seine Schüler montags in die Schulküche der Berufsschule. Die hauswirtschaftliche Ausbildung übernimmt Eva-Maria Huber. „Wir kochen einfache Gerichte aus einfachen Zutaten, die die Schüler zu Hause gut nachkochen können“, erklärt sie. Sie befürwortet wie Reiff diese Kooperation. „Die leistungsstärksten Schüler eines Jahrgangs können das gut schaffen“. Da gebe es bei den Schülern viele Kompetenzen die man fördern könne.

So könnten zwei ihrer Schüler schon ganz alleine ein Dessert zubereiten, nachdem sie es geübt haben. Der Erfolg schlägt sich in der BVE in kleinen Schritten nieder. Denn nicht alle Schüler können lesen oder selbstständig arbeiten. „Der Weg ist unser Ziel“, sagt Eva-Maria Huber.

Die Berufsschullehrerin hat eigens an einer Förderschule hospitiert, um sich auf den besonderen Förderbedarf der Schüler einzustellen. Das habe auch bedeutet an sich selbst zu arbeiten, vor allem Geduld einzuüben. „Man muss warten können bis eine Antwort kommt, ohne schnell helfend einzugreifen“, sagt die Lehrerin. Sie schätzt ihre Arbeit, weil sie „so viel von den Schülern zurückbekommt“.

Auch ihre Unterrichtsmaterialien hat die Lehrerin angepasst. Einfach, übersichtlich und meistens bunt bebildert sind sie. Fünf Schulstunden am Vormittag braucht die BVE-Klasse bis ein Gericht gekocht ist. „Und dann sind sie richtig ausgepowert“, sagt Freddy Reiff. Die Theorie, zum Beispiel über gesunde Ernährung, Lebensmittel oder Garmethoden läuft nicht separat sondern geht nebenher.

Für die Ravioli wurde das Mehl aus Dinkel frisch gemahlen, der Teig geknetet, mit der Nudelmaschine dünn ausgerollt und mit Fleisch oder Gemüse gefüllt. „Damit es auch schön aussieht, haben wir die Ravioli mit der Gabel verziert“ sagt ein Schüler, während ein anderer aufpasst, dass das Nudelwasser nicht zu sehr sprudelt. „Sonst würden die Ravioli aufplatzen“, erklärt dieser. Gute Gastgeber sein, den Tisch schön eindecken, und Gäste, zu denen auch Berufsschulleiter Jochen Lindner zählte, begrüßen, war gestern ebenfalls die Aufgabe der sechs BVE-Schüler.

Nach dem Unterricht gibt es eine Nachbereitung des Schulvormittags. Dann wird das Gelernte noch einmal zusammengefasst und der Tag besprochen. Spätestens bis Freitag muss jeder Schüler einen Bericht beim Klassenlehrer abliefern.

Die beiden Schulen werden die Kooperation für die kommenden Schuljahre vertraglich regeln. Ab dem nächsten Schuljahr ist vorgesehen, die BVE-Klasse ganz an der Berufsschule zu unterrichten. Freddy Reiff sieht darin einen wichtigen Schritt seiner Schüler, heraus aus der geschützten Schulatmosphäre der Pestalozzischule.

10.01.2012 - 08:30 Uhr

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