Bundesverdienstkreuz an Barbara Staudacher und Heinz Högerle übergeben
Stolz, Anerkennung, Rührung und Dankbarkeit waren zu spüren, als Barbara Staudacher und Heinz Högerle das Bundesverdienstkreuz überreicht bekamen. Zu den Gratulanten gehörten auch Besucher aus Shavei Zion.
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Claudia Salden
Horb/Rexingen. Im Kreis vieler Wegbegleiter, Unterstützer und Freunde haben Barbara Staudacher und Heinz Högerle am Donnerstag die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik entgegengenommen: Mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande hatte der damalige Bundespräsident Horst Köhler die beiden Rexinger im Mai für ihre Verdienste um die Bewahrung der Erinnerung an die jüdische Vergangenheit in Horb und Rexingen ausgezeichnet.
Nach der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes haben sich Barbara Staudacher und Heinz Högerle ins Goldene Buch der Stadt Horb eingetragen (links OB Peter Rosenberger).Bilder: cls
Barbara Staudacher, die als Buchhändlerin und Lehrerin gearbeitet hat, und ihr Lebenspartner, der Schriftsetzer und Verlagshersteller Heinz Högerle, leben seit Jahrzehnten in Rexingen. Dort engagieren sie sich seit 1998 im Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge, Högerle ist seit sechs Jahren der stellvertretende Vorsitzende. Zum Erhalt der Synagoge haben sie Führungen, Benefizkonzerte, Vorträge und Gedenkveranstaltungen organisiert. Zu ihren Verdiensten zählen auch die Gründung der Förderstiftung zum Umbau des ehemaligen jüdischen Betsaals in Horb, die Bürgerinitiative „Keine Neonazis in Horb“ und Bücher über die jüdische Geschichte der Region. Ein Höhepunkt ihrer ehrenamtlichen Arbeit war die Ausstellung „Shavei Zion – Ort der Zuflucht und Verheißung“ im Jahr 2008, für die Staudacher und Högerle die Entstehungsgeschichte von Shavei Zion und seine Entwicklung aufgearbeitet haben. Die jüdische Siedlung hatten Juden aus Rexingen 1938 gegründet.
Mit flotter Musik hat die „Horb Acoustic String Band“ die Zuhörer – rechts Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner – bei der Feierstunde unterhalten.
„Immer, wenn ich in der Stadt unterwegs bin, treffe ich Sie beide“, sagte Peter Rosenberger zur Begrüßung im Bürgerkulturhaus. Dies zeige, welche Präsenz das „Doppelpack“ in Horb und Rexingen habe. Der Oberbürgermeister erinnerte auch an das Projekt „Stolpersteine“ zum Gedenken an ehemalige jüdische Mitbürger, das jetzt auf Anregung von Staudacher und Högerle umgesetzt werde: „Wir lernen gern von Ihnen und nehmen Sie uns als Vorbild.“
Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner aus Karlsruhe überreichte die Auszeichnung und überbrachte Glückwünsche des Ministerpräsidenten und der Landesregierung. In seiner Laudatio würdigte er den „langjährigen ehrenamtlichen Einsatz und das unermüdliche Engagement“ der Rexinger. Nur wer die Vergangenheit wach halte, könne den Weg in die Zukunft weisen. „Sie haben im Umgang mit der Vergangenheit und beim Aufbau der deutsch-israelischen Beziehungen Zeichen gesetzt“, betonte Kühner. Besonders würdigte der Regierungspräsident, dass Staudacher und Högerle junge Menschen einbeziehen und neben Studienreisen einen Schüleraustausch mit Israel auf die Beine gestellt haben. „Es sind die jungen Menschen, die über den Weg der deutsch-israelischen Beziehungen entscheiden.“ Staudacher und Högerle seien ein Ansporn für andere. „Halten Sie Horb noch eine Weile auf Trab, das tut der Stadt und dem Land gut“, meinte der Regierungspräsident.
„Ihr habt uns trotz mancher Anfeindungen von außen immer wieder Ermutigung und Ermunterung gegeben“, lobte der Europaparlamentarier und ehemalige Horber OB Michael Theurer. Der Vorsitzende des Synagogenvereins hatte die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz angeregt. Man könne das Engagement von Staudacher und Högerle nicht hoch genug einschätzen: „Der Mut und die Motivation, die Ihr ausstrahlt, hat viele mitgezogen“, meinte Theurer. „Ihr seid etwas Besonderes“, sagte Birgit Sayer gerührt. Staudacher und Högerle seien stets freundlich, offen, unkompliziert und bescheiden, lobte die Rexinger Ortsvorsteherin. „Euer Umgang mit der Vergangenheit hat manche verunsichert und viele beeindruckt.“
Spontan sprach Amos Fröhlich, der eigens zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes aus Shavei Zion nach Horb gereist war. „Lange war in Rexingen kein Gespräch über die Vergangenheit möglich“, erinnerte der 80-Jährige. „Es ist unbeschreiblich, wie sich das gewandelt hat.“ Staudacher und Högerle hätten als erste von Shavei Zion Notiz genommen: „Sie kamen und haben alles durchwühlt“, lobte Fröhlich. Auch emotional habe sich viel getan: „Wir lieben Euch und schätzen Eure Arbeit.“
In ihren Dankesworten betonten Barbara Staudacher und Heinz Högerle, dass ihr Engagement nur dank vieler Unterstützer möglich sei. „Wir hoffen, dass in Baden-Württemberg eine Renaissance der Beziehungen zu Shavei Zion entsteht und dass uns das Bundesverdienstkreuz bei der Realisierung unserer Projekte hilft“, sagte Högerle. Staudacher erinnerte an die Motivation für das Engagement für Shavei Zion: „Unser Antrieb ist nicht nur historisches Interesse, politisches Engagement, Schmerz, Wut und Scham über die Vergangenheit. Es ist auch eine Liebesgeschichte.“ Sie hoffe, vom Gefühl der Verbundenheit und Freundschaft etwas weiterzugeben.
Die „Horb Acoustic String Band“ mit Simone Epple, Patrick Bär und Martin vom Ende hat die Feierstunde musikalisch umrahmt. Die amerikanischen, irischen und jiddischen Weisen, die sich Högerle und Staudacher gewünscht hatten, sorgten für eine frohe und feierliche Stimmung. An den offiziellen Teil schloss sich ein Empfang an, den viele Gäste nutzen, um den Trägern des Bundesverdienstkreuzes zu gratulieren.