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Ein Gefühl von Freiheit

Der Talheimer Michael Walz ist stolzer Besitzer eines Elektroautos mit Pedalantrieb

Michael Walz ist seit einem Jahr am liebsten mit seinem Twike unterwegs. Er liebt das Gefühl von Freiheit beim Fahren. Dafür verzichtet er gerne auf den Komfort eines herkömmlichen Wagens.

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Martina Lachenmaier

Talheim. War das nicht gerade der Walz aus Talheim? Man fragt es sich und schon surrt das kleine dreirädrige Elektromobil nahezu geräuschlos vorbei. Man kann gerade noch einen Blick auf den Fahrer erhaschen. Ja er war’s. Niemand außerMichael Walz, dem Chef des Talheimer Installateurbetriebs, fährt in der Umgebung solch ein Auto.

Windschnittig liegt das Twike auf der Straße und versetzt mit seinem futuristischen Äußeren ... Windschnittig liegt das Twike auf der Straße und versetzt mit seinem futuristischen Äußeren nicht nur seinen Fahrer in Verzücken.Bilder: Kuball

„Mit dem Twike unterwegs zu sein ist reine Entspannung“, sagt der Elektomobilist. Er ist so begeistert von seinem Elektroauto, dass er wann immer es geht, den Caddy in der Garage lässt. Liegend zur Arbeit heißt es nun für ihn, wenn er in sein Twike steigt. „Das macht richtig Spaß.“ Vor allem, weil er durch die Einstiegshaube mit der großen Windschutzscheibe direkt in den Himmel gucken kann. Noch schöner ist es, im Sommer mit offenem Verdeck zu fahren. „Das ist für mich ein Gefühl von Freiheit“.

Das technische Innenleben eines Twike ist denkbar simpel. Auch das macht das Elektromobil für ... Das technische Innenleben eines Twike ist denkbar simpel. Auch das macht das Elektromobil für seinen Besitzer Michael Walz so sympathisch.

Und im Winter? Da ist Michael Walz dick in Mütze und Schal eingemummt. Für frostige Temperaturen hat er sich eine Weste mit Rückenheizung zugelegt. Das Twike im Winter in der Garage zu lassen kommt nicht in Frage, zumal er sich das Elektromobil eigens als Firmenwagen angeschafft hat. Das Twike hat sich aus einem zweisitzigen Liegerad entwickelt und ist deshalb mit einem herkömmlichen Elektroauto nicht zu vergleichen. Michael Walz klappt die Einstiegshaube hoch und nimmt Platz. Statt Gas- und Bremspedal gibt es im Twike einen Pedalantrieb, womit man den Motor unterstützen, oder sich fit halten kann. Die Energie, die der Fahrer, auch mithilfe des Beifahrers tritt, muss nicht aus der Batterie entnommen werden. Wenn ein Fahrer 100 bis 200 Watt bereitstellt, kann er 10 bis 20 Prozent der Energie sparen. Davon ist Michael Walz noch weit entfernt. „Ich hab’s mir eigentlich vorgenommen, aber ich bin ein wenig faul.“ Meist saust er mit 70 bis 85 Stundenkilometern, so schnell kann das Twike maximal fahren, über Land.

Auch ein Lenkrad sucht man im Twike vergeblich. Stattdessen hat es einen Lenkhebel. Man schiebt ihn wie einen Joystick in die Richtung, in die man fahren möchte. Beschleunigungstaste, elektrische Bremse und Blinker sind im Hebel integriert. Gewöhnungsbedürftig sei das Fahren zu Beginn, das räumt Michael Walz ein. An Luxus mangelt es dem Elektromobil freilich. Aber das stört einen überzeugten Twiker nicht. Der liebt die einfache Technik.

„Weil sie so simpel ist, kann ich die Wartung selbst machen.“ Reifenwechsel und Kugellageraustausch fallen öfter an, aber nicht mehr als 600 Euro Werkstattkosten im Jahr. Das Twike ist ein sparsames Fortbewegungsmittel. Einmal vollladen kostet 1 bis zwei Euro. Im Umkreis von 20 Kilometern und im Stadtverkehr kann das Twike mit dem Auto mithalten. Michael Walz ist ein Fan von alternativ erzeugter Energie. „Ich hatte schon immer Lust Neues auszuprobieren.“ Er heizt mit Pellets und erzeugt Strom und warmes Wasser mit Sonnenenergie. „Das Twike rundet mein persönliches Energiekonzept ab“, erklärt er.

Mit dem Twike-Virus hat er sich infiziert, nachdem ihm ein Bekannter sein Twike eine Woche ausgeliehen hat. Ein halbes Jahr später hatte er selbst eines. Fünf Jahre alt, gebraucht mit 88 000 Kilometern. Seither ist er 18 000 Kilometer damit gefahren. Vor einem Jahr hat er sein Twike in Furtwangen abgeholt. „Die Heimfahrt war ein echtes Abenteuer.“ 95 Kilometer weit bei winterlichen Bedingungen. Bis Glatten ist er gekommen, dann musste er das Twike im „Schwanen“ aufladen.

Ist die Batterie vollgeladen, was im Normalfall zwei Stunden dauert, kommt Michael Walz bis zu 100 Kilometer weit. Für den Arbeitsalltag heißt das, das Elektromobil in der Mittagspause an die Steckdose zu hängen. „Das Fahrgefühl ist einzigartig“, schwärmt Walz. Mit 80 Stundenkilometern kann er ganz relaxed fahren. „Man hat keinen Druck, muss niemanden überholen, weil man selbst relativ langsam unterwegs ist. Das entschleunigt.“ Noch entspannter ist es für den Elektromobilisten hinter einem Lkw herzufahren. „Dann ist der Schuld an der langsamen Fahrt.“

Wer liegend Auto fährt, hat eine andere Sicht auf den Verkehr. Das ist gewöhnungsbedürftig. „Fährt ein Lkw hinter mir, sehe ich nur den Kühlergrill. Da fühlt man sich schon schwach.“ Doch er braucht das Überlegenheitsgefühl, das man in einem zwei-Tonnen-Geländewagen hat, nicht. Dem Twikefahrer wird vor allem im Stadt und Wohngebietsverkehr mehr Konzentration abverlangt, weil das Elektroauto sehr leise ist. „Die Fußgänger hören mich nicht, da muss ich mehr auf Passanten Acht geben.“

Michael Walz fühlt sich wohl in seinem Twike. Auch wenn es weniger Komfort bietet, keine Heizung hat, unsicherer als ein Auto ist, und man nicht beliebig Gepäck und Personen mitnehmen kann. „Man muss es trotz der kleinen Nachteile einfach gern haben.“ Das aerodynamische Design erregt viel Aufmerksamkeit. Kinder winken ihm fröhlich zu und Jugendliche necken ihn schon mal wegen des ausgefallenen Gefährts. Michael Walz gefällt auch das – und er hofft, dass er den Wagen noch einige Jahre fahren kann. Nicht nur der Umwelt zuliebe, oder weil es sich rentiert, sondern ganz einfach weil’s unendlich viel Spaß macht.

08.12.2011 - 08:30 Uhr

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