KLF-Chef Roppelt: Die „Gesundheitsregion“ soll für junge ÄrztInnen attraktiv werden
Finanzielle Anreize für Medizin-Studenten will der neue Kreiskrankenhaus-Geschäftsführer Christian Roppelt schaffen – im Kampf gegen den Ärztemangel. Zudem strebt er einen Weiterbildungsverbund mit Praxen im Landkreis Freudenstadt an – in der Hoffnung, dass niedergelassene Ärzte dadurch Nachfolger finden, bevor sie in den Ruhestand gehen.
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Andreas Ellinger
Horb/Freudenstadt. Christian Roppelt hat bei seinen strategischen Planungen nicht nur die Krankenhaus-Entwicklung im Landkreis Freudenstadt im Blick, sondern die medizinische Versorgung der Bevölkerung insgesamt. Das hatte er auch als Vorstand der „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“ so gehandhabt. Die zwei dortigen Kliniken bilden inzwischen mit einer Nachbarklinik (samt ihres Medizinischen Versorgungszentrums) sowie mit 85 niedergelassenen Haus- und Fachärzten das „Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte“. Die Gesundheitsversorger sind elektronisch vernetzt, was einen schnellen Daten-Austausch ermöglicht und Untersuchungen spart. Die AOK honoriere diese Ersparnis mit einer jährlichen Ausschüttung von zwei bis drei Millionen Euro – davon berichtete Roppelt bereits, als ihn Landrat Dr. Klaus Michael Rückert im April der Presse vorgestellt hat.
Der Netzwerker
Zum 1. Oktober hat er die Geschäftsführer-Stelle bei der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) angetreten. Sein Ziel ist es, intern die Zusammenarbeit zwischen den Kliniken in Freudenstadt und Horb zu verbessern – sowie extern mit den niedergelassenen Ärzten und anderen Einrichtungen, die einer Krankenhaus-Behandlung nachgelagert sind. Der Netzwerker Roppelt sieht die KLF als Teil einer „Gesundheitsregion“, in der es gelte, die medizinische Versorgung der Bevölkerung langfristig sicherzustellen. Ein Hauptproblem ist dabei, dass es zu wenig junge Ärzte gibt und noch weniger in den ländlichen Raum wollen…
Nachfolger für Praxen
Eine Kooperation mit dem Universitäts-Klinikum Tübingen ermöglicht es, dass Studenten an den Krankenhäusern im Kreis Freudenstadt Praxis-Erfahrung sammeln. Der neue Geschäftsführer will daran anknüpfen. Seine Idee: Studenten bekommen Klinik-BAföG. Wenn sie sich dazu verpflichten, „eine gewisse Zeit bei uns zu bleiben“, sollen sie das Geld behalten können – andernfalls müssten sie es zurückzahlen. Christian Roppelt möchte für sie eine Weiterbildungsinitiative starten, an der sich auch niedergelassene Ärzte beteiligen können – mit dem Ziel, junge Mediziner als Kompagnons zu gewinnen und später als Nachfolger.
Krippenplätze bieten
Abgesehen davon will der Geschäftsführer familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen. „60 bis 70 Prozent der Studienabgänger sind Frauen“, sagt er. Darauf will Roppelt mit flexiblen Arbeitszeiten reagieren und Krippen-Plätze für Kinder der künftigen Mitarbeiterinnen reservieren. Er arbeitet an „einem Konzept aus einem Guss“, damit die Ärztinnen nicht nur ein paar Jahre nach dem Studium, sondern auch darüber hinaus in der KLF bleiben – Ärzte natürlich ebenfalls. Und wenn einige der jungen Leute Praxen übernähmen, kenne man sich bereits gegenseitig, was sich positiv auf die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenem und stationärem Bereich auswirken werde – so der Plan.
Dass er sich über die Gesundheitsversorgung im Landkreis insgesamt Gedanken macht, ist für den Geschäftsführer eine Selbstverständlichkeit: „Ich bin in einer kommunalen Trägerschaft“, sagt er. Abgesehen davon sei die KLF auf Ärzte angewiesen, die Patienten einweisen. „Wenn ich keine Einweiser mehr habe, bringt‘s mir auch nichts.“ Diese Gefahr droht langfristig, wenn immer mehr Ärzte in den Ruhestand gehen, die keine Nachfolger gefunden haben. Dann schließen die Praxen.
Ein Win-Win-Modell
„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt der Geschäftsführer, der selbst Arzt ist. Es werde drei bis fünf Jahre dauern, bis das Konzept Früchte trage – an seiner früheren Wirkungsstätte hätten sich nach zwei Jahren erste Effekte eingestellt. Im Kreis Freudenstadt ist das Vorhaben in der Planungsphase. Christian Roppelt wird noch eine Vielzahl von Gesprächen führen. Zur Kreis-Ärzteschaft hat er bereits Kontakt geknüpft. Nicht nur im Ausbildungs-Bereich soll ein Kooperations-Modell gefunden werden, von dem Kliniken und Praxen gleichermaßen profitieren können.