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Die Josefs-Geschichte

Rund 30 Christen diskutieren bei der Tora-Lernwoche mit Sara und Shlomo Mayer

Noch bis zum morgigen Donnerstag gehen die fünften Tora-Lernwochen in der ehemaligen Rexinger Synagoge. Seit Beginn dieser Woche treffen sich jeden Abend um 19.30 Uhr 30 Christen mit dem Tora-Lehrer-Ehepaar Sara und Shlomo Mayer aus Jerusalem sowie mit Barbara Staudacher und Heinz Högerle vom Synagogen-Verein.

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Alfred Binder
Vier verschiedene Übersetzungen und damit auch vier verschiedene Interpretationen der Bibel haben ... Vier verschiedene Übersetzungen und damit auch vier verschiedene Interpretationen der Bibel haben Heinz Högerle, Shlomo und Sara Mayer aus Jerusalem sowie Barbara Staudacher in Händen (von links). Bild: bin

Rexingen. Die evangelische Kirchengemeinde Dettingen (die so genannte 7-Dörfer Gemeinde) und der Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen hatten zu der biblischen (Tora kann mit Bibel übersetzt werden) Lernwoche eingeladen. Die Teilnehmer kommen aus dem ganzen Landkreis Freudenstadt und nehmen sich vier Abende hintereinander Zeit, um mit dem jüdischen Ehepaar Mayer (Shlomo Mayer spricht perfekt Deutsch) über die fünf Bücher Mose, die Teil der Tora sind, zu sprechen, zu beraten und zu diskutieren. Die Interpretationen der zahlreichen Bibelübersetzungen laden dazu geradezu ein.

Die Initiative zu den Lernwochen geht auf das Jahr 1978 zurück und ist im Kloster Denkendorf (Kreis Esslingen) entstanden und von der Evangelischen Landeskirche Württemberg aufgegriffen worden. Heute wird diese Arbeit von der Evangelischen Akademie in Bad Boll weitergeführt.

Das Thema der Rexinger Woche lautet: „Josef und seine Brüder – Israels Weg nach Ägypten.“ Der in Basel im Jahre 1940 geborene Israeli Shlomo Mayer war von 1986 bis 2009 Direktor des Leo-Baeck-Instituts in Jerusalem. Die nach dem deutschen Rabbiner Leo Baeck benannte Einrichtung dient der Erforschung und Dokumentation jüdischer Geschichte und Kultur in deutschsprachigen Ländern und hat Zweigstellen in New York, London und Berlin.

Die Josefs-Geschichte gilt in der heutigen Zeit als einer der faszinierendsten Bereiche in der Bibel. Sie handelt von Bevorzugung, Neid, Hass, Betrug, aber auch von Reue und Versöhnung – alles aktuelle Themen des 21. Jahrhunderts. Dabei wurde in den bisherigen Seminarstunden schon deutlich, dass die hebräische Originalbibel (die Mayers sprechen die hebräische Sprache) eine wesentlich fundamentalere Bedeutung hat, als all die deutschen Übersetzungen. So entstand von Anfang an ein Dialog zwischen dem jüdischen Ehepaar Mayer und den 30 hochmotivierten Christen, der zu einem Kennenlernen und besseren Verständnis der Religionen führte.

Noch vor wenigen Jahren habe man immer gegen Juden und nie mit Juden gesprochen, weiß Shlomo Mayer, der seinerseits aber auch erst Ende der 80er-Jahre deutschen Boden betreten hat, obwohl er in Basel geboren wurde. Er folgte damals einem Ruf zum evangelischen Kirchentag in Frankfurt und in diesen Tagen hat sich bei Mayer ein innerlicher Wandel vollzogen. So übernahm er sogar einen Lehrauftrag der Denkendorfer Tora-Theorien.

An den bisherigen Abenden ging es immer wieder auch lustig zu, denn der Tora-Lehrer weiß seinen Humor immer wieder geschickt einzusetzen, zumal er und seine Frau Sara keine nüchternen Bibel-Spezialisten sind, sondern beide Pädagogik studiert haben. Durch solche Treffs werden Vorurteile abgebaut und das gegenseitige Verständnis wächst zusehends, wie Shlomo Mayer erklärt. Natürlich dürfen sich Seminarteilnehmer auch kritisch zu den Bibel-Passagen äußern, was nur zu intensiveren Diskussionen führt.

Allerdings, und das sieht der bekennende Jude seinerseits kritisch, geht die Belegung der Fakultät Bibelforschung an der größten Universität Israels in Tel Aviv in den letzten Jahren permanent zurück.

Einige der 30 Teilnehmer sind nun schon zum fünften Mal bei einer Tora-Lernwoche in Rexingen dabei, die alle drei Jahre stattfindet. Viele Christen werden auch im Jahre 2013 wieder dabei sein, da ist sich Heinz Högerle sicher, denn eine Tora-Lernwoche in einer ehemaligen Synagoge, das sei schon was besonderes und seines Wissens einmaliges.

08.07.2010 - 08:30 Uhr

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