Von der Einigkeit des KLF-Geschäftsführers und seines Ärztlichen Direktors
Wenn sich der Geschäftsführer der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) und sein Ärztlicher Direktor einig sind, dann kommen Aufsichtsrat und Kreistag bei der Klinik-Entwicklung kaum an ihnen vorbei. Ob es ihren Einigungs-Chancen zuträglich wäre, wenn der eine finanziell auf das Wohlwollen des anderen angewiesen sein sollte?
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Andreas Ellinger
Inwiefern ihre Einigkeit eine klinisch reine Angelegenheit ist, diese Frage könnte sich der Staatsanwaltschaft Rottweil stellen, die sich derzeit mit dem „Verdacht der Untreue“ gegen Geschäftsführer Rainer Schmidhuber befasst – wobei das gleichzeitig begonnene Ermittlungsverfahren gegen den Ärztlichen Direktor Dr. Jürgen Schulze-Tollert schon relativ früh eingestellt worden ist.
Bei dem Ärztlichen Direktor handelt es sich nach Informationen der SÜDWEST PRESSE um den Chefarzt, der gegenüber der KLF in Zahlungsrückstand geraten ist – die Summe soll sich zeitweise in einer Größenordnung von knapp 200 000 Euro bewegt haben. KLF-Boss Schmidhuber scheint es über Monate oder gar Jahre hinweg hingenommen zu haben, dass sich die Schulden immer mehr erhöht haben. Statt die Rückstände gleich vom Chefarzt-Gehalt abzuziehen, soll der Ärztliche Direktor sogar eine fünfstellige Gehalts-Erhöhung bekommen haben. Das Abtragen des Schuldenbergs klappt jetzt offenbar – eine beruhigende Nachricht für den Aufsichtsrat.
Ist von Seiten eines Geschäftsführers Kulanz angezeigt, wenn es um Belange einer augenscheinlich loyalen Führungskraft geht, die obendrein als Leistungsträger gilt?
Dr. Jürgen Schulze-Tollert ist im November 2009 im Kreistag aufgetreten, als es darum ging, ob die KLF mit dem Uniklinikum Tübingen kooperieren oder sich mit dem Klinikverbund Südwest zusammenschließen soll. Im Falle eines Anschlusses an den Klinikverbund wäre ein Geschäftsführer-Posten mit Jahresbezügen über 200 000 Euro überflüssig geworden.
Wie der KLF-Boss war auch der Ärztliche Direktor für eine ausschließliche Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum. Und die Stellungnahme des Ärztlichen Direktors fiel ähnlich einseitig aus wie die „Beurteilung Kooperationssachverhalte“ der KLF-Führung insgesamt (wir berichteten). Dr. Schulze-Tollert wiederholte die Angebote des Uniklinikums – die Vorschläge des Klinikverbundes nicht. In Tabellenform listete er die Spezialangebote der Uniklinik auf – um festzustellen, dass der Klinikverbund diese Spezialitäten nicht biete. Was der Klinikverbund in Aussicht stellte – den Ausbau des Leistungsspektrums am Horber Hospital – das fehlte in dem Vergleich des Ärztlichen Direktors.
Mit diesem Auftritt hat Dr. Schulze-Tollert in letzter Konsequenz auch zur Job-Sicherung von Rainer Schmidhuber beigetragen.
Als kürzlich das „Ärzte Netz Kreis Freudenstadt“ mit 52 namentlich aufgeführten Vereinsmitgliedern forderte, dass Landrat Peter Dombrowsky und Geschäftsführer Rainer Schmidhuber Zusagen einhalten sollen, die sie bezüglich des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Freudenstadt gegeben hätten, war der Ärztliche Direktor gar nicht angesprochen. Den schriftlichen Gegenangriff von Landrat und Geschäftsführer hat Dr. Schulze-Tollert aber mit seiner Unterschrift aufgewertet.
Die Liste der Konfliktsituationen, in denen der Ärztliche Direktor die Position des Geschäftsführers unterstützt hat, lässt sich fortsetzen – etwa mit einem Rückblick auf die Kreistags-Sitzung, in der es um einen schriftlichen Hilferuf von 41 Horber Hospital-Mitarbeitern ging, oder mit Auszügen aus vertraulichen Unterlagen der KLF…
Es ist eine Frage der Unternehmens-Kultur, inwiefern sich Loyalität auszahlt.