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Gleißende Sichel

Aufregende partielle Sonnenfinsternis gestern Vormittag

Das gestrige Himmelsschauspiel, die Dreiviertel-Sonnenfinsternis, hat die astronomischen Enthusiasten vollauf entzückt. Höhenlagen-Anrainer und -Besucher waren dabei im Vorteil. In der kristallklaren, kalten Winterluft war nach dem Sonnenaufgang eine perfekte partielle „Sofi“ zu beobachten.

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Siegfried Schmidt
Sonnenfinsternis-Gucker gestern Vormittag nahe des Schliffkopf-Gipfels auf rund 1000 Metern ... Sonnenfinsternis-Gucker gestern Vormittag nahe des Schliffkopf-Gipfels auf rund 1000 Metern Meereshöhe. Viele hatten Teleskope, Stative und Spezialausrüstungen dabei. Bild: Ebel

Schliffkopf/Freudenstadt. Über ein Jahrzehnt nach der „totalen“ Verfinsterung unseres Zentralgestirns über Mitteleuropa war die partielle Sonnenfinsternis gestern kein Massenereignis. Es waren keine Heerscharen von Sofi-Guckern unterwegs, um die besten Aussichtsplätze auf das Jahrhundert-Phänomen zu erhaschen. Viele mögen noch nicht einmal bemerkt haben, dass der Glitzerball kurz nach 9 Uhr teilweise abgedunkelt wurde. Man musste schon das optische Feinsensorium einschalten, um die kaum merkliche Fahlheit des Tageslichts durch den Neumond-Schatten feststellen zu können.

Die partielle Sonnenfinsternis gestern, gesehen vom Schliffkopf aus und aufgenommen durch die ... Die partielle Sonnenfinsternis gestern, gesehen vom Schliffkopf aus und aufgenommen durch die Bühler Sterngucker.

Wer jedoch in weiser Voraussicht sich die sorgsam aufbewahrte Sofi-Brille bereit gelegt hatte und mit Zeitmesser auf den großen Moment der maximalen Bedeckung der Sonnenoberfläche wartete, dem wurde ein einzigartiges astronomisches Spektakel zur besten Frühstückszeit beschert. Denn die Wetterbedingungen waren in den Schwarzwaldhöhen bestens terminiert. Zwar war in Freudenstadt und auch, einige Etagen höher, an der Schwarzwaldhochstraße bei Sonnenaufgang der Glutball teilweise noch durch Wolkenschleier am südöstlichen Horizont eingerahmt und überpinselt. Doch bei zunehmender Sonnenverfinsterung waren diese Wolkenschlieren wie durch die Hand eines großen Theaterregisseurs beiseite geschoben. Die Maxi-Bedeckung der Sonne durch den Mond – im Kreis Freudenstadt bei stattlichen 78 Prozent! – konnte so ohne Beeinträchtigung betrachtet und goutiert werden.

Gut, wer seine „alte“ Sofi-Brille vom Top-Event 11. August 1999 noch aufbewahrt hatte. Gut, wer seine „alte“ Sofi-Brille vom Top-Event 11. August 1999 noch aufbewahrt hatte.

Die Bühler Sterngucker und das Naturschutzzentrum Ruhestein (NAZ) hatten gestern (wir berichteten) auch zum großen Sonnenfinsternis-Schauen auf den Schliffkopf eingeladen. Rund 50 Schaulustige waren an diesem knirschend kalten Morgen, minus 9 Grad Celsius, auf dem Höhenrücken versammelt. Die 20 mit Teleskopen, Filtern und Fotokameras ausgerüsteten Sterngucker-Experten aus Bühl und Umgebung waren natürlich heiß umlagert. Sprecher der Sterngucker-Vereinigung, aber auch Charly Ebel, der stellvertretende Leiter des NAZ und Themenspezialist für alles Kosmische, gaben Erläuterungen und Hinweise.

Bereits um 7.45 Uhr hatte Ebel mit seinen Teilnehmern am Schliffkopf Stellung bezogen. Man musste schon gut wattierte Kleidung dabei haben, um die drei Stunden Sofi-Vorstellung wohltemperiert auf dieser Höhe durchzustehen. Doch die Sonne, die ab 10.30 Uhr den Mond wieder abzuschütteln vermochte, sandte dann auch verstärkt wärmende Strahlen. Die Sofi-Gäste genossen eine glitzernde Schneelandschaft über dem watteartigen Nebel-Meer in den Niederungen der Rheinebene. Für Charly Ebel war das Himmelsschauspiel gestern „sehr, sehr beeindruckend“. Beim Durchguck durch diverse Sonnenfilter und Teleskop-Linsen fand er das Erlebnis geradezu „gigantisch“. Die derartig „verstärkten“ Augen vermochten, so schildert es Ebel, sogar Sonnenflecken und Protuberanzen, also Gasausbrüche auf der Sonnenoberfläche, auszumachen. Und das bei einem nur noch sichelförmig vorhandenen Sonnen-„Schnitz“.

Die bestellten 100 Sofi-Brillen, welche die Sterngucker noch geordert hatten, waren übrigens nicht rechtzeitig eingetroffen. Deshalb wurde der vorhandene Vorrat gerecht herum gereicht.

Für die nächste partielle Sonnenfinsternis muss man jetzt vier Jahre warten. Am 20. März 2015 ist es wieder so weit. Charly Ebel kann allerdings bereits für den 15. Juni dieses Jahres ein nächstes großartiges Himmels-Event versprechen. Sofern wieder Wetterglück die Bühnenvorhänge öffnet, wird man dann ab 20 Uhr eine totale Mondfinsternis erleben können.

Die längste Mondfinsternis unserer Gegenwart überhaupt, wie Ebel weiß. Der Mond wird dann am Abendhimmel zur blutroten Scheibe.

05.01.2011 - 08:30 Uhr

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