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Ein Film der Gegensätze

„Filmwelten“-Saison im Kinzighaus ist mit einem Dokumentarfilm von Jakob Preuss gestartet

Passender hätte der Auftakt zur neuen „Filmwelten“-Saison im Loßburger Kinzighaus kaum sein können: Kurz vor Beginn der Fußball-EM in Polen und der Ukraine gewährte der mehrfach preisgekrönte Jakob Preuss mit seinem Film „The Other Chelsea – Eine Geschichte aus Donezk“ Einblicke in die ukrainische Mentalität.

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Monika Schwarz

Loßburg. Nicht zuletzt dank der länderübergreifend positiven Resonanz auf diesen Film war Regisseur Jakob Preuss in den vergangenen Monaten viel unterwegs – in Polen, Rio de Janeiro und New York beispielsweise. Dass er jetzt im vergleichsweise beschaulichen Loßburg gelandet ist, hat einerseits mit seinen persönlichen Kontakten zum Filmemacher Sebastian Heinzel, dem Initiator der Loßburger „Filmwelten“, zu tun, andererseits mit dem Sponsoring, das den Aufenthalt des Regisseurs erst ermöglicht hat. Gefördert wurde er aus Mitteln des Programms „Grenzgänger“ der Robert-Bosch-Stiftung und auch über die Gemeinde und weitere Kooperationspartner. Heinzels Dank galt deshalb auch Bürgermeister Thilo Schreiber. Zur Einstimmung sang der Freudenstädter Frauenchor „Neues Leben“ ukrainische Volkslieder. In das letzte Stück, eines der Lieder aus seinem Film, stimmte der perfekt Russisch sprechende Regisseur Preuss mit ein. Für die Verpflegung sorgte das Team vom Hofbauernhof in Schömberg.

Der Regisseur Jakob Preuss mit dem Chor „Neues Leben“ beim gemeinsamen Singen.Bild: mos Der Regisseur Jakob Preuss mit dem Chor „Neues Leben“ beim gemeinsamen Singen.Bild: mos

Anhand unterschiedlicher Menschen in verschiedenen Lebenssituationen zeigt Preuss in seinem Film die Facetten eines von Gegensätzen geprägten Landes. Einerseits ist da der Multimilliardär Rinat Achmetow, der den örtlichen Fußballclub „Schachtjor Donezk“ dank seines Millionen-Sponsorings und des dadurch möglichen Einkaufs brasilianischer Spitzenspieler bis hin zum Titelgewinn des UEFA-Cups 2009 geführt und ein neues Stadion finanziert hat. Andererseits gibt es im Ort die heruntergewirtschaftete Kohle-Mine Putilowskaja, für die sich kein Investor findet. Obwohl die Arbeiter dort unter schwierigsten Bedingungen ihr Geld verdienen, haben sie ihren Humor nicht verloren und feiern „all die Feste, die die Menschheit für sich erschaffen hat“ – auch Fußball gehört dazu. Ein Punkt, der sie von den Deutschen unterscheide, bemerkte Preuss im Publikumsgespräch. Erlauben kann er sich dieses Urteil allemal: Er war während der fast dreijährigen Dreharbeiten oft in der Ukraine und hat bereits in den 90er-Jahren in Osteuropa gelebt.

Der Multimilliardär Achmetow äußert sich im Film nicht. Wer allerdings spricht und von Preuss meisterhaft porträtiert wird, ist der in Achmetows Gunst stehende Jungpolitiker und Jungunternehmer Kolja Lewtschenko. Er öffnet Preuss nicht nur die Tür zu seiner Wohnung und seinem dort sichtbaren Wohlstand, er öffnet sich generell und spricht dabei auch gesellschaftliche und politische Themen an, die in einem offiziellen Interview wahrscheinlich nie zur Sprache gekommen wären.

Davon lebt der Film – aber nicht nur. Was Preuss neben der einfühlsamen Darstellung der Menschen und Situationen meisterhaft beherrscht, sind seine Animationen. Witzig und ideenreich kompensiert er damit all das, was nicht gefilmt werden konnte und fasst Ereignisse, die allein schon den zeitlichen und vielleicht auch den finanziellen Rahmen des Films gesprengt hätten, in Sekunden zusammen. Spielszenen des Fußballclubs von Donezk oder auch Spielerinterviews fehlen komplett – man vermisst sie aber auch nicht.

Im Publikumsgespräch erzählte Preuss von Begebenheiten, die sich am Rande zugetragen haben. Auch seine persönliche Meinung zu den Diskussionen rund um die Ukraine, Julia Timoschenko oder den Boykott der EM äußerte Preuss. Von Timoschenko, einer „extrem populistischen Milliardärin“, halte er nichts: „Man sollte sie jetzt nicht glorifizieren.“ Dennoch sei es richtig, die EM politisch zu boykottieren, damit nicht das Bild entstehe, dass man Präsident Janukowitsch auch noch auf die Schulter klopfe.

09.06.2012 - 08:30 Uhr

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