[X]
 per eMail empfehlen


   

Der Tod auf leisen Sohlen

Professor Dr. Berthold Steinke hat zum Thema „Dickdarmkrebs“ referiert

Jeder vierte Bundesbürger stirbt an Krebs. Die häufigste Krebsform ist dabei der Darmkrebs. Deshalb hat Professor Dr. Berthold Steinke im Sulzer Haus der Betreuung und Pflege Am Stockenberg zum Thema „Dickdarmkarzinom – Vorsorge ist fast alles“ referiert.

Anzeige


Sascha eggebrecht
30 – vorwiegend ältere Bürger – verfolgten am Mittwochabend den Vortrag von Professor Dr. ... 30 – vorwiegend ältere Bürger – verfolgten am Mittwochabend den Vortrag von Professor Dr. Berthold Steinke im Sulzer Haus der Betreuung und Pflege Am Stockenberg. Bilder: sag

Sulz. Der Darmkrebs entwickelt sich lange Zeit unbemerkt im Verdauungstrakt, verursacht dabei keinerlei Beschwerden. Wenn der Körper endlich Alarm schlägt – durch Symptome wie Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, plötzlichem Durchfall oder Verstopfung, Übelkeit und Appetitmangel – ist das Karzinom oft schon ein Jahrzehnt unbemerkt gewachsen: Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 70 000 Menschen an Darmkrebs – jährlich sterben 27 000 Menschen daran. Erkrankte Menschen haben eine verkürzte Lebenserwartung von 13 Jahren.

Professor Dr. Berthold Steinke. Professor Dr. Berthold Steinke.

Der Tumor könnte aber wesentlich öfter geheilt werden. „Bei früher Diagnose bestehen auch im Fall von Darmkrebs sehr gute Behandlungschancen“, sagt Professor Dr. Berthold Steinke von der Helios Klinik in Rottweil. Seit einigen Jahren setzen die Krankenkassen daher stärker auf die Früherkennung. Sie übernehmen die Kosten für einen jährlichen Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Okkultbluttest) ab dem 50. Lebensjahr. Versicherten ab 55 Jahren zahlen sie die Darmspiegelung. Menschen, in deren Familien gehäuft Darmkrebs auftrat, können sich auch schon in jüngeren Jahren untersuchen lassen. Doch was die Vorsorge betrifft, „ist Deutschland ein Entwicklungsland“, sagt Berthold Steinke. Trotz intensiver Aufklärungskampagnen nehmen noch immer zu wenige Menschen die Möglichkeiten zur Früherkennung in Anspruch. „Derzeit gehen nur 15 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen zur Vorsorge“, sagt Steinke.

In etwa 90 Prozent der Fälle entwickelt sich der Darmkrebs aus gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut, so genannten Darmpolypen. Bis sich daraus ein bösartiger Tumor entwickeln kann, vergehen oft Jahre.

Auch andere Krankheiten und falsche Ernährung können das Risiko für Darmkrebs erhöhen: „Besonders gefährdet sind aber Patienten mit Entzündungen der Darmschleimhaut sowie mit Krebserkrankungen der Eierstöcke, der Gebärmutter, des Magens und des Gehirns“, sagt Steinke.

Bestätigt sich der Anfangsverdacht, muss operiert werden. Dabei entfernt der Chirurg das gesamte Tumorgebiet mit den dazugehörigen Lymphknoten. Die Angst, danach mit einem künstlichen Darmausgang in der Bauchdecke weiterleben zu müssen, ist in der Regel unbegründet. „99 Prozent der Operationen kommen ohne einen so genannten Anus praeter aus“, beruhigt der Krebs-Spezialist aus Rottweil. Eine Strahlentherapie ist nur für Patienten mit Mastdarmkrebs von Bedeutung. Auch die Chemotherapie mit Zytostatika ist nur in einzelnen Fällen sinnvoll, da die meisten Darmtumore auf diese Zellgifte nicht besonders gut ansprechen.

„Die wirksamste Waffe im Kampf gegen den Krebs ist aber die Früherkennungsuntersuchung, durch die der Arzt schon allererste Tumorvorstufen erkennen kann – unter Umständen Jahre bevor sich der Tumor schmerzhaft bemerkbar macht“, betont Steinke nochmals in seinem Vortrag. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ihren Versicherten ab 55 Jahren eine Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung. Experten gehen davon aus, dass dadurch das Risiko um 30 Prozent sinkt, an Darmkrebs zu sterben. Und eines sollte man nicht vergessen: Die Tumorbehandlung ist nur vollständig mit den regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen.

27.01.2012 - 08:30 Uhr

Anzeige

Nachrichten aus ...
T�bingen Rottenburg Starzach Empfingen Sulz G�u Horb Freudenstadt Kreis Freudenstadt
Anzeige


Neckar-Chronik Servicetelefon

Ihre Kontaktadressen rund ums Abo

Roswitha Eiseler     (07 45 1) 90 09 23     anzeigen@neckar-chronik.de

Sabine Schuck        (07 45 1) 90 09 22     anzeigen@neckar-chronik.de