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Physikalisch präsent

Die Piraten würden sich gern beklauen lassen

Der Hype um die Piraten sei schwer zu verstehen, sagt Ivica Juresa zum Abschluss des ersten Rottenburger Piraten-Stammtischs im „Hirsch“ am Montagabend. Die Wahlergebnisse seien kein Bekenntnis zu den Piraten, sondern ein Armutszeugnis für die anderen Parteien. Juresa ist der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands Reutlingen-Tübingen. „Notwehrpolitiker“ seien die Piraten: „Ideal wäre, wenn uns die Themen alle geklaut würden."

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Die Piraten setzen auf Schwarmintelligenz, ergänzt die Kreisvorsitzende Jasenka Wrede. Wenn die Parteiorganisation ausgebaut werden müsse, setze man sicher nicht auf bezahlte Vorstände, sagt sie, eher auf „bezahlte Leute in der Buchhaltung“, ergänzt Juresa.

Die Mitgliederzahlen bei den Piraten steigen, in Rottenburg um 100 Prozent, sagt Wrede: „Von drei auf sechs“. Bundesweit sind es, Wrede greift zu ihrem iPod, „heute Abend genau 27.159, gestern waren es noch 26.780“. In Baden-Württemberg haben sie 3.165, im Kreisverband Reutlingen-Tübingen 123 Mitglieder.

Piraten-Politiker haben „einen harten Job“, sagt Juresa, IT-Fachmann aus Kirchentellinsfurt. „Sie leben Tag für Tag mit der Basis zusammen, es gibt permanent ein Feedback.“ Das Internet macht diese fast totale Vernetzung möglich. Demnächst wollen die Piraten einen Netz-Parteitag abhalten, an zwei „Locations“ sind die Mitglieder dann „physikalisch präsent“.

Der gute alte Stammtisch ergänzt die IT-gestützte Kommunikation. Im Sudhaus des „Hirsch“ hat Juresic ein paar Piraten-Fähnchen aufgesteckt („Klarmachen zum Ändern“) und wartet bei einem „Russen“ (Weizen mit Limonade) auf die Gäste. Die trudeln pünktlich ein.

Drei Mitglieder aus Tübingen kommen Paul Rosset (ist auch der Kassenwart), Adrian Fries (Pressesprecher) und Markus Münchberg. Aus Rottenburg kommt der Pirat Ralf Kunz und als Interessierter Tim, der von sich keinen Nachnamen preisgibt. Jasenka Wrede trifft mit Verspätung ein. Getrunken wird hauptsächlich Nichtalkoholisches, viel Wasser. Wie es sich am Stammtisch gehört, wird auch gevespert.

Tim entpuppt sich als kniffliger Fragesteller: „Was definiert die Piraten als Partei?“ will er wissen. Juresa nennt als zentrale Motive Notwehr und Widerstand: „Die anderen Parteien nehmen uns die Freiheit weg. Wir kämpfen für die Freiheit. Das Grundgesetz ist unser heiliges Buch.“

Bei den Piraten sagen die Mitglieder, „wo es lang geht“, fährt er fort. „Der Vorstand hat nicht die politische Führung, er hat im Wesentlichen einen Verwaltungsjob.“ Die Willensbildung auf Bundes-, Landes-Bezirks- und Kreisebene laufe parallel, „man muss sich nicht durch vier Instanzen quälen“. Zwar seien die Piraten immer noch IT-lastig, „aber wir lehnen jegliche elektronische Wahl ab, wegen der Fälschungsgefahr.“

Ein wenig erinnert Juresas Vortrag an eine Internet-Schulung. Sein Thema für den ersten Stammtisch sind allerdings auch „die Tools“, mit denen die Piraten ihre simultane und immerwährende Basisdemokratie organisieren.

Das wichtigste sind die Mailing-Listen, mit denen sich die Piraten auf allen Ebenen verständigen. Juresa: „Das ist High-Volume-Verkehr, schwer zu lesen.“ Tim fragt süffisant zurück: „Ein Chatroom für begabte Politiker?“ Nein, entgegnet Juresa: „Auch für unbegabte.“ Dazu kommt ein Wiki, die Datenbank der Partei. Dann gibt’s noch Twitter, Mumble, Doodle, Lifeservice, LiquidFeedback etwa. Alles nützlich, aber zeitaufwändig. „Die Frage ist: Will ich partizipieren?“, sagt Juresa.

Vom 28. Juni an werden die Kandidatenlisten für die Bundestagswahl 2013 aufgestellt. Für die Direktkandidaten der Piraten gebe es außer „Viel Arbeit, viel Kosten, viel Ehr“ nichts zu gewinnen. Aber Juresa rechnet bei einem Zweitstimmenanteil von 12 Prozent mit zehn Piraten aus Baden-Württemberg, die in den Bundestag einziehen. Das seien weder Premium-Piraten, noch Bevollmächtigte, sagt Wrede, sondern unabhängige Abgeordnete. Sie hofft, das sich die ihren „piratischen Idealismus“ bewahren.

FRED KEICHER

25.04.2012 - 08:00 Uhr

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