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Modemekka Metzingen

Gebetsräume für Muslime geplant

Sie kommen aus dem Nahen und dem Fernen Osten. Im Outletcity Metzingen sind Russen und Chinesen eine wachsende und kaufkräftige Kundschaft. Und reiche Araber. Für sie sind sogar Gebetsräume geplant.

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HELMUT SCHNEIDER
Artikelbild: Gebetsräume für Muslime geplant Models in der Modellstadt Nummer eins der deutschen Outletcitys. Metzingen mit seinen modernen Modetempeln wird jährlich von drei Millionen Menschen besucht, vor allem auch von Ausländern. Foto: Outletcity Metzingen

Metzingen Die Araber sind eine kaufkräftige Kundschaft. Zumindest jene, die nach Metzingen kommen. Darauf hat man sich im Management eingestellt. "Wir planen, zukünftig Gebetsräume einzurichten", sagt Rico Ergenzinger. Es kommt nämlich gelegentlich vor, dass gläubige Muslime in ihren Umkleidekabinen bei Hugo Boss, Tommy Hilfiger oder Tom Tailor den Vorhang zuziehen und zum Gebet niederknieen.

Mit Fabrikverkauf ist das, was Ergenzinger für seine Firma Holy AG hier in der schwäbischen Kleinstadt organisiert, längst nicht mehr ausreichend beschrieben. Outletcity Metzingen, das ist schon lange die Stadt in der Stadt - eine Ansammlung moderner Verkaufsbauten, an denen die weltbekannten Etiketten der Einkaufswelt prangen: Adidas, Bally, Calvin Klein, Diesel, Escada ... Man könnte das Alphabet des globalen Konsumgeschmacks hier Buchstabe für Buchstabe herunterlesen bis Z wie Zara. Und falls Zegna noch nicht vertreten ist im deutschen Mekka der Schnäppchenjäger, wird Rico Ergenzinger vom Retail- und Salesmanagement vermutlich schon dran sein.

Metzingen ist mit seinen 22 000 Einwohnern eine Stadt wie viele andere in Deutschland. Mit Hugo Boss hat sie zwar ein Unternehmen von Weltrang auf der eigenen Gemarkung. Aber erst die Outletcity zieht jährlich jene drei Millionen Besucher an, die die Kommune zur deutschen "Hauptstadt des Fabrikverkaufs" machen. Unter den Nicht-EU-Touristen, die inzwischen rund 20 Prozent der Kundschaft ausmachen, rangiert Metzingen als Modeadresse noch hinter München, Hamburg oder Köln, aber noch vor der benachbarten Landeshauptstadt Stuttgart. Mehr noch: Von der dortigen Messe aus sammelt ein Shopping-Shuttle, also ein Bus-Zubringerdienst jeden Donnerstag, Freitag und Samstag die Shopping-Touristen in den Stuttgarter Hotels ein und bringt sie ins Modemekka nach Metzingen.

In der Landeshauptstadt selber sind die Automuseen für die Chinesen, Russen oder Araber Anziehungspunkt Nummer eins. Mode aber kaufen die Weltreisenden in Outletcity am Fuße der Alb. Ein baden-württembergischer IHK-Funktionär, der ausländische Delegationen oder Geschäftspartner betreut, kennt deren touristische Vorlieben: "Die wollen zu Daimler, Porsche und nach Metzingen."

Das weiß natürlich auch Stefan Engelhard von der für Metzingen zuständigen IHK Reutlingen. "Metzingen ist ein extremer Tourismusmagnet", sagt er. Die Ausländer stehen bei der Shopping-Tour weit oben. Die Russen und die Chinesen bilden dabei laut Ergenzinger die größten Landsmannschaften. Und die kaufkräftigsten dazu. "Ein Russe kauft soviel ein wie zehn Deutsche."

Die Industrie- und Handelskammer Reutlingen ist auch dem restlichen Einzelhandel der Stadt verpflichtet. Beide Einkaufswelten unterscheiden sich nicht nur in der Bedeutung, sondern auch räumlich. Der Lindenplatz ist die Schnittstelle zwischen dem alten und dem neuen Metzingen. Grenzüberschreitende Konsumenten unter den drei Millionen Outletcity-Besuchern sind wohl eher selten. Doch Engelhard ist überzeugt, dass die Bilanz unterm Strich auch für die alteingesessenen Kaufleute aufgeht: "Wer Nischen im Einzelhandel findet, kann sie auch hier finden."

Dabei ist gerade dies das Alleinstellungsmerkmal am Metzinger Modell: Es ist Teil der Stadt und steht nicht wie alle anderen Nachfolger in Deutschland draußen vor ihren Toren. "Wir sind ein Teil der Innenstadt-Entwicklung geworden", sagt Ergenzinger, der Verkaufsmanager der Holy-Holding, der alles gehört. Deshalb müssen die Gebäude seiner Meinung nach auch architektonischen und städtebaulichen Ansprüchen genügen. Die Outletcity ist der moderne Teil Metzingens.

Wie weit er sich in Zukunft noch erweitert, ist unklar. Man setze jetzt auf qualitatives Wachstum, sagt Ergenzinger. Doch das ein oder andere neue Gebäude könnten schon noch hinzukommen. Womöglich mit gesondertem Gebetsraum für die Araber.

06.02.2012 - 08:30 Uhr

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