Die Anwälte der Gewässer

Umweltministerin Tanja Gönner sprach beim Fischerei-Tag in Bildechingen

Sie frönen dem Angeln, hegen die Fische und kümmern sich um den Gewässerschutz. Am Samstag lud der „Verband für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg“ (VFG) zum Fischerei-Tag nach Bildechingen.

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Volker Schmid
Beim Fischerei-Tag in Bildechingen trafen sich am Samstag (von links) Horbs Fischer-Chef Wolfgang ... Beim Fischerei-Tag in Bildechingen trafen sich am Samstag (von links) Horbs Fischer-Chef Wolfgang Beck, OB Peter Rosenberger, Ministerin Tanja Gönner, VFG-Präsident Wolfgang Reuther und Ortsvorsteher Michael Laschinger. Bilder: vov

Bildechingen. VFG-Präsident Wolfgang Reuther konnte am Samstag nicht nur rund 180 Fischer begrüßen, sondern auch Tanja Gönner, die baden-württembergische Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr. Sie stellte ihre Rede unter das Motto: „Das eine tun, ohne das andere zu lassen.“

Sie hatten Spaß: Ministerin Tanja Gönner und VFG-Chef Wolfgang Reuther. Sie hatten Spaß: Ministerin Tanja Gönner und VFG-Chef Wolfgang Reuther.

Denn nicht zuletzt angesichts der Atom-Katastrophe in Japan hält es die Ministerin für wichtig, eine Kompromiss zu finden zwischen der Ökologie der Gewässer und dem Ausbau der Wasserkraft. „Dabei ist auf Fließgewässer-typische Lebensräume zu achten“, erklärte die Ministerin, die eine Durchgängigkeit in den Flüssen gewährleistet haben will.

Tanja Gönner plädierte dafür, dass bei allen Planungen die Behörden vor Ort und vor allem die Fischer als Gewässerprofis miteinbezogen werden. Die Fischer wiederum sollen bestehende Kontakte zu den Wasserkraft-Betreibern für einen „konstruktiven Dialog“ erhalten und die „Bereitschaft zu Kompromissen“ signalisieren.

Tanja Gönner dankte den Fischern für ihren Einsatz und betonte: „Sie sind Anwälte eines gesunden und naturnahen Gewässers.“ Den Neckar bezeichnete sie als „Landesfluss“: „Er entsteht und mündet in Baden-Württemberg und fließt durch alle vier Regierungsbezirke des Landes.“

Wolfgang Beck, Chef des gastgebenden Fischereivereins Horb, berichtete von seinem Verein als einen der ältesten in der Horber Kernstadt. Angesichts von Auszügen aus der Satzung des Fischereivereins erklärte er: „Sie sehen, dass zumindest in Horb die Fischer und Jäger die ersten Naturschützer waren. Und das schon seit 1889.“

Beck monierte aber auch die schwierige Kommunikation zwischen den Behörden und den Fischern und appellierte – ähnlich wie Tanja Gönner – an die Behörden, die Fischer frühzeitig beratend in Planungen miteinbeziehen, um Probleme bereits im Vorfeld aus dem Weg zu räumen: „Wer kennt die Gewässer besser als wir? Und wir geben diese Tipps auch noch kostenlos“, sagte Beck.

„Uns droht ein kleiner GAU wie in Japan“, zog VFG-Präsident Reuther einen eher schwierigen Vergleich. Denn durch die dortige Atom-Katastrophe erwartet er einen stärkeren Ausbau der Wasserkraft. Laut Reuther sollen aber nur dort Wasserkraftwerke sein, wo sie der Ökologie nicht schaden. Weil die kleinen Wasserkraftwerke nicht einmal ein Prozent der gesamten Energiegewinnung ausmachen, sprach er sich gegen diese aus: „Von den kleinen Wasserkraftwerken muss man die Finger lassen.“

Landesjägermeister Dr. Dieter Deuschle betonte, dass es zwischen dem Jagen und dem Fischen nicht nur deutliche Berührungspunkte gebe, auch die Probleme seien vergleichbar. In beiden Bereichen kämpfe man mit den „Zuwanderern“: Die Fischer mit dem Kormoran, die Jäger mit Luchs, Waschbär, Biber oder Wolf. „Wir dürfen nicht nur für die Hege, sondern müssen auch für die Regulierung zuständig sein“, so Deuschle. Er warb für Solidarität zwischen Fischern und Jägern: „Jagd ist Auftrag und Leidenschaft. Das können Sie zum Fischen auch sagen!“

Heinz Günster, Präsident des VFG Rheinland-Pfalz, sprach von „riesigen Beschädigungen durch die kleine Wasserkraft“ und erklärte: „Gott schütze uns vor Politikern, die gegen die Fischerei sind.“ Bevor Dr. Julia Gaye-Siessegger von der Fischereiforschungsstelle Lagenargen über „KormoDa“, die Kormoran-Datenbank für ganz Baden-Württemberg, berichtete, gab Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger unter dem Motto „Horb am Neckar – eine Stadt verwirklicht ihren Namen“ Informationen zu „Neckarblühen 2011“

„Horb am Neckar ist eigentlich ein Adelstitel“, erklärte der OB und meinte damit vor allem den Zusatz „am Neckar“. Denn früher und bis vor nicht allzu langer Zeit war der Neckar in Horb nicht zugänglich. Das soll sich nun mit der kleinen Gartenschau ändern. „Wir wollen nicht mehr an einem Fluss leben, den man nur erleben kann, wenn man von einer Brücke herunter schaut“, so Rosenberger.

Im Rahmen von „Neckarblühen Horb 2011“ wird aber nicht nur ein völlig neuer Zugang zum Neckar geschaffen. An einem rund vier Kilometer langen Rundweg um den Fluss entstehen Daueranlagen und temporäre Highlights. Zudem wird der Hochwasserschutz verbessert und ein neues Flusskraftwerk samt Fischtreppe gebaut. Außerdem sind über 1000 Veranstaltungen geplant. Peter Rosenberger berichtete aber auch von den vielen Bürgerprojekten wie dem Froschgassen-Spielplatz, dem Marmorwerk-Quartier, dem Klostergarten und dem Kakteengarten.

21.03.2011 - 08:30 Uhr

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