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Vielleicht der letzte große Lauf

Ultrasport: In Ungarn will Bittelbronner Hans-Jürgen Schlotter 800 Kilometer schaffen

Sechs Tage laufen, und zwar nonstop, das steht ab morgen auf dem Programm des 49-jährigen Hans-Jürgen Schlotter aus Bittelbronn. Der laufende Gärtner läuft beim Sechs-Tage-Rennen in Ungarns Partymeile am Plattensee, in Balatonfüred. Im Vorjahr wurde Schlotter dort Zweiter, schaffte dabei 735 Kilometer. Heuer peilt er die 800er-Marke an.

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Bittelbronn. Die Koffer mit den Laufschuhen sind gepackt, heute geht’s von Stuttgart aus an den Plattensee, und morgen um 12 Uhr ist der Startschuss zu den Sixdays von Ungarn. Hans-Jürgen Schlotter hat erst 1999 mit dem Laufen angefangen. „Ich bin eigentlich ein Spätstarter“, sagt „Schlotti“, wie er in der eigenen Welt der Ultra-Marathon-Szene nur genannt wird, und mittlerweile denkt „Schlotti“ mehr und mehr ans Aufhören – vor allem mit den Extremläufen. „Das wird vielleicht mein letzter großer Lauf werden, die Wehwehchen nehmen zu“, sagt Schlotter.

Ab morgen sechs Tage in Ungarn unterwegs: Hans-Jürgen Schlotter. Bild: kpd Ab morgen sechs Tage in Ungarn unterwegs: Hans-Jürgen Schlotter. Bild: kpd

Zweimal hat der Bittelbronner Europa durchquert 2003 von Lissabon bis Moskau, 2009 von Bari bis zum Nordkap, er ist die 5000 Kilometer von New York gelaufen. Beim dritten vom Nordstetter Ingo Schulz organisierten Transeuropalauf, der am 19. August in Dänemark startet und bis nach Gibraltar führt, wird Schlotter fehlen. „Ich bin zweimal durch Europa gelaufen. Das reicht mir!“, sagte er, „außerdem ist der kommende Transeuropalauf bei der gleichen Anzahl von 64 Tagen tausend Kilometer kürzer als der erste Lauf. Da sind dann auch die Tagesetappen kürzer, das ist eher was für die schnellen Hirsche.“ Er sieht für sich auf den längeren Etappen größere Chancen, weil er ein Ausdauerwunder ist, dessen gleichbleibende Geschwindigkeit sich bei langen Etappen von 70 oder 80 Kilometern auszahlt. Weitere Gründe: „Ich müsste fast drei Monate Urlaub nehmen und müsste jeden Tag in Turnhallen auf dem Boden schlafen, das macht mein Rücken nicht mehr mit.“

Non-Stop auf einer

Straße in einem Park

Statt mit Ingo Schulze in diesem Jahr erneut durch Europa zu laufen nimmt Schlotter also den Balaton-Sechs-Tage-Lauf unter seine Hufe – mit einem keineswegs guten Gefühl. „Ich probier’s mal! Ich hab‘ mich vor sechs Wochen entschlossen, den Lauf zu machen, obwohl ich nicht ganz fit bin. Ich hab‘ Spannungen im Rücken, und auch das Knie tut mir weh. Es kann in die Hose gehen, es kann aber auch gut gehen. Warten wir’s mal ab!“

In Ungarn wird auf einer Straße in einem Park in Seenähe gelaufen auf einem 1000-Meter-Rund-Kurs, die Unterkunft ist nicht weit entfernt, und wenn man mal meint, eine Pause zu brauchen, kann man ein bisschen abliegen. Denn der Lauf ist ein Non-Stop-Lauf, das heißt, die Läufer bestimmen selbst, wie lange sie laufen und wann sie Pause machen. Solche Sechs-Tagesläufe werden international gewertet, was bedeutet, dass es Bestenlisten gibt. Und Schlotter führt in seiner Altersklasse M 45, in der er 2012 letztmals startet, die deutsche Bestenliste an mit gelaufenen 849 Kilometern in sechs Tagen. „Es wäre doch schön, wenn ich das nochmal toppen könnte und die Marke noch ein bisschen höhersetzen könnte“, sagt Schlotter. „Das ist meine letzte Chance, denn nächstes Jahr komme ich in eine andere Altersklasse.“

Zweimal hat er bisher die 800-Kilometer-Marke geknackt. In der Vorbereitung auf den Ungarn-Ultramarathon hat es Schlotter aus zwei Gründen ein bisschen langsamer angehen lassen: einerseits wegen seiner gesundheitlichen Probleme, andererseits wegen der tiefen Temperaturen in diesem Winter. „Ich hab erst Mitte März angefangen, vorher war’s einfach zu kalt. Da bin ich mehr gewandert. Danach bin ich ein paar Mal zu meiner Arbeitsstelle gelaufen“, berichtet Schlotter. Was sich so harmlos anhört, ist der Weg von Bittelbronn nach Sindelfingen, wo Schlotter als Gärtner schafft – und das sind 50 Kilometer.

„Am Wochenende bin ich dann noch zweimal in den Schwarzwald gelaufen, das war’s – und jetzt schauen wir mal, was ab morgen dabei rauskommt.“ Übrigens reist Schlotter zusammen mit seinem Freund Wolfgang Schwerk nach Ungarn, das ist dann noch einmal ein anderes Kaliber. „Das ist der weltbeste Ultraläufer, dessen Bestmarke bei 1010 Kilometer steht“, gelaufen in sechs Tagen. Da nehmen sich Schlotters 735 Kilometer vom Vorjahr, mit denen er hinter dem Schotten William Sichel Zweiter wurde, bescheiden an. „Macht der Körper mit, ist alles möglich“, sagt Schlotter, „ich würde den Lauf am Plattensee schon gern gewinnen. Aber ich mach mich nicht verrückt.“ kpd

08.05.2012 - 08:30 Uhr

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