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Für ein Handgeld und ein Essen

Fußball-Kreisliga A 2: „Rohrweilers“ Co-Trainer Burkhardt Klippel kickte noch zu Amateurliga-Zeiten

Burkhardt Klippel hat schon aktiv Fußball gespielt, da gab’s noch nicht einmal die Bundesliga. Im September wird Klippel 69 Jahre alt. Vor ziemlich genau zehn Monaten ist er wieder ins „Geschäft“ eingestiegen: Als Co-Trainer, Helfer und Förderer für seinen Sohn Michael bei der SG Rohrdorf-Eckenweiler.

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Uli Bernhard

Rohrdorf. 1943 ist Burkhardt Klippel geboren und aufgewachsen in Osnabrück. In der Jugend spielte er in Münster (Westfalen). Zur Bundeswehrzeit hatte es ihn (auch fußballerisch) nach Koblenz verschlagen, ehe Stuttgart beruflich bedingt seine weitere Heimat wurde. Klippel spielte beim SV Vaihingen in der 2. Amateurliga (die heutige Landesliga). „Für ein Handgeld“, wie Klippel sagt. „Wenn du gut warst, dann hast du früher auch schon was bekommen – mal ein Essen nach dem Training oder eins nach dem Spiel. Manchmal auch ein bisschen mehr, da durfte sogar die Frau mit essen gehen“, sagt Klippel, „aber drüber reden durfte man nicht.“ Heute redet Klippel darüber, lacht, wenn er dran denkt, was für ein Geheimnis damals wegen ein paar Mark gemacht wurde. Gar nicht gut findet Klippel, dass heute im unteren Amateurbereich schon Ablösesummen gezahlt werden (müssen). „Wenn du da keinen Sponsor hast, dann werden dir alle Möglichkeiten genommen. Ablösesummen machen den Sport kaputt für Spieler, die auch mal höherklassig spielen wollen“, sagt Klippel.

„Ich verkörpere den ruhigeren Part“: Burkhardt Klippel coacht die SG Rohrdorf-Eckenweiler an ... „Ich verkörpere den ruhigeren Part“: Burkhardt Klippel coacht die SG Rohrdorf-Eckenweiler an der Außenlinie. Bild: Ulmer

1980 zog Klippel ins Gäu nach Rohrdorf und machte da auch gleich Bekanntschaft mit den damals noch selbstständigen Sportfreunden Rohrdorf. Selbst Fußball gespielt hat Klippel zu der Zeit eigentlich schon nicht mehr. Der damals 37-Jährige war nur noch ab und zu in Stuttgarter Prominentenmannschaften im Einsatz. Als Rohrdorf einen Trainer suchte, da habe es ihn aber wieder gejuckt. „Trainer mach ich nicht, aber Spielertrainer“, habe er den SF-Leuten damals gesagt und dann drei Jahre lang dieses Amt ausgefüllt.

Artikelbild: „Diese Angst ist immer da!“

Jetzt, Jahr(zehnt)e später, haben sich die Verantwortlichen der sich mittlerweile nennende SG Rohrdorf-Eckenweiler wieder daran erinnert, dass da einer sei, der von Fußball Ahnung hat, sagt Klippel. Seine Rolle im Duett mit seinem Sohn Michael umschreibt Burkhardt Klippel so: „Der Michael ist eher der etwas Impulsivere, der eher mit Worten als mit Gestik dirigiert. Ich verkörpere den ruhigeren Part. Wahrscheinlich passen wir deshalb so gut zusammen!“ Das Geheimnis des Erfolgs? „Wir reden über alles. Reden sehr viel. Natürlich sehr oft über Fußball“, sagt Klippel. Trainingspläne würden zusammengestellt, ausgearbeitet und drüber nachgedacht, was im Verein und in der Mannschaft zu verbessern ist.

Burkhardt Klippel schätzt persönliche Gespräche. Er kommt zwar beruflich aus der Computerwelt, kennt sich also auch mit der modernen Kommunikationswelt aus, aber jemandem Auge in Auge gegenüberzustehen und sich mit dem zu unterhalten („so wie früher halt“) und nicht über irgendwelche Netzwerke, findet er die bessere Art. Klippel warnt auch ein bisschen: „Das ist eine gefährliche Entwicklung, die da abläuft. Manche nutzen die neuen Medien, ohne zu wissen, was sie tun, was sie von sich alles preisgeben.“

Eigentlich, sagt Burkhardt Klippel heute, hätte er schon im Sommer des vergangenen Jahres bei Rohrdorf-Eckenweiler als Trainer einsteigen können. „Der Michael hat damals schon gesagt, dass er sich eine Zusammenarbeit mit mir vorstellen könnte. Aber die Verantwortlichen hatten Bedenken. Vielleicht wegen meinem Alter. Oder weil ich der Vater vom Michael bin – ich weiß es nicht“, sagt Klippel. Aber er könne die Vereinsseite auch verstehen, dass sie ihn damals nicht genommen und eine externe Lösung gesucht haben.

Im November, als die Trennung von Michael Klippels Co-Trainer Uli Zimmermann vollzogen wurde, da war dann „Papa Klippel“ wieder ein Thema. Der sagt: „Dass ich fußballerisch was drauf habe, das wussten ja alle. Mittlerweile ist auch der Erfolg da, und wir haben den Beweis erbracht, dass die Zusammenarbeit funktioniert.“ So gut im Übrigen, dass feststeht, dass das Duo Michael und Burkhardt Klippel auch in der neuen Saison weiter zusammen für die SG arbeitet. Hauptaufgabe zu Beginn seiner Zeit bei der Rohrweiler Spielkombi sei es gewesen, bei den Spielern wieder den Spaß zu erwecken und nicht permanent zu kritisieren, sondern ihnen die Angst zu nehmen, Fehler zu machen. „Kicken können die ja alle, aber die waren total verunsichert.“ Klippel sagt auch, wie er und sein Sohn die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zurück gebracht haben: „Wir haben deutlich gemacht, dass alles, was zur Mannschaft und zu jedem einzelnen gesagt wird, keine Kritik ist, sondern ein Weg zu zeigen, wie man es besser macht.“

Die Zusammenarbeit mit Sohn und Torwart Michel Klippel ist klar geregelt: Michael sei bei Ansprachen zur Mannschaft, beispielsweise in der Halbzeitpause, immer der Erste, der was sagt. Burkhardt Klippel hält sich da zurück und lässt seinen Sohn machen. Und der habe in der kurzen Zeit der gemeinsamen Arbeit schon sehr viel dazu gelernt. „Ich mach das ja auch nicht mehr ewig. Ich glaube nicht, dass ich in drei, vier Jahren immer noch auf dem Platz stehen werde“, sagt Burkhardt Klippel.

18.05.2012 - 08:30 Uhr

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