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„Das ist einmalig!“

Der Empfinger Trainer Richard Maier über sein Bösinger Landesliga-Team

Der VfB Bösingen ist das Überraschungsteam der Fußball-Landesliga. Einer, der dazu beiträgt, dass die weitestgehend aus Eigengewächsen bestehende Mannschaft um den Titel mitspielt, ist der aus Empfingen kommende Trainer Richard Maier. Am Sonntag spielt er mit dem VfB gegen Empfingen. Im SÜDWEST PRESSE-Interview spricht Maier über sein Erfolgsrezept, Träume und seinen Heimatverein SG Empfingen.

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Ibrahim Naber
SÜDWEST PRESSE: Herr Maier, wenn man Ihnen vor einigen Monaten gesagt hätte, dass Sie im März über die Titelambitionen ihres Teams reden, hätten sie den Gegenüber wohl für verrückt erklärt, oder?

Trainer Richard Maier Hat mit Bösingen derzeit gut lachen: Trainer Richard Maier (links). Bild: radi
RICHARD MAIER: Für verrückt wahrscheinlich nicht. Weil ich ja gar nicht richtig wusste, was auf mich zukommt. Die Stärke des Teams, das neue Umfeld – fast alles war für mich neu.

Und was ist auf Sie in Bösingen dann letztendlich zugekommen?

Ich habe relativ schnell festgestellt, dass das eine sehr willige Mannschaft ist, die eigentlich nicht nur vom Kampf lebt, sondern auch spielerisches Potenzial hat. Und auch das Umfeld in Bösingen ist klasse. Wir haben beispielsweise drei Physiotherapeuten, drei junge Damen, die das Team durch die Saison begleiten und schon Unmögliches möglich gemacht haben. Aber insgesamt: Vom Torwarttrainer zum Abteilungsleiter passt es einfach. Ich fühle mich sehr wohl hier, auch wenn da der sportliche Erfolg natürlich eine große Rolle spielt.

Bösingen überrascht alle – und das mit großteils eigenen Spielern. Ist das die Philosophie des Vereins und ist das auch Ihnen persönlich wichtig?

Ja, das ist eigentlich die Linie, die der Verein fährt. 70 Prozent der Spieler sind, glaube ich, in der eigenen Jugend ausgebildet worden. Ich habe damit natürlich kein Problem, denn das ist mit ein Grund dafür, dass wir so eine eingeschweißte Truppe beieinander haben. Weil eben so viele Einheimische bei uns kicken.

Sie haben schon viele Mannschaften trainiert. Haben sie schon einmal eine mit so einem Willen trainiert?

Nein, von der Einstellung her eigentlich nicht. Das ist einmalig! Bis auf zwei Neuzugänge kennt jeder im Team jeden. Das ist eine eingespielte Mannschaft.

Sie haben 47 Punkte wie Tabellenführer Sindelfingen. Ist Bösingen schon reif für den Titel?

Was heißt reif? Wenn es uns die anderen weiterhin relativ einfach machen, dann ja. Spielerisch gibt es aber stärkere Mannschaften als uns. Ich denke, da hat Nagold in der Liga die Nase vorn.

Sie arbeiten in Horb, wohnen in Empfingen und haben lange Zeit Mannschaften hier im Bezirk trainiert, unter anderem in Ergenzingen. Wie kam es zum Wechsel nach Bösingen?

Ich hatte Anfragen von verschiedenen Vereinen. Nachdem ich das Bösinger Team dann über eine Halbserie lang regelmäßig beobachtet hatte, war ich überzeugt, und meine Überzeugung stand fest.

Ihr Heimatverein SG Empfingen spielt ja quasi alle zwei Wochen vor ihrer Haustüre. Schauen Sie sich die Spiele manchmal an?

Ja. Wenn wir selber kein Spiel haben, schaue ich mir die Spiele meistens an.

Empfingen liegt auf einem Abstiegsplatz, im Verein ist es unruhig. Wie schätzen Sie die Situation ein?

In Empfingen wussten sie ja, was auf sie zukommt. Die SG hat nicht das Spielerpotenzial, wie ich es gerade in Bösingen habe. Wenn bei uns drei Leute ausfallen, kann ich das gut verkraften. In Empfingen sieht das mit dem dünnen Kader und den Verletzten anders aus. Trotzdem denke ich, dass das Team oft ein bisschen schlecht geredet wird.

Abwehrspieler Bernd Rebmann wechselte aus Empfingen zu Ihnen nach Bösingen. Haben da ihre Kontakte zur SG geholfen?

Nein, eigentlich gar nicht. Ich kannte ihn nur vom Sehen, vom Zuschauen. Rebmann hatte sich ja in Empfingen abgemeldet, erst dann habe ich mit ihm gesprochen. Ich würde nie Spieler von früheren Vereinen abwerben.

Sehen wir Empfingen im nächsten Jahr in der Bezirksliga wieder?

Es wird verdammt schwer für Empfingen. Das tut mir schon ein bisschen weh, wie es da gerade abläuft. Ich war jahrelang bei der SG, habe da so viel erlebt. Ich hoffe, dass sie es irgendwie schaffen und drücke Ihnen beide Daumen – aber erst ab der nächsten Woche wieder (lacht).

Haben sie noch viele Beziehungen nach Empfingen?

Klar, sehr viele. Ich kenne einige Spieler, auch noch aus Ergenzingen. Auch mit Trainer Michael Neumann rede ich immer, wenn ich ihn sehe. Ich denke, er macht sehr gute Arbeit, hat aber nicht das Potenzial zur Verfügung, das notwendig ist.

Reizt es Sie, noch einmal einen Verein im Kreis zu trainieren – vielleicht sogar Empfingen?

Wie lange ich in Bösingen bleibe, weiß ich noch nicht. Ich fühle jedoch sehr wohl hier und die Gespräche laufen bereits. In den nächsten Wochen werde ich eine Entscheidung für mich treffen. Trainer in Empfingen? Etwas früher hätte mich das gereizt, momentan kann ich mir das jedoch nicht vorstellen. Aber: Sag niemals nie…!
22.03.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 22.03.2012 - 09:29 Uhr

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