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Orte auf Papier gebannt

Am Sonntag eröffnete die Robert-Förch-Ausstellung im Horber Kloster

Eng wurde es zwischen den Linoldrucken, Zeichnungen und Radierungen von Robert Förch in der „Galerie im Kloster“ am Sonntagvormittag. Rund 70 Kunstinteressierte kamen zur Vernissage. Organisiert hat die Ausstellung der „Kulturverein Oberer Neckar“.

01.07.2014
  • Dunja Bernhard

Horb. Sie sei ganz überwältigt von dem Andrang, sagte Ursula Bähr, Vorsitzende des Kulturvereins Oberer Neckar. „Da bekomme ich eine Gänsehaut.“

Immer mehr Menschen stiegen am Sonntagmorgen die schmale Treppe zum Obergeschoss hinauf und drängten sich in den schmalen Gängen, um einen ersten Blick auf die Exponate zu werfen. Auch ehemalige Schüler von Robert Förch waren gekommen. Die Stühle im Saal reichten nicht aus und so mussten viele Gäste während der Reden stehen. Robert Förch sei einer der bedeutendsten deutschen Künstler in der Technik des Linoldrucks, sagte Bähr. Er habe mit seinem Lehrer Karl Rössing und Pablo Picasso den Linolschnitt erst salonfähig gemacht. „Ich wollte mal Dinge zeigen, die ich noch nie gezeigt habe“, zitiert Bähr den Künstler und weist damit auf die Besonderheit dieser Ausstellung hin. Alle seine Drucke hat Förch mit seinen Händen selbst erschaffen, ohne Drucker und Maschinen. Jedes Bild ist ein Unikat.

Die frühesten Blätter der Ausstellung stammen aus den 1950er Jahren und zeigen Zeichnungen aus Dublin, das jüngste Werk „In Choggia“ ist in diesen Jahr entstanden. Diese sechs Jahrzehnte aktiven Schaffens zeigten das beharrliche Tun des 83-jähigen Künstlers, sagte Günter Baumann, Kunsthistoriker und Ausstellungsleiter des Böblinger Kunstvereins, in seiner Einführung in die Ausstellung. „Eine Stetigkeit“, die auch in seinen Motiven zu finden ist: „Orte im weitesten Sinne, die irische Hauptstadt und die Städte Italiens im Besonderen.“ Robert Förch fange den Reiz des architektonischen Kontextes und des kultivierten Naturraumes ein wie kein anderer, sagte Baumann. Dabei nähere Förch sich den Orten und Bauwerken nicht mit den Augen eines Touristen, sondern „mit dem Blick des Künstlers, der zu finden hofft, was er im tiefsten Inneren bereits gesehen hat – einen Spiegel seiner selbst“. Als Werkzeug diene Förch der rastlose Zeichenstift. Viele Entwürfe entwickelten sich im Atelier wie selbstverständlich zur Grafik weiter, andere haben sich als selbstständige Werke behauptet.

Förch druckt die Farbe stets ohne Presse mittels Handballen, Daumen oder Fingernagel auf das Papier. Für jede Farbe muss er eine andere Druckplatte herstellen.

Dabei schafft Förch es, „in genau beobachteten Details und in überzeichneten, aber gefühlt nachvollziehbaren Perspektiven reale Situationen zu erzeugen“. Durch viele Stuhlbeine, verwehendes Papier oder einen auffliegenden Vogelschwarm versuche der Künstler in seinen Werken von der Statik zur Bewegung zu gelangen, führte Baumann aus.

Er löse aber auch Fragen, die oftmals übergreifender, auch abstrakter und theoretischer Natur sind. Auch wenn der Putz bröckle, symbolisiere eine Kathedrale Standhaftigkeit. Ein verwilderter Weinberg könne dennoch lebensspendenden Ertrag bringen. „Solche Motive verweisen nicht nur auf das menschliche Tun, sondern mahnen obendrein an Bilder aus der Bibel“, interpretierte der Kunsthistoriker.

Bei seinem Tun verknüpfe Förch den künstlerischen Prozess mit dem bodenständigen Ethos des Handwerks. Dennoch sei das Werk Förchs moderner, als dem Künstler selbst bewusst sei, sagte Baumann. „Weil er aus innerem Antrieb so arbeiten muss, wie er es tut, und nicht, weil der Jahrmarkt der Eitelkeiten ihn dazu drängt.“

Am Sonntag eröffnete die Robert-Förch-Ausstellung im Horber Kloster
Am Sonntag eröffnete die Robert-Förch-Ausstellung im Horber Kloster – und dort drängten sich rund 70 Kunstinteressierte zwischen den Linoldrucken, Zeichnungen und Radierungen des 83-Jährigen. Günter Baumann, Kunsthistoriker und Ausstellungsleiter des Böblinger Kunstvereins, führte in die Ausstellung ein.Bild: dun

Robert Förch wurde 1931 im hohenlohischen Künzelsau geboren. Bedingt durch die Wirren des Krieges wuchs er in verschiedenen baden-württembergischen Städten auf, bis er in Heilbronn eine Bleibe fand. Dort legte er 1951 das Abitur ab. Förch studierte Kunst in Stuttgart – unter anderem bei Karl Rössing – und Anglistik auf Lehramt in Tübingen, Bangor und Dublin. Ein neunmonatiges Stipendium brachte ihn 1961 nach Rom an die Villa Massimo. Von 1962 bis 1990 leitete Förch die Klassen für Zeichnen und angewandte Grafik an der Johannes-Gutenberg-Schule in Stuttgart. 1971 wurde er dort zum Studienprofessor ernannt. Mit Horb verbindet Förch sein Urgroßvater, ein Bauer, der heimlich malte – „Weil man das in der Nachbarschaft nicht wissen durfte“. Nach seinem Tod beseitigten die Erben sein Werk nach dem Motto „Isch des Kunst, kann’s au weg“.

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01.07.2014, 12:00 Uhr

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