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Hanekes "Liebe" ist der Favorit

Am Sonntag werden in Cannes die Preise verliehen

Robert Pattinson gibt im neuen David Cronenberg-Film "Cosmopolis" den gefühlskalten Milliardär. Beim Filmfest Cannes ist aber ein anderer dauerpräsent: Michael Haneke gilt als Favorit für die Goldene Palme.

26.05.2012
  • von ALIKI NASSOUFIS, DPA

Am Sonntag werden in Cannes die Preise verliehen
Nicole Kidman ist in "The Paperboy" zu sehen. Foto: afp

Michael Haneke - dieser Name ist beim Filmfestival Cannes am häufigsten zu hören, wenn es um den Favoriten für die Goldene Palme geht. Wenn es nach den Kritikern ginge, bekäme der Österreicher am Sonntag wohl den Hauptpreis für sein berührendes Drama "Liebe". Am Freitag ließen sich aber erst einmal andere feiern: David Cronenberg stellte seine Don DeLillo-Verfilmung "Cosmopolis" vor - und hatte Hauptdarsteller Robert Pattinson dabei, der die weiblichen Fans zum Kreischen brachte.

Mit "Cosmopolis" versucht der 26-jährige Pattinson einmal mehr, von seinem Mädchenschwarm-Image von "Twilight" wegzukommen und sich als ernstzunehmender Schauspieler zu präsentieren. Er spielt den Milliardär Eric Parker, der in einer Stretch-Limousine durch New York fährt, an der Börse zockt, Geld verliert, Frauen zum schnellen Sex trifft und von Kapitalismusgegnern angegriffen wird.

"Manchmal hat es sich angefühlt, als würden wir eine Dokumentation drehen", erinnerte sich Cronenberg: Tagsüber filmten sie Protestszenen, abends sahen sie Berichte über die Occupy-Bewegung. "Das war sehr bizarr und seltsam." Hatte DeLillos im Jahr 2003 erschienener Roman wegen seiner Kritik an Börsenspekulationen fast etwas Prophetisches, scheint der Film angesichts aktueller Ereignisse nun nichts Neues zu zeigen. Und doch kreiert der Kanadier Cronenberg ("Eine dunkle Begierde") in der Limousine eine abgeschottete, klaustrophobisch wirkende Welt, die durchaus ihren Sog entwickelt.

Deutlich wirkungsvoller war Michael Hanekes "Liebe" - der Favorit für die Goldene Palme. Das Drama beschäftigt zahlreiche Kinogänger noch lange nach seiner Premiere vor rund einer Woche. Es erzählt in ruhigen Bildern die Geschichte eines alten Ehepaares, das mit einer schweren Krankheit der Frau klarkommen muss. Haneke inszeniert das unsentimental, schafft aber eine enorme Emotionalität.

Als weiterer Favorit kann sich der Rumäne Cristian Mungiu Hoffnungen auf die Goldene Palme machen. Auch in seinem Drama "Beyond the Hills" geht es um Liebe, hier allerdings um die zweier junger Frauen, von denen die eine nicht ohne die andere leben kann. Doch als sie ihre Freundin aus einem Kloster holen will, kommt es in dem streng orthodoxen Umfeld zur Katastrophe.

Bemerkenswert ist die hohe Anzahl an Schauspielern, die mit ihrem starken Spiel überzeugen. Neben den Frauen aus "Beyond the Hills" sind das Marion Cotillard, die in "Rust & Bone" nach einem schweren Unfall zurück ins Leben finden muss, und Nicole Kidman als Verlobte eines Mörders in "The Paperboy". Bei den Männern könnten Jean-Louis Trintignant - der Ehemann aus "Liebe" - oder der Däne Mads Mikkelsen als zu unrecht beschuldigter Kinderschänder aus "The Hunt" das Rennen auf den Darstellerpreis machen.

Völlig unvorhersehbar sind die Chancen für "Holy Motors" von Leos Carax. Dieser Film über einen Mann, der im Laufe eines Tages in verschiedene Rollen schlüpft, gilt nicht nur wegen seines wandlungsfähigen Hauptdarstellers Denis Lavant als Geheimtipp. Verrückt, durchgeknallt - so könnte "Holy Motors" am Ende triumphieren.

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26.05.2012, 12:00 Uhr

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