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Grundstück bald abgegrast

Bebauungsplan-Änderung für Kopp-Verlagsgebäude vertagt

Vertagt hat der Rottenburger Gemeinderat den Beschluss zur Änderung des Bebauungsplans „Siebenlinden III“. Die Ratsleute wünschen sich eine Zeichnung, die die Höhenentwicklung der geplanten Gebäude des Kopp-Verlags nachvollziehbar darstellt.

08.07.2011
  • Gert Fleischer

Rottenburg. „Dieses Vorhaben der Stadtverwaltung ist glatt rechtswidrig“, schrieb Rechtsanwalt Benedict Michel in eigener Sache an die Ratsleute. Es geht um den Neubau des Rottenburger Kopp-Verlags, der zuvor aus anderen Gründen in der Diskussion war: Albert Bodenmiller und andere sind gegen das Projekt, weil das Verlagsprogramm auch Titel enthalte, die an der Grenze zum Rechtsextremen liegen (wir berichteten). Michel argumentiert eher als Nachbar: Er und weitere Familienangehörige wohnen in der Rolu-Siedlung, also in der Nähe von „Siebenlinden III“.

Michel sagt, bei der Änderung des Bebauungsplans müsse zwingend eine neue Umweltprüfung gemacht werden. Immerhin liegt das 54 000 Quadratmeter große Grundstück des Kopp-Verlags im Wasserschutzgebiet, aus dem die Ammertal-Schönbuch-Gruppe Trinkwasser zieht. Die Stadt sieht ein vereinfachtes oder beschleunigtes Verfahren vor.

Michel schrieb an den Gemeinderat, laut Baugesetzbuch gälten die Vorschriften, wie sie für die Aufstellung eines neuen Baugebiets verbindlich sind, auch für diese Änderung. Die Voraussetzungen für ein beschleunigtes Verfahren seien „unzweifelhaft nicht“ gegeben. Weil „Siebenlinden III“ bisher nicht erschlossen wurde, könne die Stadt keine Innenentwicklung reklamieren.

Monster-Halle im Schnellschuss durchjagen

In einem Leserbrief im TAGBLATT Anfang Juli nannte Michel einen weiteren Grund, gegen das Vorhaben zu sein, das die Verwaltung „im Schnellschuss durchjagen“ wolle: „Eine 12 bis 14 Meter hohe, 35 Meter breite und 70 Meter lange Monster-Halle mitten in der schönsten Landschaft ist ein sehr hässliches Denkmal.“ Der Grasige Weg sei ein Naherholungsgebiet für „Inliner, Jogger, Wanderer, Spaziergänger und Fahrradfahrer in Massen“. Für Kinder aus Siebenlinden und Kiebingen sei der Grasige Weg die letzte verbliebene Möglichkeit, das Hohenberg-Schulgelände sicher zu erreichen.

Michels Argumente seien nicht der Grund gewesen, den Beschluss am Dienstagabend im Gemeinderat zu vertagen, sagt Erster Bürgermeister Volker Derbogen. Vielmehr wolle das Entscheidungsgremium eine anschauliche Darstellung der Gebäudehöhen haben. „Die hatten wir nicht parat“, so Derbogen. Rechtsanwalt Michel liege in seiner Beurteilung falsch. An dem seit zehn Jahren rechtskräftigen Bebauungsplan „Siebenlinden III“ ändere sich nicht viel. Eine erneute Umweltverträglichkeitsprüfung sei überflüssig.

Was sich ändern soll, sind die Baufenster innerhalb des Grundstücks, damit die große, monolithische Halle möglich wird. Die Grundflächenzahl (GRZ) soll von 0,4 auf 0,6 erhöht werden. Das heißt, es dürfen 60 statt bisher 40 Prozent der Grundstücksfläche überbaut werden. Die ursprünglich vorgesehene niedrige GRZ von 0,4 sollte den damaligen Planungswillen absichern: eine „lockere Bebauung mit einzelnen Gebäuden in einer eher campusartigen Struktur“. Rottenburg wollte ausgründungswilligen Wissenschaftlern der Tübinger Universität ein attraktives Gelände für neue Firmen im Hochtechnologie-Sektor bieten. Die Hoffnungen erfüllten sich nicht.

Die zulässige Gebäudehöhe in „Siebenlinden III“ soll den Erfordernissen des jetzt gefundenen Bauherrn angepasst werden. Der höchste Gebäudeteil entsteht am östlichen Grundstücksrand: Zwei Büro-Etagen plus Wohnung. Für diesen Teil sollen 14 Meter Höhe gestattet werden, ansonsten durchgängig maximal 12 Meter. Bisher zulässig ist eine gestufte Höhenentwicklung zwischen 8 und 12 Meter.

Schikanen am Grasigen Weg bremsen Radler

Am Charakter des Grasigen Wegs soll sich nichts ändern. Lastwagen, die die Bücher bringen und konfektioniert wieder holen, fahren laut Derbogen ausschließlich über die neue, noch auszubauende Straße zum und vom Industriegebiet „Siebenlinden II“. Der Grasige Weg soll an dieser Kreuzung so verändert werden, dass der Verkehr jeglicher Art abgebremst wird.

Eine Verzögerung bewirke die Vertagung der Bebauungsplanänderung nicht, sagt Derbogen. Das Baugesuch des Kopp-Verlags werde unabhängig davon bearbeitet.

Bebauungsplan-Änderung für Kopp-Verlagsgebäude vertagt
Das ist der Grasige Weg mit Blick nach Osten Richtung Rolu-Siedlung, die links der Birke im Hintergrund erkennbar ist. An der langgezogenen Hecke, die von rechts an das Sträßchen führt, wird die Zufahrt zum Gewerbegebiet „SiebenlindenIII“ gemacht. Dieser Weg führt rechts genau zur Firma Somfy. Rechts des Grasigen Wegs und hinter dem sichtbaren Gebäude kommt der „Globus“-Baumarkt. Wenn man die Hecke gedanklich nach links über den Grasigen Weg fortsetzt, hat man die östliche Grenze von „SiebenlindenIII“. Entlang dieser Grenze will der Kopp-Verlag rund hundert Stellplätze für Beschäftigte und Kunden anlegen. Anschließend folgt in Richtung des Betrachters die große Halle, die sich bis etwa zum Bauernhof zieht, der wie auch die Osttangente im Rücken des Betrachters liegt. Bild: Mozer

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08.07.2011, 12:00 Uhr

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