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Therapie für Folteropfer bedroht

Behandlungszentrum braucht Geld - Vor 20 Jahren gegründet

Vor 20 Jahren wurde in Ulm das Behandlungszentrum für Folteropfer gegründet. Wegen Streichung von EU-Fördermitteln und der Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes ist seine Existenz aber bedroht.

29.09.2015
  • SOPHIE JANJANIN

Ulm Das Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Als Initiative von Amnesty International Ulm wurde die sozialpsychiatrische Einrichtung am 25. Januar 1995 gegründet. Der Träger des BFU ist nach wie vor der Reha-Verein für soziale Psychiatrie Donau-Alb. Derzeit werden dort etwa 70 traumatisierte Flüchtlinge aus Nigeria, dem Mittleren Osten, Afghanistan, dem Balkan, der Türkei und Tschetschenien in einer dolmetschergestützten Psychotherapie behandelt - genauso viele stehen auf der Warteliste für eine Therapie.

Warum können nicht alle Flüchtlinge behandelt werden, die eine Psychotherapie brauchen? Eine Frage der Finanzierung: "Wir brauchen mehr Landes-, Bundes- oder europäische Mittel, um eine psychiatrische Versorgung zu gewährleisten", sagt Manfred Makowitzki, organisatorischer Leiter. Aktuell sei ein Aufbau des therapeutischen Angebots trotz der vielfach gestiegenen Nachfrage nicht möglich.

Lediglich die Basis des Behandlungszentrums könne mit den derzeitigen Förderungsmitteln gehalten werden. Nur durch eine spontane finanzielle Aushilfe durch karitative Einrichtungen könne das BFU überhaupt weitere drei Jahre bestehen, denn: Vom Jahresetat von 300 000 Euro fiel etwa ein Drittel weg, nachdem europäische Fördermittel 2014 gestrichen wurden.

Weitere finanzielle Schwierigkeiten ergeben sich durch die Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes. Seit März 2015 gilt: Asylbewerber sind nach 15 Monaten krankenversicherungspflichtig und erhalten eine Gesundheitskarte. Bisher waren Asylsuchende erst nach einem Zeitraum von 48 Monaten krankenversicherungspflichtig, davor bezogen sie die Mittel für ihre medizinische und psychiatrische Versorgung aus dem Asylbewerberleistungsgesetz. "Die Gesundheitskarte, so gut sie ist, schadet der Psychotherapie", sagt Makowitzki. Das Problem: Die Kosten einer Psychotherapie werden erstattet, solange der Patient unter das Asylbewerberleistungsgesetz fällt. Sobald er bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, sind die Kosten für eine Therapie nicht mehr oder nur teilweise gedeckt. Das bedeutet für das Behandlungszentrum für Folteropfer, dass eine Psychotherapie ko-finanziert werden muss durch die Kirchen, Stiftungen oder ähnliches.

Dies sei schon derzeit kaum zu bewältigen, sagt BFU-Geschäftsführer Heiner Schrottenbaum. Noch schwieriger werde es, wenn die geplante sofortige Krankenversicherungspflicht für Asylbewerber in Kraft tritt. "Wenn dieses Problem nicht gelöst wird, sind einige Behandlungszentren in Baden-Württemberg von der Schließung bedroht." Es sei unumgänglich, über einen Einstieg in die gesetzliche Krankenversicherung nachzudenken, sagt Makowitzki, zudem brauche man Unterstützung der Politik.

Bezüglich der Zukunft des BFU gibt sich die Leitung zuversichtlich. "Ich predige meinen Klienten, auch angesichts großer Schwierigkeiten die Hoffnung nicht aufzugeben", sagte die therapeutische Leiterin Regina Kurth. "Dasselbe sollte auch für uns vom BFU gelten."

Behandlungszentrum braucht Geld - Vor 20 Jahren gegründet
Ein syrisches Flüchtlingskind malt seine Eindrücke: links Kriegsszenen aus der Heimat, rechts die Ankunft in Deutschland. Das Mädchen hat dann die Zeichnung Bundespolizisten im niederbayerischen Passau geschenkt. Foto: Bundespolizei/dpa

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29.09.2015, 12:00 Uhr

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