Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bei großer Kälte sind rund 80 Jäger am Samstag zur Treibjagd aufgebrochen
Der Bildechinger Metzger Michael Varga hat die erlegten Tiere vor Ort ausgenommen.
Nichts für Zartbesaitete

Bei großer Kälte sind rund 80 Jäger am Samstag zur Treibjagd aufgebrochen

Dr. Rudolf Rebholz sprach nach der Bewegungsjagd am Samstag von einem „hoch zufriedenstellenden Ergebnis“. Zusammen mit den Jagdbereichen Glatt- und Neckartal wurden insgesamt 17 Wildsauen, 27 Rehe und 13 Füchse zur Strecke gebracht.

06.12.2010
  • Willy Bernhardt

Dießen. Er war hart für Mensch und Tier, dieser vergangene Samstag, als sich um die 80 Jäger aus dem Hegering 8, dem die Dörfer Bittelbronn, Dettingen, Dettlingen, Dießen und Grünmettstetten zugeordnet sind, und 40 Treiber anschickten, das Gleichgewicht an Schwarz- und Rotwild wieder herzustellen. In fast undurchdringlichen Steillagen gerade im Bereich Dießen sanken die Treiber oft über 60 Zentimeter in den Schnee ein, wie der Dießener Treiber Mario Rapp berichtete. Das Wild, und insbesondere die Sauen, rotteten sich an sonnigen Plätzchen im Unterholz zusammen, auch auf der Suche nach Brombeeren. Doch die Wildsauen, das wissen nicht nur die Jäger, gelten als sehr intelligente Tiere, die sich auf die Jagdgewohnheiten des Jägers einzustellen wissen.

Umso mehr freute sich Dr. Rudolf Rebholz, der Chef des Hegerings 8, dass sich viele Bauern den Reihen der Treiber anschlossen, „denn gerade sie haben ein großes Interesse daran, den Bestand an Schwarzwild in Grenzen zu halten“. Ein Bauer aus Dettingen stellte sogar seinen Pick-up-Truck zur Verfügung, um die Treiber an die unwirtlichen Stellen zu transportieren und sie von dort wieder abzuholen.

Derweil hatte sich Metzger Michael Varga aus Bildechingen an der von Rudolf Rebholz konstruierten „Aufbrechhilfe“ im Bereich von Dießens „Alter Säge“ in Position gebracht. Nach und nach brachten die erfolgreichen Jäger in Anhängern ihre „Strecke“ vorbei. Routiniert griff der Metzger zum erlegten Wild, hängte dieses an der „Aufbrechhilfe“ auf und befreite es von seinen Innereien – kein Anblick für Zartbesaitete. Varga erklärte, warum er dies tut: „Ich muss die Tiere so schnell wie möglich von ihrem Magen-Darm-Inhalt befreien, um zu verhindern, dass die Bakterien auf das eigentliche Wildbret übergehen.“ Mit eiskaltem Wasser aus dem unmittelbar daneben vorbeifließenden Dießenbach wurde der Tierkörper dann ausgespült. Dadurch wurde verhindert, dass das Tier „verhitzt“, wie es in der Jägersprache heißt. Würden die Innereien länger im Leib verbleiben, wäre das Wildbret nach zwei bis drei Stunden kaputt, erklärte Varga. Dann wurden die ausgenommenen Tiere auf die rechte Seite gelegt – zum Auskühlen. Die Jägertradition besagt, dass dadurch keine „Erddämonen“ von dem erlegten Tier Besitz ergreifen können. Ideal wäre eine Außentemperatur von plus 7 Grad Celsius. Am Samstag waren es allerdings 7 Grad minus.

Respekt für die Arbeit der Treiber

Rudolf Rebholz, der in Jägerkreisen schlicht „Rudi“ genannt wird, erzählte, dass es seine Idee war, diese „Bewegungsjagd“ über die Kreisgrenzen hinweg zu organisieren, also das Dießener Tal mit dem Neckar- und dem Glatttal einzubinden. „Wir haben dies geografisch definiert, denn das Wild hält sich ja nicht an Kreisgrenzen“, so Rebholz. In seiner „Manöverkritik“ sprach der Chef des Hegerings 8 hernach von einer „hochzufriedenen stellenden und tollen Jagd“, bei der auch das Wetter trotz der Gefrierschranktemperaturen mitgespielt habe. Erlegt wurden am Samstag insgesamt 17 Wildsauen, 27 Rehe und 13 Füchse. Im Jahr zuvor waren es noch 25 Wildsauen, die in die ewigen Jagdgründe übergingen. „Rudi“ Rebholz zollte vor allem den Treibern allerhöchsten Respekt: „Das war eine grenzwertig-vergnügliche Arbeit.“ Rebholz, der sich bisweilen selbst unter die Schar der Treiber mischte, gestand freimütig, „dass ich selber zwischendurch geflucht habe, weil es super anstrengend war“.

Lob bekam Dr. Rudolf Rebholz hernach aus berufenem Munde: Professor Stefan Ruge von der Forstlichen Hochschule aus Rottenburg weilte zusammen mit seinen Jagdhundefreunden ebenfalls bei der Bewegungsjagd und attestierte Jägern wie Treibern einen tadellosen Job. Das galt insbesondere bei den Schweißhundeführern. Einer hatte von einem Erlebnis der ganz besonderen Art zu berichten: Eine einjährige Wildsau kam zunächst wohl mit einem Streifschuss davon. Wie es die Ethik der Jäger verlangt, begaben sie sich dann auf eine „Nachsuche“. Die vermeintliche „Abschussstelle“ war auch recht schnell gefunden, aber dort waren keine Blutspuren zu entdecken, sondern lediglich „zehn Borsten“, wie „Rudi“ Rebholz nachgezählt hat. 100 Meter weiter freilich wurde besagter Waidmann fündig. Pech für ihn, dass er seinen Schweißhund nicht dabei hatte – das Wildschwein-Ferkel startete einen aggressiven Frontalangriff auf den Hegering 8-Jäger. Doch der wusste sich zu helfen: Er stach der Sau mit seinem Messer zwischen die Rippen.

Die vier Jagdhornbläser hatten inzwischen an Dießens „Alter Säge“ Stellung bezogen. Das erste Signal galt dem Sammeln der Jäger. Dann erfolgten drei Jagdsignale, eines pro erlegter Wildart. Zum Schluss wurde zum Halali geblasen, bevor es geschlossen ins Dettlinger Sportheim ging. Doch auf eine Tradition verzichten die Jäger inzwischen: Das früher nach Jagden zelebrierte „Totsaufen“ steht heutzutage nicht mehr auf der Jäger-Agenda.

Bei großer Kälte sind rund 80 Jäger am Samstag zur Treibjagd aufgebrochen
17 Wildsauen, 27 Rehe und 13 Füchse kamen den hiesigen Jägern am Samstag vor die Flinte.Bilder: Kuball

Bei großer Kälte sind rund 80 Jäger am Samstag zur Treibjagd aufgebrochen
Das Treibjagdverblasen verkündet das Ende der Jagd.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.12.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Medizintechnik - Schrittmacher der Region Neckar-Alb
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click