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Fehlt der rote Faden in Horb?

Beim 4. Bürgerforum war der Aalener Citymanager Reinhard Skusa zu Gast – er übte Kritik

Bei seinem Impulsvortrag zum Stadtmarketing hielt der Aalener Citymanager Reinhard Skusa der Stadt Horb und ihren Händlern den Spiegel vor. Es gibt demnach noch viele Hausaufgaben zu erledigen und, so Skusa, „in einem Jahr ist da nicht viel erledigt“.

16.11.2012
  • von Martina Lachenmaier

Horb. „Eine Stadt zu vermarkten ist ziemlich einfach“, meinte der Aalener Citymanager Reinhard Skusa, beim 4. Bürgerforum am Mittwoch im Klostersaal. „Einfach 250 000 Euro an die Kunden verschenken und dabei noch 15 000 Gewinn machen.“ Für Aalen, zumindest sei das ein Konzept, das funktioniere.

Die Stadt als Kaufhaus

Und in Horb? Wie verkauft man eine Stadt, in der die Handelslandschaft weitaus schwieriger ist als in Aalen. Dort ist das Citymanagement seit vielen Jahren etabliert, 345 Mitglieder und Sponsoren des Innenstadtvereins „Aalen City aktiv“ stellen dem Manager einen Etat von 300 000 Euro zur Verfügung. Skusas Rezept heißt: „Horb muss als großes Kaufhaus auftreten. Alle Akteure des Handels, aber auch Dienstleister, Gastronomen, Kulturschaffende und die Stadt müssten mit den Handel zusammenarbeiten und Stadtmarketing mit einem roten Faden bieten. Den vermisst Reinhard Skusa bei Horber Events. Positiv sei, dass es in Horb schon viele Events gibt. Deren Zahl hat insbesondere durch die Nachnutzung des Gartenschaugeländes in diesem Jahr zugenommen, wie Stadtmarketingleiter Martin Scherer darlegte.

Auf Service setzen

Die größten Horber Probleme, das hohe Verkehrsaufkommen in der Stadt und Staus könne auch ein Citymanager nicht lösen, sagte Skusa. Arbeit für einen hauptberuflichen Citymanager („den Job kann niemand ehrenamtlich ausüben“) gäbe es dennoch genug. Leerstände, Schaufenstergestaltung, unzeitgemäße Immobilien und ein fehlender Servicegedanke böten sich als Betätigungsfelder an. Schlechter Service ist ein richtiger Handelskiller. Bleiben die Kunden weg, liege dies in 68 Prozent der Fälle am schlechten Service, sagte der Citymanager. „Stimmt der Service, dann kommen die Leute.“

„Nennen Sie mir fünf Betriebe, wo sie gerne einkaufen. Da werden Sie nach drei wahrscheinlich schon anfangen zu stottern.“ Reinhard Skusa hielt sich mit Kritik an Horb nicht zurück – und die Zuhörer hörten sich Skusas Schelte geduldig an. „Man hat die Tour de Ländle in der Stadt und die Gastronomie hat zu.“ Das sei eine vergebene Marketingchance.

Die Schwierigkeiten

Gleichwohl, so Skusa, habe es der Einzelhandel nicht immer leicht. Er nannte die Konkurrenz im Internet („Der Kunde informiert sich vor Ort und kauft dann im Internet die Ware billiger ein“) oder zu weit entfernte Parkplätze („Kunden sind nicht bereit, mehr als 500 Meter zu Fuß zu gehen“). Auch Rabatte und freie Ladenöffnungszeiten der Discounter und Filialisten machten dem Einzelhandel zu schaffen. Außerdem nähmen die Ansprüche der Kunden zu. Die sähen das Einkaufen zunehmend als Event und erwarten tolle Läden. Auch die Banken stünden dem Einzelhandel bei der Gewährung von Krediten kritisch gegenüber.

Die „nette Toilette“

Reinhard Skusas Rat: „Bieten Sie dem Kunden einen Nutzen, klären Sie seine Erwartungshaltung und pflegen Sie ihn.“ Zum Beispiel mit Lieferservice, Kinderbetreuung oder der „Netten Toilette“. Damit könne man sich abheben. Es sei einfacher die Stammkundschaft zu halten, als mühsam neue Kunden zu gewinnen.

Sich vernetzen, Seilschaften bilden und an einem Strang ziehen, auch untereinander Erfahrungen austauschen – das empfahl Skusa der Stadt und den Händlern. „Wir müssen Kundenerwartungen mehr als erfüllen. Das ist Horbs einzige Chance. Die Kunden müssen die Stadt als großes Kaufhaus und als eine Einheit verstehen.“ Wenn sie dadurch noch einen monetären Nutzen haben, sei es doppelt gut. Parkvergütungen, Citygutscheine und Verlosungsaktionen seien in anderen Orten Frequenzbringer. „Auch für die Betriebe muss der Citymanager etwas bringen“, sagte Skusa. Er berät zum Beispiel die Händler, weist auf Mängel hin, gibt Tipps zur Schaufenstergestaltung, geht drohende Leerstände schnell an, organisiert Fortbildungen, Jubiläumsfeiern oder Sonderveranstaltungen. „In Horb ist so viel zu tun, dass das in einem Jahr nicht zu bewältigen ist“, so der Referent.

Citymanager gesucht

Am 7. Dezember soll der Horber Cityverein bei der Hauptversammlung des Handels- und Gewerbevereins aus der Taufe gehoben werden. Dann wird die Stelle des Citymanagers ausgeschrieben. Was muss er können? Es müsse kein Horber sein, aber jemand, der zu Horb passt, der Stadt nichts überstülpt, schnell Lobbyarbeit in Gang bringt und Vertrauen aufbaut – kurz, einer der die Instrumente des Stadtmarketings beherrscht.

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16.11.2012, 12:00 Uhr

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