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Bach erklingt in Kirchenmauern

Benefizkonzert mit Yulia Draginda für die Stiftsorgel wurde zum Klangerlebnis

Mit der heutigen Konzertveranstaltung, erklärte der Vorsitzende des Orgelfördervereins zu Beginn, gehe eine über zehnjährige Reihe der Benefizkonzerte für die Stiftsorgel zu Ende. Die aus Moskau stammende Organistin Yulia Draginda demonstrierte virtuos die vielseitigen klanglichen Möglichkeiten der Trefz-Orgel.

12.04.2016
  • Norbert Gessler

Horb. Das Konzert am vergangenen Wochenende war das erste nach der Orgelweihe im Februar und so wartete das zahlreich erschienene Publikum gespannt auf die Klänge der neuen Orgel.

Schon beim ersten Werk, dem „Grand Choeur dialogue“ des französischen Organisten und Komponisten Eugène Gigout, das Yulia Draginda zusammen mit dem Bläserquintett „Mestoso-Brass“ spielte, war zu spüren, dass dieser Konzertabend etwas Besonderes werden würde. Bläser und Orgel gingen hervorragend aufeinander ein und entwickelten, mal abwechselnd im Dialog, mal im Gesamtklang vereint, ein fantastisches Klangbild, das den weiten Raum der Stiftskirche füllte. Feinste klanglich Nuancen wurden herausgearbeitet und es war interessant zu hören, wie der vom menschlichen Atem belebte Klang der Blasinstrumente mit dem eher statischen Klang der Orgel zu einer Einheit verschmolz. Das folgende „Adagio for Strings“ von Samuel Barber hatte der Stuttgarter Organist Eberhard Klotz, wie auch weitere Kompositionen des Abends, meisterhaft für Orgel und Bläserquintett bearbeitet. In Verbindung mit den Blasinstrumenten zeigte die einfühlsame Registrierung der Orgel immer neue klangliche Facetten.

Der Eingangschor aus Bachs Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ erklang in der Orgelfassung von Franz Liszt. Hier zeigte Yulia Draginda ihre virtuose Meisterschaft an der Orgel. Nach einer kurzen Einleitung, die sich über einer Bassfigur akkordisch entwickelt, folgt die groß angelegte Fuge. Ihr über einen Dreiklang langsam ansteigendes Thema, das durch alle Stimmen geht, wird durch eine aus raschen Spielfiguren bestehende Gegenstimme kontrapunktiert. Fantastisch, wie die Organistin durch übersichtliches Registrieren die einzelnen Linien des Stimmgeflechts plastisch und durchhörbar erscheinen lies.

Die folgende Alt-Arie „Erbarme dich mein“ aus Bachs Matthäuspassion war wieder eine Bearbeitung von Eberhard Klotz für Bläserquintett. Über einer generalbassartigen und getragenen Begleitung erhebt sich die Melodie der ersten Trompete. Dabei vermittelt die steigende kleine Sext, die wenig später durch eine Quart höher emphatisch gesteigert wird, den Affekt der Trauer und des Schmerzes. Diesen Eindruck verstärken die immer wiederkehrenden verminderten Septimakkorde. Hierbei zeigte das Bläserensemble mit Jonas Huck und Marc Zwingelberg an den Trompeten, Nick Rambow am Horn und Fabian Grabert und Tobias Raviknar, Posaune und Tuba, eine überzeugende Gestaltungskraft. Elegant in der Klanggestaltung und hervorragend aufeinander eingehend, ließen sie die stimmungsvolle Musik Bachs erklingen. Angenehm war es, dass die Trompeter auf Instrumenten mit Drehventilen spielten, die unserem Klangideal entsprechen und nicht auf den enger mensurierten, sogenannten Jazztrompeten mit Pumpventilen, die man üblicherweise zu hören bekommt.

Ovationen haltenlange an

Auch beim Quintett von Viktor Ewald, das an die Bläser höchste Ansprüche stellt, demonstrierte „Mestoso-Brass“ seine Klasse. Mit fein abgestufter, ausgefeilter Dynamik und klangschönem Hervortreten der Melodie führenden Instrumente wurden die verschiedenen Klangfarben der Instrumente mit großer Spielfreude ausgekostet.

Bei zwei Orgelwerken, dem Präludium und Fuge G Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy und der Choralbearbeitung „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ aus Bachs Orgelbüchlein, führte die Organistin die Zuhörer in andere Klangwelten. Neben dem eher verhalten und kontemplativ wirkenden Mendelssohn hebt sich bei Bach die kolorierte und reich verzierte Choralmelodie von den dicht komponierten Mittel- und Unterstimmen ab. Auch hier war es die gekonnte Registrierung, die die filigrane Stimmführung durchhörbar erscheinen ließ.

Waren die Zuhörer bisher schon von der beeindruckenden virtuosen Leistung der Ausführenden gefangen, so erfuhr mit der Festouvertüre „Russische Ostern“ von Nicolai Rimsky-Korsakow das Konzert noch eine weitere Steigerung.

Rimsky-Korsakow schildert mit musikalisch-programmatischen Mitteln die Feier einer russisch-orthodoxen Osternacht. Der Osterjubel über die Auferstehung Christi wird dabei immer wieder von der Rückbesinnung an die Passion Christi unterbrochen.

Der festliche Beginn mit einem straff rhythmischen und sich beschleunigendem Pauken- und Bläsermotiv entwickelt sich zu einem größeren musikalischen Zusammenhang mit einem doppelchörigen Wechselspiel zwischen Orgel und Bläsern. Ins figurenreiche Laufwerk der Orgel fallen dazwischen immer wieder präzise akzentuierte akkordische Bläsereinwürfe. Zwischendurch stimmt der Pope einen Osterhymnus an, der von der Posaune kantabel vorgertragen wurde. Mit tänzerisch anmutenden Passagen steigert sich das Geschehen zu einem grandiosen Schlussteil, der das Ostergeschehen noch einmal sinnlich wahrnehmbar macht.

Mit stehenden und nicht enden wollenden Ovationen bedankten sich die Zuhörer bei den Musikern für diesen einmaligen Konzertgenuss, der sicherlich noch lange nachklingen wird.

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12.04.2016, 01:00 Uhr

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