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Stadtrat fürchtet Terror-Attacken in Rottenburg

Bodenmiller: Kopp-Verlag provoziert militante Islamisten

Der Neubau des Kopp-Verlags in Rottenburg könnte zum Ziel terroristischer Anschläge werden. Das fürchtet Stadtrat Albert Bodenmiller. Trinkwasser für Tausende von Menschen sei dann in Gefahr.

05.10.2011
  • von Gert Fleischer

Rottenburg. Während die Bauarbeiten am Grasigen Weg für die Erschließung des Gewerbegebiets „Siebenlinden III“ bereits begonnen haben, wendet sich Bodenmiller, Vorsitzender der Gemeinderatsfraktion BfH / Linke, an verschiedenen Institutionen und Personen. Zudem nutzte er die formellen Möglichkeiten der Bebauungsplan-Änderung, um seine Befürchtungen vorzubringen. Weil der Rottenburger Kopp-Verlag, der dort sein neues Gebäude errichten will, auch zahlreiche Publikationen herstellt und vertreibt, die von Kritikern als rechtsextrem, ausländer- oder islamfeindlich gegeißelt werden, hält Bodenmiller eine Gefährdung für realistisch.

Er begründet dies unter anderem mit den Anschlägen von Oslo und Utoya. Weil sich das Attentat von Anders Breivik mittelbar gegen Muslime gerichtet habe, müsse damit gerechnet werden, dass Islamisten zurückschlagen. Da kämen Leute wie der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders oder auch der „Starautor“ und „Chefideologe des Kopp Verlags“ Udo Ulfkotte (neues Buch: „Albtraum Zuwanderung“) ins Visier, glaubt Bodenmiller. So wie der Terroranschlag am 11. September 2001 in New York eine Ursache im Verächtlichmachen des Islams habe, könnten islamfeindliche Bücher, wie sie der Kopp-Verlag herstelle und vertreibe, sowie die Beleidigung muslimischer Zuwanderer gewaltsame Anschläge provozieren. Es gebe Hinweise, so Bodenmiller, dass Ulfkotte eine anti-islamische Partei gründen wolle und dafür die Infrastruktur des Kopp-Verlags nutzen wolle.

Die neue Generation anschlagbereiter Islamisten verfolge laut Bodenmiller „intelligente Strategien“; sie werde „das Prinzip selektiver Bestrafung“ mit „chirurgischen Schlägen“ anwenden. Bodenmiller, der als Ruheständler wieder in Tübingen studiert, habe im Sommer dort das Gespräch mit jungen Muslimen gesucht. Sie hätten ihm gesagt, militante Islamisten würden zurückschlagen und sie würden versuchen, „die geistigen Nährväter“ zu treffen. Aus all dem gehe hervor, dass der Kopp-Verlag eine „hohe Anschlaggefahr“ in sich berge.

Es sei deshalb nicht nur mit Brand- und Sprengstoffanschlägen zu rechnen, sondern auch mit dem Einsatz chemischer und bakterieller Mittel. Weil das künftige Verlagsgebäude im Wasserschutzgebiet liegt, sei das Risiko, das Grundwasser zu verseuchen, entsprechend hoch. Aus der Neckaraue bei Kiebingen gewinnt die Ammertal-Schönbuch-Gruppe (ASG) Teile ihres Trinkwassers.

Bodenmiller hält das vom Gemeinderat beschlossene beschleunigte Verfahren für die Bebauungsplan-Änderung für „rechtlich nicht zulässig“, wie er in seiner Stellungnahme an das Stadtplanungsamt schrieb. Wegen erheblicher möglicher Umweltauswirkungen sei eine gründliche Umweltprüfung nötig.

Bei der Begründung zur Änderung des Bebauungsplans fehle unter den Kriterien, die eine Gefährdung des Grundwassers in Betracht ziehen, die Brandgefahr. Sollte jedoch ein Verlagsgebäude dieser Größenordnung (70 Meter lang, 35 Meter breit, teilweise bis zu 14 Meter hoch) in Brand geraten, würden riesige Löschwassermengen benötigt. Das verschmutzte und vergiftete Löschwasser könnte in Grundwasser gelangen.

Bodenmiller schickte seine Stellungnahme auch an Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, weil die ASG auf ihrer Homepage die Stadtteile Bühl, Hirschau, Hagelloch und Unterjesingen als zu ihrem Versorgungsgebiet gehörend darstellt. Palmer habe gedankt, aber darauf hingewiesen, dass Tübingen eine eigene Wasserversorgung habe.

Bodenmiller hat Kontakt aufgenommen zur grünen Landtagsfraktion, speziell zu Uli Sckerl, dem Parlamentarischen Geschäftsführer, der von Ulfkotte verklagt worden sei. Die Grünen hätten geantwortet, sie könnten nicht in Gemeinderatsbeschlüsse eingreifen, aber sie unterstützten Bodenmiller moralisch.

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05.10.2011, 12:00 Uhr

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