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Brüssel-Bomber: Brüder waren seit langem bekannt
Handtaschenkontrolle in Brüssel. Vor den Anschlägen haben die Sicherheitskräfte - so der Vorwurf - nicht so genau hingesehen. Foto: Actionpress
Schwere Vorwürfe gegenüber belgischen Ermittlern - Ausländische Terrorfahnder hatten Attentäter unter Beobachtung

Brüssel-Bomber: Brüder waren seit langem bekannt

Sicherheitspannen im Vorfeld der Anschläge von Brüssel haben die belgische Regierung in eine Krise gestürzt: Konkrete Warnungen wurden ignoriert. Zwei verantwortliche Minister boten ihren Rücktritt an.

26.03.2016
  • KNUT PRIES (MIT DPA)

Während die Fahndung nach den Urhebern des Brüsseler Blutbads vom Dienstag Schritt für Schritt vorankommt, fördert die Aufklärung der Vorgeschichte immer neue Pannen und Versäumnisse zutage. Wie schon nach den November-Anschlägen von Paris haben die belgischen Sicherheitsverantwortlichen offenbar die Chance verpasst, einen Beteiligten zu ergreifen, diesmal vor der Tat. Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens boten deshalb ihren Rücktritt an. Premier Charles Michel lehnte ab. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll nun klären, wie es zu den Fehlern kommen konnte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan persönlich hatte den Belgiern Versagen vorgeworfen: Die Türkei habe einen der Täter von Brüssel im Juni an der Grenze zu Syrien festgenommen und anschließend ausgeliefert. Doch Belgien habe die Warnungen ignoriert, "dass er ein ausländischer Terror-Kämpfer ist", sagte Erdogan. Geens, im Fernsehen zu Erdogans Behauptung befragt, hatte nur eine dürftige Verteidigung zu bieten: "Seines Wissens" habe gegen den Mann nichts vorgelegen. Später räumten beide Minister "Fehler" ein.

Erdogans Erklärung bezog sich offenbar auf Ibrahim Bakraoui (29), der sich gemeinsam mit einem Komplizen im Flughafen Zaventem in die Luft sprengte. Die belgische Justiz kannte ihn als gewalttätigen Kriminellen, aber offenbar nicht als islamistischen Extremisten. Aus einer zehnjährigen Haft - er hatte nach einem Einbruch mit einer Kalaschnikow auf Polizisten geschossen - war er 2014 vorzeitig entlassen worden und anschließend untergetaucht. Aus der Türkei war er schließlich nicht nach Belgien, sondern in die Niederlande gekommen.

Bakraouis jüngerer Bruder Khalid (27), der den Anschlag in der U-Bahnstation Maelbeek verübte, war in der Vergangenheit ebenfalls als Krimineller - vor allem als Autodieb - aufgefallen und verurteilt worden. Er soll unter falscher Identität die Wohnung in der Brüsseler Stadtgemeinde Forest gemietet haben, in der es vergangene Woche eine Schießerei zwischen drei Männern und der Polizei gegeben hatte. Aber auch er war schon früher ins Fadenkreuz der Terror-Fahnder geraten: Auf Veranlassung der französischen Justiz wurde er seit 11. Dezember mit internationalem Haftbefehl als Unterstützer der Pariser Attentäter gesucht. Laut dem US-Fernsehsender NBC sollen die Brüder auch den US-Behörden als Terrorverdächtige bekannt gewesen sein - seit wann, blieb allerdings unklar. Die belgische Generalstaatsanwaltschaft hatte noch am Mittwoch erklärt, die Bakraouis hätten bisher "keine Verbindungen zum Terrorismus" gehabt.

Die Ermittler vermuten mittlerweile, dass Khalid am Dienstag nicht allein handelte. Bilder einer Überwachungskamera zeigen ihn kurz vor dem Anschlag im Gespräch mit einem zweiten Mann, beide ausgerüstet mit einer großen, anscheinend gut gefüllten Tasche. Die Polizei veröffentlichte ein Fahndungsbild des nicht identifizierten möglichen Komplizen. Ob er entkommen oder unter den Toten, war zunächst unklar.

Bereits am Dienstag hatte die Polizei ein Schreiben entdeckt, das als "Testament" von Ibrahim bezeichnet wird. Es lag in einer Mülltonne vor dem Haus in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek, in dem die Attentäter ihre Bomben gebastelt hatten und von dem aus sie zum Flughafen gefahren waren. Ibrahim schreibt, er fühle sich "gehetzt" und wisse nicht mehr, "was zu tun sei", weil er "überall gesucht werde" und glaube, "nicht mehr in Sicherheit zu sein", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Frédéric Van Leeux. Ein Hinweis auf die IS-Miliz, die sich zu den Attentaten von Paris und Brüssel bekannte, sei darin nicht zu finden.

Einer der drei Attentäter vom Flughafen ist ebenfalls namentlich nicht bekannt. Sein Sprengsatz war erst verspätet hochgegangen und hatte keinen zusätzlichen Personenschaden angerichtet. Neben Ibrahim Bakraoui soll in Zaventem ein weiterer Hintermann der Pariser Anschläge namens Najim Laachraoui eine Bombe gezündet haben und umgekommen sein. Die belgische Polizei löschte mittlerweile den Fahndungsaufruf nach Laachraoui von ihrer Webseite. Das könnte ein Hinweis sein, dass die Ermittler den 24-Jährigen für tot halten.

Rätselhaft ist die Rolle von Salah Abdeslam, vor einer Woche nach langer Fahndung festgenommen und verdächtig als Drahtzieher der Pariser Anschläge. Er teilte über seinen Anwalt mit, er wolle möglichst schnell an die französische Justiz überstellt werden. Ein bemerkenswerter Sinneswandel - nach seiner Festnahme hatte er Widerstand gegen die Auslieferung nach Frankreich angekündigt.

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26.03.2016, 08:30 Uhr

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