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Das „Waldhotel Zollernblick“ lud zu einem Commedia dell‘Arte-Dinnerschmaus
Umtriebe wegen der Torroni

Das „Waldhotel Zollernblick“ lud zu einem Commedia dell‘Arte-Dinnerschmaus

Genuss für Gaumen, Augen und Geist – diese Ergötzung hat durchgängig Bestand seit der Antike. Warum delikates Tafeln und circensische Lustbarkeiten zwischen den Menü-Gängen in jüngerer Zeitrechnung sich so rar machten, ist schwer erklärlich. Doch aktuell hat der Brot- und-Spiele-Trend wieder enormes Oberwasser bekommen – auch in Freudenstadt.

18.12.2012
  • Siegfried Schmidt

Lauterbad. Eine exklusive, theatralisch und künstlerisch ausgefeilte Spielart des Dinner-Theaters zelebrierte am vergangenen Samstag das Waldhotel Zollernblick in abendfüllender Weise.

Dort, im großen Speisen- und Tagungssaal gastierte das Ensemble Cena & Arte mit einem als solchen apostrophierten „Weihnachtskrimi“: „La Notte dei Torroni – Süßer Tod“.

Wobei die Genrezuschreibung Krimi etwas arg gewollt erschien. Zwar mischte ein gewisser Commissario Beretta beim anfänglichen Cocktail-Stehempfang mit drängenden Fragen die Gäste gehörig auf, doch sollte sich anschließend beim lukullischen Mahl an den venezianisch gedeckten Tafeln aus der vermuteten Kriminalgeschichte eher ein süffisant in geflügelter Sprache sich ergehendes Salonstück ergeben.

Eine drollige Gesellschafts-Parabel, in dem ein vom Leben ennuierter Don Benedetto süchtig seiner Melancholie frönt und sein ganzes überdrüssiges Trachten den heißgeliebten Torroni widmet – süße Nougatriegelchen, die er auf einmal entbehren muss.

Es treten auf: Etwas weibliche Familienbande, eine Haushälterin und verbales Prügelopfer, ein weiterer Geprellter in überkandidelter Hauptmanns-Montur und ein Herrendiener, der allen Tauschgeschäften zugewandt ist.

Cena & Arte formt aus dem barocken Theaterstoff, frei nach Guiseppe Gironda, ein dralles Rollenspiel ganz nach der Dramolett-Spielart der Commedia dell‘Arte: Wort- und Fabulierlustig, Sentenzen-reich, voll dialogischen Temperaments und spitzzüngiger Exaltiertheit. Ein Kostüm-Stück, das rauflustig Fahrt aufnimmt und sein Spiel mit polternder Gebärde in den Menüpausen entfaltet.

Wie wohl der Torroni-Bäcker seine Konditoren-Existenz aushauchte und wo der vermisste Goldschatz geendigt ist, das sind fürs Publikum schlussendlich abstrakte Fragen. Denn sinnlichen Genuss haben die Speisenden und Komödienbeschauer sich genügend einzuverleiben.

Die Familie Heinzelmann-Schillinger mit Zollernblick-Direktor Steffen Schillinger als Gastgeber kredenzte zum italoromanischen Theaterzauber ein opulentes Menü, das in einer knusprig-zarten Bauernente mit Apfelrotkohl und geschmälzten Klößen seinen Höhepunkt fand und dem drall-gesitteten Schauspiel sowohl bei der hausgemachten Kaninchenterrine wie auch mit der Kürbis-Schaumsuppe samt gebratener Garnele in nichts nachstand.

Am Ende wird‘s gut und köstlich für alle: Der unwirsch-vermögende Pfeffersack hat für seine Gelüste eine Schatulle Torroni ergattert, sein Fußvolk hat den Liebes-Ringelreihen erfolgreich ins Ziel gesteuert und das Dinner-Publikum im voll besetzten Saal darf sich zum Dessert „Nougat Delice!“ mit Vanille Parfait auf der Zunge zergehen lassen.

Diesen „Süßen Tod“ hat wahrhaftig keiner bereut.

Das „Waldhotel Zollernblick“ lud zu einem Commedia dell‘Arte-Dinnerschmaus
Ein hoher Herr in Fuchsschwanz, Nachtkapp und Unterhosen: Commedia-Dinner im Waldhotel Zollernblick. Bilder: sis

Das „Waldhotel Zollernblick“ lud zu einem Commedia dell‘Arte-Dinnerschmaus
Durchgeistigter Dichter trifft auf lebenszugewandte Kammerzofe.

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18.12.2012, 12:00 Uhr

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