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Noch sitzen sie im Chaos

Das neue Pfarrerehepaar Friederike Schmalfuß und Matthias Gössling hat neue Ideen

Noch unter Umzugskisten hausierend, stecken Friederike Schmalfuß und Gatte Matthias Gössling schon voller Ideen. Holzhausens neue Pfarrerin und der neue geistliche Leiter des Berneuchener Hauses auf dem Kirchberg bringen frischen Wind in die alten Gemäuer.

27.08.2011
  • Yvonne Arras

Holzhausen/Kirchberg. „Kommen sie hoch, überall stehen aber noch Kisten und Gerümpel“, begrüßt von oben über das Treppengeländer rufend Pfarrerin Friederike Schmalfuß. Geräumig, weitläufig und hell ist die Wohnung über dem Empfangsgebäude des Kloster Kirchbergs. „Im alten Haus in Paderborn hatten wir ganz viele kleine Zimmer und ganz viel gestapelt“, erklärt Schmalfuß, die in Jeans und Arbeitskleidung munter durch die Räume wuselt.

Hier gebe es zwar weniger Zimmer, aber dafür größere. Entrümpeln ist angesagt bei dem frisch aus dem Ruhrgebiet eingetroffenen Pfarrerehepaar. Seit Ende ihres Theologiestudiums in Göttingen war Friederike Schmalfuß Pfarrerin und Frauenbeauftragte in einer sechs Ortsteile und drei Pfarrstellen umfassenden Landgemeinde in Paderborn mit rund 1700 Seelen. Baden-Württemberg, sagte die forsche Pfarrerin und Hobbykünstlerin mit nicht zu überhörendem Ruhrgebietsakzent, sei ihr trotzdem nicht ganz unbekannt.

Die Schwester lebe in Stuttgart und sie selbst habe auf dem Kirchberg ihre Ausbildung als Kontemplationsbegleiterin gemacht. Von den Holzhauser Gemeindemitgliedern kennt sie abgesehen von zwei Predigten bislang nur die Kirchengemeinderäte. Das soll sich rasch ändern. „Die wünschen sich, wofür ich sorgen will: eine vollere Kirche, verstärkte Jugendarbeit und mehr Miteinander unter den Mitarbeitern“, bringt Schmalfuß ihre Ziele auf den Punkt. Unternehmungsfreudig und überaus gesellige Frau über jährlich Mitarbeitertreffen oder Gemeindefeste nach.

Aufbauen will die Pfarrerin vor allem auf die schon jetzt ordentliche Gemeindestruktur mit den vielen Gruppen, einem eigenen Posaunenchor und mehreren Organisten. Von Konzepten und Plänen, wie sich eine Idee am besten umsetzen lässt, hält Schmalfuß hingegen nichts. „Ich will präsent sein“, betont die Pfarrerin. Nicht einverstanden war sie darum mit dem Vorschlag des Sulzer Dekanats, nur zwei Sonntage im Monat zu predigen. „Ich möchte lieber dreimal Gottesdienst halten und die halbe Stelle über freie Tage regeln“, sagte sie. Nur in der Gemeinschaft lassen sich laut Schmalfuß Probleme wie Abwanderung zu Freikirchen und anderen Religionen entgegenwirken.

Nutzen will sie dabei auch die benachbarten Kirchengemeinden im Mühlbachtal. „In Paderborn arbeitet man viel im Team“, erklärte Schmalfuß. Isoliertes ich-mach-hier-meine-eigene-Gemeindearbeit-Denken sei ihr fremd. „Gerade Gemeinden, die aneinanderhängen sollten mehr miteinander machen“, sagte sie. Gemeinsame Gottesdienste schweben der langfristig denkenden Pfarrerin etwa vor. Als „Verbindungsglied“ wolle sie sich auch zwischen der Landeskirche in Holzhausen und dem geistlichen Leben auf dem Kirchberg einsetzen. Denn so „weltfremd“, wie Matthias Gössling sagte, seien „die hier auf dem Kirchberg gar nicht“.

Gössling, der neue geistliche Leiter kennt den Kirchberg. Seit 15 Jahre ist er Mitglied in der Gemeinschaft Sankt Michael. „Insofern ist es schon ein Traumjob hier“, sagte er und möchte die Situation, dass Schmalfuß und Gössling als Ehepaar den Kirchberg beziehen, sehr wohl als Verbindung zwischen Kirchberg und Bezirkskirche nutzen, erklärte Gössling.

Zunächst möchte er aber „erst mal sehen, wie die Dinge so laufen“. „Schon die Tatsache, dass ich ich bin und nicht meine Vorgänger, ändert vieles“, sagte Gössling im Blick auf Ziele, die er anstrebt. An der Regelmäßigkeit und der Tradition soll sich keinesfalls etwas ändern. Überrascht zeigte er sich, über die „vielen Rädchen, die hinter den Fronten in einander laufen“ und das Leben auf dem Kirchberg so reibungslos machen. Dass immer alles rund läuft, seien Dutzende Handgriffe nötig. „Von der Klobürste bis zum Mittagessen ist alles organisiert“, wandte Friederike Schmalfuß ein. Dafür, dass jeder Kirchberger Gast und jedes Holzhauser Gemeindemitglied an der Ordnung teil hat, setzen sich die Pfarrers mit Leib und Seele ein.

Schmalfuß und Gatte Matthias Gössling bleiben zunächst für sechs Jahre hier. Solange sind beide von der Landeskirche in Ost-Westfalen freigestellt. Dann müssten sie zurück. „Wenn´s geht, bleiben wir auch neun Jahre“, sagte Schmalfuß, denn die „immer wechselnden Pfarrer, das ist nichts.“ Weder für die Gemeinde noch für die Pfarrer selbst, die bisweilen, wie es ihr vorkam, ein wenig deprimiert über den Weggang aus Holzhausen gewesen seien.

„Wir haben jetzt „Ja“ gesagt zu Holzhausen und zum Kirchberg und freuen uns. Es ist uns geschenkt worden. Auch wenn wir jetzt noch im Chaos sitzen“. Tatendrang spricht aus dem Pfarrerehepaar.

Friederike Schmalfuß wird am 11. September um 9.30 Uhr in der Sankt Georgskirche in Holzhausen ins Amt eingeführt. Matthias Gössling Begrüßungsgottesdienst ist am 18. September in der Sankt Johanniskirche auf dem Kirchberg.

Das neue Pfarrerehepaar Friederike Schmalfuß und Matthias Gössling hat neue Ideen
Freuen sich auf die Zeit in Baden-Württemberg: Friederike Schmalfuß und Matthias Gössling. Bild: ya

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27.08.2011, 12:00 Uhr

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