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Klettern: Seite an Seite auf 1100 Metern

David und Samuel Greiner haben sich im Karwendelgebirge einen Traum erfüllt

Die Tübinger Familie Greiner ist vom Klettersport infiziert. Vater David Greiner hat sich nun einen Lebenstraum erfüllt: gemeinsam mit Sohn Samuel die Klettertour „Inferno und Ekstase“ an der Grubenkarspitze zu bewältigen. Das Beispiel der Familie macht deutlich: Der Klettersport ist längst nicht mehr nur ein Hobby für Exoten.

21.08.2015
  • Moritz Hagemann

Tübingen. Gut eine Woche ist David Greiner von seinem Abenteuer aus dem Tiroler Karwendelgebirge zurück, als der Rechtsanwalt das TAGBLATT in seinem Tübinger Büro begrüßt. Und seine Beschreibungen lassen erahnen, wie sehr ihn diese Herausforderung gefesselt hat. „Diese Wand ist total steil“, sagt der 49-Jährige über die Nordostwand der Grubenkarspitze. Und beschreibt sie als „senkrecht, teilweise sogar überhängend“. 1100 Meter Felsen führen nach oben.

Doch genau diese Klettertour, die sich „Inferno und Ekstase“ nennt, habe ihn immer gereizt. „Man ist da sehr, sehr hoch und sehr, sehr alleine“, sagt Greiner. Zum dritten Mal war er Anfang August in der Wand. Das erste Mal vor fünf Jahren mit Sohn Samuel (23). Doch nach nur zwölf Seillängen war Schluss. Regen. Die Gefahr viel zu groß. 2012 dann der nächste Versuch von David Greiner. Ohne den Sohn, dafür aber mit einem Kletterer, „der sich das zugetraut hat“. Doch was Greiner dann in Tirol erlebte, beschreibt er heute als „völliges Debakel“. Schon am Fuße der Wand habe er gemerkt, dass sein Partner für diese Tour nicht gut genug sei.

Und so hatte sich der Traum von „Inferno und Ekstase“ eigentlich schon erledigt. Bis sich Samuel Greiner doch noch einmal für solch eine Tour begeistern konnte. Der Weg für den dritten Versuch an der Grubenkarspitze war geebnet. Doch ihn zu gehen kostete Mühen. „Wenn ich hart trainiert habe, hatte ich oft die Wand vor Augen“, sagt David Greiner. Manchmal sei er sogar mit Drei-Kilo-Hanteln joggen gegangen. „Das ist dann die volle Dröhnung.“

Auf den Schock folgt die Genugtuung in der Wand

Im April sei er „maximal fit“ gewesen. Doch über Nacht der Schock, der rechte Arm schmerzte. Eine totale Überlastung. Ausgerechnet kurz vor dem geplanten Termin in Tirol. Aus Vorfreude wurde ein quälendes Warten. Dann Anfang August war es soweit. Greiner zeigt Bilder, wie er am Fuße der Wand mit dem Sohn die letzte Nacht vor dem Einstieg verbrachte. Um 5.45 Uhr ging’s dann los. „Zu spät“, sagt Greiner heute. „Wir dachten nicht, dass es so früh hell werden würde.“

Sie nahmen kaum Gepäck in die Wand mit. Nicht mal eine Digitalkamera. Fotos schoss Samuel Greiner mit seinem Smartphone. Aber nicht viele. „Wir haben uns schon beeilt“, erklärt der Vater. Die Dunkelheit und das Wetter sind ein stetiger Feind. Nach 29 Seillängen war der Großteil der Tour geschafft. Nachmittag war es längst. Den letzten Abschnitt, den man seilfrei begehen kann, konnten die Greiners nicht absolvieren – sie hatten den Weg nicht gefunden. Und so stiegen sie ab, schliefen in einer Wiese und wurden am nächsten Morgen von der Sonne geweckt. „Es hat sich absolut gelohnt“, sagt David Greiner.

Der hat bereits mit zwölf Jahren mit dem Klettern angefangen. „Damals war das noch absolut exotisch“, sagt er. Doch die Familie war schnell infiziert. Neben dem 23-jährigen Samuel, der die Kletter-Ortsgruppe Tübingen trainiert, klettert auch der zweite Sohn Paul (17). Selbst Ehefrau Sabine hat die Begeisterung für den Sport gepackt. Bei seinen Söhnen, so erzählt Greiner, habe er früh ein Talent erkannt. Weil die Familie oftmals auch im Urlaub die Berge dem Strand vorzog, wurde das Faible zur Leidenschaft.

Generell boomt der Klettersport. „Das liegt an den vielen Trainingshallen, die gebaut werden“, sagt Greiner. Er selbst trainiert im Boulderzentrum in der Tübinger Bismarckstraße. Zwar sei so eine Mitgliedschaft nicht billig, „aber ansonsten kostet das Klettern wenig. Die Ausrüstung ist zwar teuer, hält aber lange, und die Berge wollen keinen Eintritt.“ Auch deshalb habe es einen gewaltigen Zuwachs in der Breite und der Spitze gegeben.

David Greiner will dem Klettern treu bleiben „bis es nicht mehr geht“. Und auch Samuel, obwohl der im April erstmals Vater wurde. „Seine und meine Frau haben Abenteurer geheiratet. Sie wissen, auf was sie sich eingelassen haben.“

David und Samuel Greiner haben sich im Karwendelgebirge einen Traum erfüllt
David Greiner in der Nordostwand der Grubenkarspitze. Privatbild

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21.08.2015, 12:00 Uhr

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