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"Wie der Schlag eines Boxers"

Demonstrant trägt nach Wasserwerfereinsatz Augenschäden davon

Der Mann, der beim Polizeieinsatz im Schlossgarten vom Strahl eines Wasserwerfers verletzt wurde, ist nach Angaben der Ärzte "im Moment erblindet". Zu bleibenden Schäden gibt es noch keine Prognose.

07.10.2010

Sein Foto ging durch die Medien: Dietrich Wagner, der Demonstrant aus dem Stuttgarter Schlossgarten mit den blutenden Augenverletzungen, der von zwei Helfern gestützt werden musste. Der Mann müsse erneut an den Augen operiert werden, sagte gestern eine Sprecherin des Katharinenhospitals in Stuttgart. Auch ein zweiter Demonstrant, der am vergangenen Donnerstag beim Polizeieinsatz im Schlossgarten am Auge schwer verletzt wurde, müsse erneut behandelt werden. Über bleibende Schäden könnten die Ärzte bei beiden Betroffenen noch keine Angaben machen.

Dem Magazin "Stern" schilderte Wagner, Ingenieur im Ruhestand: Er habe versucht, Jugendlichen zu helfen, die vom Strahl des Wasserwerfers weggefegt worden waren. Deshalb habe er die Arme hochgerissen und den Polizisten gewunken, um ihnen zu bedeuten, sie sollten aufhören. Dann traf ihn selbst der Wasserstrahl direkt ins Gesicht - so massiv, dass der 66-Jährige ohnmächtig wurde.

"Es fühlte sich an wie der Schlag von einem Riesenboxer", sagte Wagner. Der Stuttgarter Polizeipräsident Siegried Stumpf hatte am Dienstag gesagt, der Mann habe sich direkt in den Wasserstrahl gestellt, sei von der Polizei beiseite genommen worden und sei später wieder in den Strahl gelaufen.

Chefarzt Egon Georg Weidle diagnostizierte bei Wagner "schwerste Augenverletzungen". Am schlimmsten seien die "beidseitig schweren Prellungsverletzungen", zitiert ihn der "Stern". Die Lider seien zerrissen, der Augenboden eines Auges gebrochen, die Netzhaut vermutlich eingerissen. Die Linsen sind zerstört, sie müssen durch Kunstlinsen ersetzt werden. Der Patient "ist im Moment erblindet", sagte Weidle. Er wisse nicht, wie gut sein Patient in Zukunft je wieder sehen wird. Laut "Stern" hat dieser Strafanzeige gegen Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) wegen Körperverletzung gestellt.

Im Katharinenhospital war noch ein dritter Demonstrant stationär aufgenommen worden. Er sei inzwischen wieder entlassen und habe gute Chancen, ohne Dauerschäden davongekommen zu sein, hieß es. Anders sieht es bei einem Patienten in der Stuttgarter Charlottenklinik aus: Ein 22-Jähriger leidet laut "Stuttgarter Nachrichten" unter einem sehr schweren Augen-Trauma. Voraussichtlich blieben Folgeschäden, er müsse intensiv ambulant behandelt werden, sagte Augenarzt Gangolf Sauder.

dpa/eb

Demonstrant trägt nach Wasserwerfereinsatz Augenschäden davon
Zwei Männer stützen im Schlossgarten den verletzten Dietrich Wagner. Wagner müsse erneut an den Augen operiert werden, hieß es gestern. Foto: dpa

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07.10.2010, 12:00 Uhr

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