Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Der Hund als Seele des Büros
"Sie schafft im Büro ein ganz anderes Arbeitsklima": Firmenchefin Michaela Heinz und ihr Chihuahua Daisy. Foto: Mathias Hausding
Verein verweist auf positive Erfahrungen in den USA

Der Hund als Seele des Büros

Das Arbeitsklima im Büro wird gleich besser und gesünder, wenn ein Hund dabei ist. Das propagiert der Bundesverband Bürohund. Denn die Anwesenheit von Hunden setze im Menschen ein Kuschelhormon frei.

19.03.2016
  • von MATHIAS HAUSDING

Potsdam. Im Altersheim, im Krankenhaus oder im Hospiz sind sie als emotionale Stützen anerkannt. Und manche Logopäden schwören sogar auf den Einsatz von Therapiehunden. Eine bundesweite Initiative empfiehlt nun Hunde fürs Büro, um gegen Burnout vorzubeugen.

Jeder hat mal einen schlechten Tag, sagt Michaela Heinz, eine 31-jährige Firmeninhaberin. Phasen, in denen man Beistand braucht. "Da hilft ein Hund. Er schafft im Büro ein ganz anderes Arbeitsklima." Deshalb hat direkt unter ihrem Schreibtisch Daisy ihr Plätzchen - als Bürohündin.

Sie bringe einfach Freude in den Laden, sagt Heinz. Die Kollegen, die Kunden, die Postfrau - alle seien in Gesellschaft des Chihuahuas sehr gelöst. "Und wir kommen im Laufe des Tages auch mal raus. Hundepause statt Raucherpause."

Im Oktober 2015 hat sich Michaela Heinz mit ihrer Druckerei und derzeit vier Mitarbeitern in Potsdam (Brandenburg) angesiedelt. Eine ihrer Spezialitäten: farbige Foto-Drucke auf Holz - von der Weinkiste bis zur Bierbank. Zuvor hat Heinz in Nordrhein-Westfalen gearbeitet. Da hatte die Firma sieben Mitarbeiter und sogar zwei Bürohunde.

"Es muss natürlich passen, nicht jeder Hund ist geeignet", sagt Heinz. "Von einem hyperaktiven Jack Russel würde ich eher abraten. Daisy pennt einfach viel, und sie kennt ihren Platz. Die Maschinen sind tabu."

Michaela Heinz würde sich über Nachahmer freuen. Sie habe lange in den USA gelebt, sagt sie. Dort sei die Bedeutung von "emotional dogs" in viel größerem Maße anerkannt, also von Hunden, die einfach durch ihre Anwesenheit Unterstützung leisten.

Die Fäden der Bürohund-Befürworter laufen im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain bei dem Hundetrainer Markus Beyer (53) zusammen. Vor zwei Jahren hat er einen Bundesverband ins Leben gerufen, um den Ansatz mit Bürohunden publik zu machen und um Unterstützung zum Beispiel bei Krankenkassen zu werben.

"Ziel ist die Reduzierung der Fälle von Burnout", sagt Beyer. Die immer häufiger gestellte Diagnose sei für die Betroffenen und ihre Angehörigen meist ein Schicksalsschlag - und dem Gesundheitssystem beschere sie hohe Kosten.

Die Gesellschaft von Hunden sei deshalb so wertvoll, weil sie die Oxytocinproduktion im menschlichen Organismus anrege. Beyer: "Ein Wunderhormon, von dem leider die wenigsten wissen." Blickkontakt zwischen Mensch und Hund genüge demnach, um auf beiden Seiten das so genannte Kuschelhormon auszuschütten.

Der Effekt für den Büroalltag: Mitarbeiter seien motivierter, loyaler und kreativer, sagt Beyer - und sie fühlten sich einfach wohler. In vielen US-Konzernen seien Bürohunde Standard.

Außer bei den Krankenkassen wirbt Beyer bei Firmenchefs für den Einsatz von Bürohunden. "Ich wünsche mir, dass sie mal eine Minute darüber nachdenken, ob ein Hund etwas bringen könnte." Die Argumente hat er auf der Internetseite des bislang von 2500 Menschen unterstützen Verbands gesammelt.

Ein Bürohund gehöre nicht der Firma, betont Beyer, sondern immer Menschen. Und ein Hund komme nur in Frage, wenn es für alle Seiten passt, also auch für den Hund. Oft höre er von Leuten, dass sie sich einen anschaffen würden, wenn sie ihn zur Arbeit mitnehmen dürften. Hier hoffe er, mit dem Verband Argumentationshilfe leisten zu können.

Sorgen hält Beyer für unbegründet oder überzogen. "Nur drei von hundert Menschen haben eine Allergie gegen Hundehaare." Und zum Hund als möglicher Stolperfalle im Büro sagt er: "Alles ist gefährlich oder nicht - das ist immer eine Frage der Perspektive."

Info Mehr zum Bundesverband Bürohund e.V. unter bv-bürohund.de

Das Kuschelhormon

Hunde Der beste Freund des Menschen sei tatsächlich der Hund, schreiben der japanische Verhaltensforscher Miho Nagasawa und seine Kollegen von der Universität Tokio. Sie machen ein Hormon für das besondere Verhältnis verantwortlich: Oxytocin.

Oxytocin Das Hormon ist unter Verhaltensforschern bekannt. Es wird auch als „Liebes- oder Kuschelhormon“ tituliert, spielt es doch eine entscheidende Rolle in der menschlichen und tierischen Partnerbindung. Es verfestigt unter anderem auch das Verhältnis zwischen Mutter und Neugeborenem. Nagasawa und Kollegen hatten in einem Versuch an Menschen und ihren Hunden (16 Rassen) gezeigt, dass das Zusammensein Mensch/Hund in beiden zur erhöhten Ausschüttung von Oxytocin führte. yel/ema

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.03.2016, 08:30 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
Heute meist gelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Mode, Marken, Macher: Wo Ästhetik und Hightech sich treffen
Bildergalerien
Videos
Sie haben Fragen zu unserem neuen Bezahlsystem? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.
Single des Tages
date-click