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„Die null Punkte tun weh“
Eutingens Trainer Roland Gölz steht mit seinem Frauenteam vor einer schwierigen Saison. Aktuell ist die Mannschaft mit null Punkten auf dem letzten Tabellenplatz in der Verbandsliga. Bild: Ulmer
Das Mittwochs-Interview

„Die null Punkte tun weh“

Eutingens Frauenfußball-Trainer Roland Gölz spricht über die Krise des Verbandsligisten. Im Interview erzählt er, wie er das Team wieder aus dem Tabellenkeller führen will.

11.10.2017
  • Sascha Eggebrecht

SÜDWEST PRESSE: Herr Gölz, lassen Sie uns doch mal einen kleinen Blick in die Vergangenheit verwerfen. Wissen Sie noch, wie viele Punkte Ihr Team vor einem Jahr nach den ersten vier Spieltagen hatte?

Roland Gölz: Nein, das weiß ich nicht mehr.

Zehn Punkte. Heute sieht die Lage anders aus. Null Punkte nach vier Spieltagen. Glauben Sie auch, dass das zweite Jahr in der neuen Liga viel schwerer als das erste ist?

Hab ich nicht mehr genau gewusst. Ich wusste, dass der Saisonbeginn im vergangenen Jahr viel besser war. Ich hab jedoch auch gewusst, dass das zweite Jahr viel schwerer wird. Die Aufstiegseuphorie ist weg und die Gegner kennen die Mannschaft. Die null Punkte tun mir weh, im Fußball gibt es jedoch auch solche Situationen. Sie können mir glauben, dass ich mir viele Gedanken machen, wie wir da wieder herauskommen.

Warum wartet Ihr Team aber immer noch auf den ersten Punkt?

Weil wir mehr Tore bekommen haben, als wir geschossen haben. Wenn dann das nötige Selbstvertrauen weg ist, dann fehlen halt die letzten Zentimeter, um das Tor zu schießen.

Zudem hatten Sie viele verletzte Spielerinnen. Doch zuletzt gegen Lustnau war selbst die Auswechselbank prall gefüllt. Trotzdem hat es eine 0:2-Niederlage gegeben. Ist die Mannschaft nach den Verletzungen noch nicht eingespielt?

Leider ist es so, dass wir jetzt Zeit bräuchten, die wir nicht haben. Wenn eine Spielerin nach einer Verletzung zurückkommt, fehlt eben die Fitness und Spielpraxis.

Ist zudem die Liga auch stärker
geworden?

Denk ich nicht, die Liga war vergangenes Jahr genauso stark. In dieser Liga gibt es keine leichten Spiele. Im vergangenen Jahr haben wir auch von unserer starken Vorrunde gelebt.

Im vergangenen Jahr hatten Sie mit Norbert Nesch einen erfahrenen Mann an Ihrer Seite gehabt. Fehlt
er Ihnen?

Klar fehlt er. Zu zweit kannst du immer Dinge bereden, um die richtige Entscheidung zu treffen. Mit Marina Schwägler hab ich jedoch eine sehr erfahrene Spielerin als Partnerin, mit der ich unsere Situation genau bespreche und wir dann versuchen, das Beste für die Mannschaft zu entscheiden. Dass sie momentan auf dem Feld für uns wichtiger wäre als verletzt, ist ja klar.

Werden Sie um Neschs Rat in der verzwickten Situation bitten?

Da Norbert so oft er kann, auf dem Sportplatz ist und wir so immer Zeit haben zu reden, ist mir seine Meinung schon wichtig. Entscheiden müssen jedoch wir, das heißt Marina und ich. Im Zweifelsfall ich, alles andere wäre auch falsch.

Wie wollen Sie das Team aus dem
Tabellenkeller holen?

Es gibt genügend Ansatzpunkte, die wir verbessern können. Wir beginnen mal mit dem schwierigsten, dem Toreschießen.

Sind Sie nun auch als Psychologe
gefragt?

Ich bin kein Psychologe, das Selbstvertrauen ist jedoch beim Fußballspielen sehr wichtig. In unserer Lage sind das Selbstvertrauen und die Erfolgserlebnisse eher rar.

Sie haben offiziell vom beginnenden Abstiegskampf gesprochen. Kann
Ihre Mannschaft Abstiegskampf?

Wenn wir es nicht können, müssen wir es lernen. Denn wer soll uns aus der Lage führen, wenn nicht wir? Der Einsatz gegen Lustnau hat bei jeder Spielerin zu 100 Prozent gepasst, darauf können wir aufbauen.

Wenn Sie merken, dass Sie dem Team nicht mehr helfen können,
wären Sie auch bereit den Stuhl
zu räumen?

Ich bin ein Mensch, der seine Arbeit sehr kritisch beurteilt und immer das Optimale mit der Mannschaft erreichen will. Ich bin aber auch keiner, der immer jammert und irgendwelche Dinge schönredet. Wir müssen mit dieser schwierigen Situation zurechtkommen. Sie können mir glauben, dass ich mir was Schöneres vorstellen könnte. Wenn ich merke, dass ich der Mannschaft nicht mehr helfen kann und es eine bessere Option gibt, wäre der Stuhl morgen ganz schnell frei.

Malen wir mal den Teufel an
die Wand. Wie fatal wäre ein
Abstieg der Mannschaft in die
Landesliga?

Wir steigen nicht ab.

Könnte der Verein dann noch alle
Talente aus der B-Jugendmannschaft halten?

Wir kämpfen immer darum, die Spielerinnen zu halten, da sie oft sehr weite Wege haben und auch höherklassig spielen könnten. Wir spielen oft auch gegen
Spielerinnen, die schon in Eutingen gespielt haben. Der Verein leistet bei den B-Juniorinnen eine super Arbeit.

Gehen wir aber davon aus, dass
das Team in den kommenden
Spielen noch die Kurve kriegt.
Mit welchem Abscheiden wären
Sie zufrieden?

Unser Ziel ist, wie schon vor der Runde, der Nichtabstieg.

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11.10.2017, 01:00 Uhr

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