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Die wilde Zeit

Die wilde Zeit

Autobiografisches Drama von Olivier Assayas vor dem Hintergrund der Jugendrevolte im Paris der frühen siebziger Jahre.

Jetzt im Kino: Pariser Gymnasiasten proben den Aufstand - "Die wilde Zeit"

Jetzt im Kino: Pariser Gymnasiasten proben den Aufstand - "Die wilde Zeit" --

01:35 min

Après mai
Frankreich

Regie: Olivier Assayas
Mit: Clément Métayer, Lola Créton, Felix Armand

- ab 12 Jahren

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21.05.2013
  • von Verleihinfo

Vielleicht wäre "Die Verspäteten" der bessere deutsche Titel für den Film, der im Original "Après mai" heißt. Es geht um jene Alterskohorte, die im Mai 1968, als in Frankreich der politische Umsturz möglich schien, zu jung zum Mitmarschieren war - die aber doch auch ein Stück vom Kuchen der Revolution abhaben wollte.

So stürzt sich der Oberschüler Gilles (Clément Métayer), das Alter Ego von Regisseur Olivier Assayas ("Carlos - Der Schakal"), tapfer in Straßenschlachten mit der Polizei, verteilt Flugblätter und verziert mit seinen Freunden nachts die Wände der Schule mit aufrührerischen Parolen. Allerdings schreiben wir das Jahr 1971. Links zu sein ist für einen Jugendlichen immer noch en vogue, doch die Massenbewegung ist binnen drei Jahren zu einer zwar hyperaktiven, aber längst im eigenen Saft schmorenden Subkultur geschrumpft. Die weitere Zersplitterung in K-Dogmatiker Bombenleger, Situationisten, Spiritualisten und Dauerkiffer wirft bereits ihre Schatten; andere sind schon wieder auf dem Sprung in Richtung bürgerliche Karriere.

In diesem politischen Wirrwarr sucht der 17-jährige Gilles einen Platz im Leben. Anfangs 100-prozentig auf Revolte gepolt, lehrt ihn die Lektüre eines Buchs über die Auswüchse der chinesischen Kulturrevolution, dass nicht alles, was sich links nennt, auch gut ist. So konzentriert sich der Teenager mehr und mehr auf sein Talent als Maler - was die Hardcore-Revoluzzer unter seinen Freunden als Flucht in die Innerlichkeit brandmarken. Natürlich nehmen, wie es sich für einen Film übers Erwachsenwerden gehört, auch die amourösen Wirrungen breiten Raum ein - wobei zwischen Politischem und Sexuellem oft schwer zu trennen ist.

Entlang Gilles' Reifungsprozess vergegenwärtigt Assayas die Debatten und Kontroversen seiner wilden Jugendzeit: Was genau ist revolutionäre Kunst? Sind Jungs aus gutbürgerlichem Haus überhaupt zur Revolution fähig? Und warum macht im Agit-Kollektiv immer die Frau den Abwasch? Flankiert von einem mitreißenden Sixties-Soundtrack, der ohne jeden Gassenhauer auskommt, verknüpft der Regisseur private und politische Erinnerungen zu einem lebendigen Zeitbild, in dem Nostalgie und kritische Reflexion perfekt harmonieren.

Auch für die Verspäteten: es war eine großartige Zeit, um jung zu sein.

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21.05.2013, 12:00 Uhr | geändert: 27.06.2013, 12:00 Uhr

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