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Diesel-Skandal: Fiat 500x fällt im Test der DUH durch
Ein Fiat 500x steht auf dem Rollenprüfstand. Tests im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe ergaben hohe Stickoxid-Emissionen bei warmem Motor. Foto: Göcke/DUH
Deutsche Umwelthilfe setzt Abgasuntersuchungen trotz Drohungen der Autokonzerne fort

Diesel-Skandal: Fiat 500x fällt im Test der DUH durch

Die Behörden halten sich meist bedeckt, Autokonzerne drohen der Deutschen Umwelthilfe. Sie setzt dennoch ihre Abgastests fort. Nach Autos von Opel, Renault, Mercedes reißt ein Fiat die Euro-6-Norm für Stickoxide.

11.02.2016
  • von MARTIN HOFMANN

Zum Schweigen bringen wollen die Autokonzerne Jürgen Resch. Daimler und BMW haben dem Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) über ihre Anwälte mitteilen lassen, seinen Umweltverband und ihn persönlich zu verklagen, wenn er behaupte, die Unternehmen würden unzulässige Abschalteinrichtungen in ihren Fahrzeugen verbauen. Daimler setzt noch eins drauf: Resch darf unter Strafandrohung weder den Namen des Anwalts nennen noch dessen Drohbrief veröffentlichen. "Dabei sind wir als Verbraucherschutzverband gehalten, unsere Rechtsstreitigkeiten öffentlich zu dokumentieren", sagt Resch. Er scheut diesen Konflikt nicht, will solche Auseinandersetzungen aber auch nicht unnötig provozieren und seinen Verein und sich in den Ruin treiben.

Zum vierten Mal hat die DUH jetzt ein Auto testen lassen, bei der Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule. Ergebnis: Ein Fiat 500x 2,0 Diesel überschritt die Euro-6-Norm auf dem Rollenprüfstand bei betriebswarmem Motor um das 11-fache, selbst beim Typzulassungstest. Statt der geforderten 80 Milligramm pro Kilometer kamen bei realen Fahrzyklen bis zu 1777 Milligramm Stickoxide (NOx) aus dem Auspuff. Nur bei kaltem Motor erreichte der Pkw mit 133 und 105 Milligramm die Nähe des Grenzwerts. Zuvor musste er aber Abschnitte des gängigen Prüfzyklus absolviert haben - konditioniert sein, sagen Fachleute dazu.

Zuvor rissen ein Renault Espace 1,6 Diesel und ein Opel Zafira, 1,6 Diesel die Euro-6-Grenzwerte nur dann nicht, wenn sie zuvor konditioniert und die Motoren kalt waren. Auch ein Mercedes 200 CDi, Baujahr 2011, stieß auf dem Prüfstand bei warmem Motor mehr als das Doppelte der Euro-5-Norm aus. Ähnliches gilt für einen BMW 320d, Baujahr 2009. Auch er bläst bei Straßenfahrt nach europäischem Prüfzyklus statt 180 Milligramm NOx pro Kilometer 500 die Luft.

Aber nicht nur die DUH testet die Autos. Das holländische Prüfinstitut TNO hat im Auftrag des niederländischen Umweltministeriums zuletzt sechs Diesel-Autos, ausgestattet mit moderner Abgasrückführungs- und Stickoxidminderungs-technik (zwei Opel Zafira, ein Peugeot 308, ein Audi Q7, ein BMW 530d und ein C-Klasse-Mercedes) untersucht. Die Abgaswerte reichten von 150 bis 850 Milligramm NOx pro Kilometer. Nur der BMW erfüllte die Vorschriften. Auffällig: Der Mercedes 220 CDi lieferte sehr schlechte Werte. Im Stadtverkehr überschritt er die Norm um mehr als das Zehnfache, in der Spitze wurden 2250 Milligramm gemessen.

Daimler erklärte dazu, dass für mobile Testgeräten die Rahmenbedingungen noch nicht definiert seien. TNO habe das Fahrzeug bei niedrigen Außentemperaturen geprüft. Entscheidend sei, solche Daten zu berücksichtigen, um den "sicheren Bauteilschutz am Motor über die gesamte Laufzeit zu gewährleisten." Daimler bleibt dabei, keine Änderung vorzunehmen, "die die Wirksamkeit der Abgasnachbehandlung unzulässig einschränkt".

Resch sagt, Daimler habe firmenintern eingeräumt: "Es finden Anpassungen an die jeweiligen Betriebsbedingungen statt, die den Wirkungsgrad beeinflussen." Der Konzern gebe zu, eine Einrichtung zu verwenden, die auf das Abgassystem wirke. Resch: "Es geht darum, ob sie erlaubt oder verboten ist."

Daimler beruft sich auf Ausnahmen in der EU-Verordnung von 2007. Da der TNO-Abgastest bei sieben bis zehn Grad Celsius Außentemperatur erfolgt sei, gehe es um "normale Betriebsbedingungen", kontert die DUH. Da müsse das Abgassystem laut Gesetz zuverlässig funktionieren. Den Streit werden wohl Gerichte entscheiden.

Autos testen ließ auch das Bundesverkehrsministerium. Nach Bekanntwerden des VW-Skandals hatte dies Alexander Dobrindt (CSU) angekündigt. Ergebnisse liegen der Öffentlichkeit aber noch nicht vor. Die Tests seien nicht abgeschlossen, so ein Sprecher. Dass Daimler-Chef Dieter Zetsche jetzt betonte, Unregelmäßigkeiten seien keine festgestellt worden, scheint Insidern ein vorschnelles Urteil. "Inkohärenzen" bei zwei Daimler-Autos - einem 350-E-Diesel (Euro 6) und einem A 180 Diesel (Euro 5) - hat eine Prüfkommission der französischen Umweltministerin Ségolène Royal ausgemacht. Nach Insider-Informationen konnten sich Daimler-Vertreter Abweichungen von der Norm in einem ersten Gespräch nicht erklären. Sie wollen selber Tests vornehmen. Daimler sei kooperativ.

Resch zieht ein Zwischenfazit: "Mit dem Fiat 500x mutiert der VW-Skandal endgültig zum Diesel-Skandal nicht nur deutscher Hersteller."

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11.02.2016, 08:30 Uhr

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