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Drei Bewerber um den Horber OB-Stuhl:
Die heiße Phase des Wahlkampfs kann beginnen
Reizvolle Silhouette, nicht nur für Amtsinhaber Peter Rosenberger: Zukunftsvisionen für Horb und seine Teilorte haben auch die beiden weiteren Bewerber Thomas Bauer und Hermann Walz, die bei der Wahl am 16. Juli gegen Rosenberger antreten wollen. In den kommenden vier Wochen wird sich im Wahlkampf zeigen, wer am höchsten in der Gunst der Wähler in der Stadt steht. Bild: Kuball
OB-Wahl

Drei Bewerber um den Horber OB-Stuhl: Die heiße Phase des Wahlkampfs kann beginnen

Gestern endete die Bewerbungsfrist für die Horber Oberbürgermeisterwahlen am 16. Juli. Amtsinhaber Peter Rosenberger hat in Thomas Bauer und Hermann Walz zwei Gegenkandidaten. Die SÜDWEST PRESSE gibt einen Überblick.

20.06.2017
  • Dagmar Stepper

Gestern um 18 Uhr öffnete Hans Klink, der Produktverantwortliche für die Wahlen bei der Stadtverwaltung, den Briefkasten am Rathaus. Denn bis 18 Uhr hatten Kandidaten die Möglichkeit, sich für den Horber Rathaussessel zu bewerben. Seit gestern ist es nun also amtlich: Neben Thomas Bauer fordert auch UHL-Stadtrat Hermann Walz Amtsinhaber Peter Rosenberger heraus. Nun sind also drei Kandidaten im Rennen. Was zeichnet die drei Männer aus? Was planen sie in den verbleibenden vier Wochen? Die SÜDWEST PRESSE hat nachgefragt.

Peter Rosenberger

Der Amtsinhaber (45) hat zwei Wochen „Bürgertreffs“ hinter sich. In acht Tagen hat er 17 Termine wahrgenommen, war in allen Stadtteilen und in der Kernstadt. Das Bild ähnelte sich jedes Mal: Stehtisch im Freien, Blumengebinde, hochgewachsener Peter Rosenberger. „Sind Sie einverstanden mit dem Kurs, den wir eingeschlagen haben?“, wollte er von den Bürgern wissen.

Sein Fazit nach den Vor-Ort-Gesprächen: „Es hat sich gelohnt, mal wieder persönlich präsent zu sein.“ Auch wenn die Treffs eher in kleiner Runde stattfanden. Was Rosenberger mitgenommen hat: Die Leute treiben die kleinen Probleme fast genauso um wie die großen. Kaputte Straßenlampen und klapprige Schachtdeckel werden fast in einem Atemzug genannt wie die Verkehrsanbindung oder dem Schwerlastverkehr in den Ortschaften. „Die Bürger wollen Information“, sagt Rosenberger. Da wollte dann mal einer wissen, wie es mit dem G8 oder G9 am Gymnasium weitergeht. Oder ob das Einkaufszentrum seinen grauen Betonmantel behält oder noch Farbe bekommt.

Drei Bewerber um den Horber OB-Stuhl:
Die heiße Phase des Wahlkampfs kann beginnen
Peter Rosenberger Bild: Kuball
Bei seinen Gesprächen hat Rosenberger immer auch seinen Wahl-Flyer „Wir kommen voran“ verteilt. Darin findet sich eine Postkarte, mit Hilfe derer die Bürger Rosenberger schriftlich ihre Meinung sagen können. „Wie bewerten Sie die Entwicklung in der Stadt?“, lautet Rosenbergers zentrale Frage. Über 100 Rückmeldungen hat er bisher bekommen. Die große Mehrheit sei mit seinem Kurs zufrieden. Klar, es gebe Vorwürfe, dass die Abschaffung der unechten Teilortswahl ein Fehler gewesen sei. Oder dass es zu wenig Parkplätze in Horb gebe. Doch die Vorschläge überwogen bei weitem: Die Kinderbetreuung sollte ausgebaut, das Radwegenetz verbessert, das altersgerechte Wohnen vorangetrieben werden. Meist sei aber der Tenor: „Weiter so!“

Die persönlichen Rückantworten geht Rosenberger gerade noch durch. Die Anregungen fließen in sein Wahlprogramm ein. „Ich mache einen richtigen Wahlkampf, wie es sich gehört“, betont er. Welche Schwerpunkte er in den noch verbleibenden vier Wochen Wahlkampf setzen wird, darüber will er nicht zu viel verraten. Die Mitbewerber würden nämlich aufmerksam lauschen. Daher skizziert er grob die Themen: „Älter werden in der Stadt“, ist eines davon. „Wir haben in der Vergangenheit die Familien im Fokus gehabt. Viele ältere Menschen haben nun Angst, am öffentlichen Leben nicht mehr teilzuhaben“, sagt er. Daher müssen der ÖPNV und die ärztliche Versorgung auf den Prüfstand. Rosenberger denkt daran, die Stelle eines Seniorenbeauftragten bei der Stadt zu schaffen.

Das Radwegenetz ist ein weiteres Thema. Radfahren sei nicht nur Naherholung, sondern auch ein Verkehrsmittel. „Wie können wir die Horber dazu bewegen, das Auto stehen zu lassen?“, fragt der OB. Die Antwort: „Wir brauchen ein festes Budget im sechsstelligen Bereich.“ Rad-Leasing könnte sich als Modell für Horber Unternehmen entwickeln. „Kleine Bewegungen können einiges auslösen“, meint er.

Und die Stadtentwicklung: „Wir müssen die Stadt besser vermarkten“, betont Rosenberger. Autobahnanbindung, IC-Haltepunkt, gute Versorgung bei Kitas und Schulen, bezahlbares Bauland. Rosenberger zählt die Punkte auf. Sich nicht verstecken und schon gar nicht schlechtreden: So könne man Horb und seine Stadtteile weiterbringen.

Neben der öffentlichen Kandidatenvorstellung am 4. Juli – auf die sich Rosenberger sehr freut – macht er weitere Solo-Auftritte. Vier bis fünf bezirksübergreifende Abende sind eingeplant. Auch wenn der Terminkalender voll ist. „Es ist ein weiteres Angebot: ‚Was treibt euch an?‘“

Wie fühlt es sich an, plötzlich zwei Gegenkandidaten im Rücken zu haben? Peter Rosenberger mag dazu nicht viel sagen. „Von dem Amt eines Oberbürgermeisters haben viele eine falsche Vorstellung. So eine Art Grüßeonkel“, sagt er. Das Repräsentative sei aber nur die eine Sache. Die andere, tagsüber eine Verwaltung mit 400 Mitarbeitern zu führen. Dazu gehöre auch Kompetenz: „Man muss nicht überall der Fachmann sein, aber man muss wissen, worüber man sich unterhält“, sagt er knapp.

Thomas Bauer

Sein Konterfei klebt seit gestern in Horb und seinen Teilorten. Darauf blickt Thomas Bauer (55) versonnen in die Ferne. Im Hintergrund ist die Horber Stadtsilhouette zu erkennen. „Mit Hand, Herz und Verstand die Heimat formen“ lautet Bauers Slogan. Die Plakate hat er selbst aufgehängt. „Ich habe keinen Wahlkampfmanager“, sagt er mit einem kleinen Seitenhieb in Richtung Rosenberger. Bauer ist sein eigener Wahlkampf-Chef, seine Strategien entwickelt er am liebsten an seinem Computer auf der häuslichen Terrasse in der Weingasse. Seine Entscheidung zur Kandidatur fiel in die Zeit, als die OB-Wahl zum Alleinritt für Rosenberger aussah.

Nun wird es also ernst. Bauer will mit seinen Horber Erfahrungen punkten. „Ich bin einer von hier“, sagt er. Als er Stimmen für seine OB-Kandidatur sammelte, habe er viel Zuspruch bekommen, erzählt er. Daher rechnet er sich durchaus auch Chancen aus.

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Die heiße Phase des Wahlkampfs kann beginnen
Thomas Bauer Bild: Kuball
Die gestrige Plakataktion war Bauers Auftakt für den Wahlkampf. In den Pfingstferien hielt er sich noch zurück, jetzt will er in den kommenden vier Wochen Flagge zeigen. Wie Rosenberger plant er Besuche in den Stadtteilen, die er „Flecken-Tage“ nennt. „Ich will zwanglos in die Ortschaften gehen und mit den Leuten reden“, sagt er. Horb kann nicht ohne seine Teilorte und diese können nicht ohne die Kernstadt – das ist sein Credo. Jeder Ort sollte zwei bis drei Besonderheiten, Alleinstellungsmerkmale bekommen. „Es kann ein Markt sein, ein Freizeitangebot, ein Arzt oder auch ein Freibad.“ Bauer steckt sich von seiner eigenen Begeisterung an: „Genau, wir brauchen ein Freibad. Wenn die Jungs im Freibad sind, machen sie schon keinen Blödsinn.“

Kindererziehung will er zu einem Schwerpunkt seines Wahlkampfes machens. Dabei geht es auch um verlorengegangene Werte und dass mit wenig viel erreicht werden kann. Bauer kann sich so beispielsweise ein Gärtle im Kindergarten vorstellen, in dem die Kleinen selber Kartoffeln anpflanzen, aus denen sie später Pommes Frites machen.

Doch was ihn gerade am meisten umtreibt, ist die Sache mit der Mobilität. Da lässt er sich nicht mehr stoppen, denn sie hat viele Facetten. Eine davon sind die Radwege. Es höre sich zwar simpel an, doch für Bauer kann ein Ausbau des Radwegnetzes einen Domino-Effekt bewirken, von dem Horb mehrfach profitiert. Der Tourismus gewinnt an Auftrieb, die Gaststätten florieren, es könnten sich in den Teilorten kleine Pensionen entwickeln. „Ich will ja nicht sagen, Horb wird zum Rad-Mekka von Deutschland, aber zu einem Fahrrad-Zentrum in der Region.“

Zu diesem Komplex gehört auch der ÖPNV: Bauer will hier neue Wege betreten. Ihm schweben kleine Bürgerbusse vor, die per Smartphone geordert werden können. „Mit der neuen Technik kann man das alles viel besser organisieren.“ Oder dass Bürger eine Whatsapp verschicken, wenn sie nach Horb fahren und eine Mitfahrgelegenheit anbieten. „Familien könnten sich so ein zweites Auto auf dem Land sparen und Horb kommt der klimaneutralen Kommune ein Stück näher.“

Seine Ideen und Visionen will Bauer in Form bringen und in einem Flyer präsentieren. Auf die Kandidatenvorstellung am 4. Juli freut er sich genauso wie Rosenberger. Aber Bauer hat vor, der Verwaltung ein wenig ans Schienbein zu treten: „Jahrelang wurde nichts getan. Mit mir wäre die Chance dazu.“

Hermann Walz

Hermann Walz (54) hat gestern am letzmöglichen Tag seine Kandidatur abgegeben. Das ist aber das Einzige, worüber er am Montag sprechen wollte. „Ich sage erst dann was, wenn die Wahlkommission meine Bewerbung offiziell zulässt.“ Die Kommission gibt am Mittwoch bekannt, wer ins Rennen für die Wahl am 16. Juli geht.

Drei Bewerber um den Horber OB-Stuhl:
Die heiße Phase des Wahlkampfs kann beginnen
Hermann Walz Privatbild
Seinen Wahlkampf startet er vorher auch nicht. „Das wäre ja Blödsinn. Erst muss die Bürokratie erledigt sein“, sagt der ULH-Stadtrat.

Satire-Kandidat

Aus dem Rennen ist dafür Heinz-Jürgen Sprenger, der für die Satirepartei „Die Partei“ eine Kandidatur erwogen hat. Er verzichtet freiwillig. Gestern schickten Sprenger und Michael Grüber eine gemeinsame Pressemitteilung mit folgendem Inhalt heraus:

„Aufgrund der Tatsache, dass es im Vorfeld bis zur Stellenausschreibung Ende April keinen Gegenkandidaten zu Herrn Rosenberger gab, haben wir den Namen Heinz-Jürgen Sprenger ins Spiel gebracht.

Offenbar hatte sich Herr Rosenberger darauf eingestellt, ohne großes Engagement einfach durchgewunken zu werden. Das entspricht nicht einer guten politischen und demokratischen Kultur. Mit Mr. Trump-It wollten wir einen auffallenden und humorvollen Impuls setzen und etwas in Bewegung bringen.

Das ist gelungen! Mit Thomas Bauer gibt es inzwischen einen guten und ernsthaften Gegenkandidaten zu Herrn Rosenberger. Wir haben uns mit Herrn Bauer besprochen und werden die Bewerbung Heinz-Jürgen Sprenger nicht einreichen. Die uns wichtigen Themen für unsere Heimatstadt sehen wir bei Herrn Bauer in guten Händen.

Wir bitten um Verständnis für unseren ‚Satire Mr. Trump-It-Beitrag‘. Spätestens seit dem Parkdeck und dem neuen Kaufhaus ‚Neckararkaden‘ (weder rund, noch voll) kann man Herrn Rosenberger und das Horber Rathaus nicht mehr ernst nehmen.“

Peter Rosenberger

Alter: 45

Beruf: Dipolverwaltungswirt

Wohnort: Nordstetten

Parteizugehörigkeit: CDU

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Thomas Bauer

Alter: 55

Beruf: selbstständiger Qualitätsmanager

Wohnort: Horb

Parteizugehörigkeit: parteilos

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Hermann Walz

Alter: 54

Beruf: Paketzusteller

Wohnort: Talheim

Parteizugehörigkeit: parteilos

Familienstand: geschieden, drei Kinder

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20.06.2017, 01:00 Uhr

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