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Kriegseinpeitscher bis zuletzt

Gaddafi-Sohn droht die Todesstrafe

Seine Festnahme in Beduinenkleidern löste im November in ganz Libyen Jubelszenen aus. Mitte September wird dem Gadaffi-Sohn Saif al-Islam nun der Prozess gemacht werden. Ihm droht die Todesstrafe.

25.08.2012
  • MARTIN GEHLEN

Tripolis Seine Luxuswohnung in Tripolis hat Saif al-Islam mit einem Verlies im Gebirgsort Zintan, einer der frühen Hochburgen der Rebellen, getauscht. In der zweiten Septemberwoche soll dem 40-Jährigen nun in Libyen der Prozess gemacht werden, ein ähnlich brisantes Justizspektakel wie im Nachbarland Ägypten das Strafverfahren gegen Ex-Präsident Hosni Mubarak.

Mord, Vergewaltigung und Korruption wirft die Anklage dem zweitältesten Gaddafi-Sohn vor, der sich in den Jahren vor dem Volksaufstand stets als weltläufiger Reformer, Champion für die Anliegen der Jugend und möglicher politischer Erbe des Diktators aufgespielt hatte. Anfang der Woche lehnte die libysche Übergangsregierung auf Druck der mächtigen Milizenchefs in den Nafusabergen endgültig eine Auslieferung von Saif al-Islam an den Internationalen Gerichtshof (ICC) in Den Haag ab. Beim ICC besteht gegen ihn ein internationaler Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Unvergessen ist bis heute der Fernsehauftritt des Angeklagten zu Beginn des Volksaufstandes Ende Februar 2011, als er den Libyern in einer wütenden Tirade drohte. Er stehe als "Führer der Schlacht um Tripolis" hinter seinem Vater, tönte der Gaddafi-Sprössling, dessen Name übersetzt "Schwert des Islam" heißt. Man werde bis zur letzten Patrone kämpfen. Die damals noch friedlichen Demonstranten warnte er vor einem Blutbad, die Regimegegner diffamierte er als betrunkene und bekiffte Islamisten. Neun Monate Bürgerkrieg folgten, der mehr als 20 000 Menschen das Leben kostete. Und am Ende lynchten die Rebellen Diktator Muammar Gaddafi auf offener Straße.

Geboren wurde Saif al-Islam am 25. Juni 1972 in Tripolis. Er studierte Architektur an der Universität von al-Fatih und anschließend Wirtschaftswissenschaften an der privaten Handels- und Wirtschaftsuniversität Imadec in Wien. In dieser Zeit freundete er sich mit dem 2008 tödlich verunglückten Rechtspopulisten Jörg Haider an. Später promovierte er an der "London School of Economics" über die Kriterien für gute Regierungsarbeit, eine Studie, bei der wissenschaftliche Ghostwriter offenbar kräftig mithalfen.

Bis zu seiner Flucht aus Tripolis im August vor einem Jahr residierte der stets modisch gekleidete Hobbymaler in einem großen Anwesen am Rande der Hauptstadt. Seine Ausstellung "Die Wüste schweigt nicht" mit rund 30 Ölbildern war 2002 in Paris und Berlin zu sehen, später auch in Madrid. Wie Wikileaks enthüllte, lenkte auch er - wie alle seine acht Geschwister - einen Teil der Milliarden-Erlöse der "National Oil Company" in die eigene Tasche. Im Kampf gegen die Aufständischen agierte er bis zum letzten Tag als Einpeitscher und Mitorganisator beim Einsatz der Elitetruppen des Regimes.

Und so haben viele tausend Familien noch Rechnungen offen mit Saif al-Islam, dessen Anwälte befürchten, ihr Mandant werde keinen fairen Prozess bekommen. Human Rights Watch kritisierte die Haftbedingungen. Im Juni wurden bei einem Besuch sogar vier Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofes für einen Monat festgehalten. Die von Den Haag bestellte australische Pflichtverteidigerin soll beim Treffen mit Saif al-Islam einen Kugelschreiber mit integrierter Kamera sowie einen Kassiber von dessen einstigem Vertrauten Mohammed Ismail bei sich gehabt haben.

Auch ist weiterhin ungeklärt, wo und in welchem Rahmen das Gericht im September tagen soll - unter der Aufsicht der nationalen Übergangsregierung in Tripolis oder unter der Regie der Milizen in Zintan. Mehrmals und vergeblich hatte Saif al-Islam ein Verfahren vor dem ICC in den Niederlanden gefordert. Dort droht ihm höchstens lebenslänglich, in seiner Heimat dagegen die Todesstrafe.

Gaddafi-Sohn droht die Todesstrafe
Glaubte im August 2011 noch an einen Sieg des Gaddafi-Regimes: Saif al-Islam. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Foto: afp

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25.08.2012, 12:00 Uhr

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