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Anpfiff

Gut fürs Image, nicht fürs Konto

20.02.2016
  • MORITZ HAGEMANN

Etwas mehr als fünf Jahre ist es jetzt her. Da reisten die Volleyballer des TV Rottenburg bis 70 Kilometer südlich des Polarkreises: nach Novy Urengoy, tiefstes Sibirien. 5454 Kilometer Flug für ein einziges Spiel, einfache Strecke. Es war damals das Achtelfinal-Hinspiel im Challenge Cup. Und es kostete den TVR mit allem drum und dran gut 20 000 Euro. „Das reißt sicher ein Loch in unseren Etat“, sagte Philipp Vollmer, Mediendirektor des TVR, dem TAGBLATT damals. Es war die erste und blieb die einzige Rottenburger Europapokal-Teilnahme. Sie endete mit zwei 0:3-Niederlagen gegen die Russen.

„Für uns ist das ein Abenteuer“, sagt jetzt auch Joachim Zühlke, der Pressesprecher der Metzinger „TusSies“. Die absolvieren in diesen Tagen ihr europäisches Viertelfinale im EHF-Cup gegen den HC Leipzig – und sind erstmals in Europa dabei. Dieser Gegner, so Zühlke, sei finanziell mit die beste Lösung gewesen. Die Regularien im Handball besagen, dass immer das Heimteam die kompletten Kosten für den Aufenthalt der Gäste tragen muss. Nur für die An- und Abfahrt ist der Gegner selbst verantwortlich. Auch Schiedsrichter und Offizielle kosten Geld – und kommen aus ganz Europa. Gestern Abend leiteten zwei Rumäninnen die Partie. „Wir versuchen das mit Partnern aufzufangen“, sagt Zühlke. Immerhin die Eintrittsgelder aus dem Heimspiel gestern Abend dürfen die „TusSies“ für sich behalten. Aber: Hätte das Los eine weitere Reise ergeben, sagt Zühlke, könne es schon sein, dass unter dem Strich auch eine rote Zahl stehe.

Das erste EHF-Cup-Spiel gegen Naisa Nis (Serbien) konnte noch in der Metzinger Öschhalle ausgetragen werden. Dann kam der Verband und fand diverse Abstände zu klein: von der ersten Reihe oder dem Schiedsgericht zum Spielfeld. Der Umzug in die Tübinger Paul-Horn-Arena ist ein erzwungener. „Und die Fixkosten dort sind für uns höher“, sagt Zühlke. In der kommenden Saison soll es auch im EHF-Cup eine Gruppenphase geben. Die europäische Zusatzbelastung sei dann etwa doppelt so hoch wie in dieser Saison. „Da sollte man dann einen 20er-Kader haben“, sagt Zühlke, „und zwar ohne großen Qualitätsabfall.“ Das muss finanziert werden. Aktuell wäre Metzingen auch in der kommenden Saison für Europa qualifiziert. Zühlke: „Das ist unser Ziel!“

Die Basketballer der Walter Tigers Tübingen hätten ebenfalls schon europäisch spielen können – lehnten die Wildcard für die mittlerweile abgeschaffte EuroChallenge aber ab. „Für den Verein und die Spieler wäre das mal eine tolle Sache“, sagt Tigers-Pressesprecher Tobias Fischer: „Aber momentan ist das aus verschiedenen Gründen nicht denkbar.“ Der Kader wäre zu klein, die Belastung zu hoch und vor allem die Kasse zu knapp. Fischer rechnet mit 200 000 bis 300 000 Euro Mehrkosten bei einer Europapokal-Teilname – undenkbar für Tübingen. Auch die Paul-Horn-Arena komme an ihre Grenzen. Für Spiele unter der Woche müsste ein Parkett verlegt werden, der Schulsport würde leiden. Außerdem, so Fischer, seien die europäischen Gegner meist zu unattraktiv und würden die Halle nicht füllen. Und: „Da stehst du im November mittwochs in Finnland und sollst am Samstag gegen Göttingen wieder frische Beine haben“, sagt Fischer. Die Bundesliga sei das Kerngeschäft, darauf habe die Konzentration zu liegen.

Im Gegensatz zum Fußball – da kassieren die Europapokal-Teilnehmer dicke Prämien – gibt’s im Handball, Basketball oder Volleyball kein Geld vom Verband. Sämtliche Kosten müssen sich selbst tragen. Der Europacup habe dennoch Reize: „Der Imagegewinn ist groß“, sagte TVR-Mediendirektor Vollmer schon 2011. Zühlke ergänzt jetzt, „dass das für unsere Partner eine sehr interessante Sache ist“ – nämlich eine Bühne. Eine, die auch für den TV Rottenburg ein zweites Mal interessant werden könnte? „Mittelfristig ist das schon ein Ziel von uns“, sagt Vollmer, der beim TVR zur neuen Saison zum Geschäftsführer aufsteigt. Auch in Verhandlungen mit Sponsoren sei eine Europapokal-Prämie ab und zu ein Thema. Doch Vollmer weiß: „In unserer aktuellen Saison wäre eine Teilnahme am Europapokal nur sehr schwer zu realisieren.“ Auch der TVR konzentriert sich auf sein Kerngeschäft: Bundesliga.

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20.02.2016, 00:01 Uhr

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