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Subway verliert an Boden

Immer mehr Franchise-Nehmer steigen bei der Sandwich-Kette aus

Hohe Gebühren, strenge Auflagen, fallende Umsätze - Unmut macht sich breit unter einigen Betreibern der rund 600 deutschen Subway-Filialen. Jetzt wehren sich viele - und steigen aus dem System aus.

26.03.2011
  • von MANUEL BOGNER DANA HOFFMANN

Ulm Gerade noch gab es Grund zum Feiern in der Subway-Zentrale in Conneticut: Die US-Sandwich-Kette hat weltweit knapp 200 Filialen mehr als der bisherige Fastfood-Marktführer McDonalds. Doch in Deutschland hinkt Subway dem Burger-Konzern hinterher: McDonalds hat 1390 Filialen, Subway nur noch 660 - das sind nicht einmal halb so viele, wie es laut Plan sein sollten. Und es werden ständig weniger.

Alleine seit Ende 2010 sind 50 ehemalige Franchise-Nehmer ausgestiegen und haben sich zu einer Einkaufsgenossenschaft zusammengetan. Sie wollen jetzt ihr eigenes Ding machen - "Mr. Sub". "Es ist einfach zu wenig vom Umsatz hängen geblieben", sagt Mitinitiator Frieder Dreher.

Am alten Konzept hat sich jedoch rein äußerlich nichts geändert: Das "Mr.Sub"-Schild ist ebenfalls gelb-grün, die Sandwiches heißen anders, sehen aber genauso aus wie zu Subway-Zeiten. Aber Dreher sagt: "Wir wollen uns bewusst abheben und es anders und besser machen." Besser heißt für ihn und die anderen Aussteiger vor allem: profitabler. Der Laden habe sich nicht mehr gerechnet, die Umsätze seien zurück gegangen. Dreher spricht von "Fehlern vom Management".

In einer schriftlichen Stellungsnahme warnt Subway Dreher und seine Mitstreiter: "Als No-Name ein Original nachzuahmen, birgt ein hohes wirtschaftliches Risiko." Nach Schätzungen von Branchenexperten scheiterten rund 90 Prozent der Abspaltungen an dem Vorhaben, ein etabliertes Franchise-System mit einer Kopie zu verbessern. Dreher ist einer von wenigen ehemaligen Franchise-Nehmern, der seinen Namen nennt. Andere Sandwich-Wirte aus dem Südwesten wollen lieber anonym bleiben, beklagen aber dieselben Zustände wie er: minderwertige Zutaten, mangelnde Transparenz, zu wenig Werbung, zu hohe Gebühren. Subway kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Dreher und Co. sind nicht die einzigen, die sich mit altem Konzept und neuem Namen im Fastfood-Geschäft etablieren wollen: In Karlsruhe und Stuttgart gibt es belegte Brote bei "FreshSub", in Kaiserslautern heißen die Stullen-Schmieden "New York Deli Sub", in Erfurt steht "Starsub" über dem Eingang.

"In gewissen Fällen sieht sich Subway gezwungen, Schritte gegen diese Plagiate zu unternehmen, um das Schutzbedürfnis der Marke und der Partner zu wahren", schreibt Subway. Die Klagen hätten aber kaum Chancen, meint der auf Franchiserecht spezialisierte Anwalt Christian Prasse. Prasse vertritt bundesweit 140 Mandanten. "Pro Woche erhalte ich fünf bis zehn Anrufe, es geht bergab mit Subway." Das Konzept sei nicht auf den deutschen Markt abgestimmt. Mieten, Mehrwertsteuer und Lohnnebenkosten seien höher als in anderen Ländern, in denen Subway erfolgreich ist.

Die abtrünnigen Lizenznehmer hinterlassen eine Lücke. In einem internen Schreiben der Spedition, die mit der Belieferung aller Geschäfte beauftragt ist, heißt es: "Bedingt durch Store Schließungen (...) und niedrige Abnahmemengen(...) werden von uns (...) 4 Millionen Kilo weniger als vereinbart ausgeliefert. Eine Preiserhöhung lässt sich daher leider nicht mehr vermeiden. (...) Um eine stärkere Erhöhung zu vermeiden wird zusätzliches Volumen benötigt."

Die Wirte müssen Waren abnehmen, obwohl klar ist, dass Vieles im Müll landet: Es müssen immer alle Produkte vorrätig sein. Selbst Läden in kleinen Orten müssen um neun Uhr morgens öffnen, 98 Stunden an sieben Tagen müssen zusammen kommen. Nur an drei Tagen im Jahr darf die Tür zu bleiben.

Immer mehr Franchise-Nehmer steigen bei der Sandwich-Kette aus
Der Kerngedanke des Franchise: In jedem Subway-Geschäft der Welt gibt es das gleiche Angebot. Foto: Subway

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26.03.2011, 12:00 Uhr

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