Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Das Gasthaus Lamm rockt

In der Gutermannstraße 5 zog das Label „Liquid Tree Records“ ein

Still und heimlich hat sich Anfang vergangenen Jahres Miguel Johnson in die Gutermannstraße im ehemaligen Gasthaus Lamm eingemietet. Der 46-Jährige gründete das Label für eine Band – die letzten Endes doch nicht bei ihm unterzeichnete. Nun hat er viele verschiedene Künstler aus aller Welt unter Vertrag.

27.02.2015
  • von Sara Vogt

Weitere Themen

Horb. In großen Lettern steht über dem Eingang „Liquid Tree Records“. Wenn man durch den Torbogen tritt, steht man mitten in Miguel Johnsons Reich. Auf der linken Seite steht eine Anlage, ein Verstärker und zwei Bassgitarren. An den Wänden hängen CDs. Hinter dem Tresen auf der rechten Seite steht Miguel Johnsen und grinst. Der 46-Jährige ist „halb Spanier und halb Schotte“. Vor neun Jahren zog er nach Horb.

„Meine Frau kommt aus Talheim, und sie wollte, dass unsere Kinder nicht in der Großstadt aufwachsen“, erzählt er. Zuvor hat er in Hamburg gewohnt. Dort hatte er eine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht, dann eine Broker-Ausbildung. Nebenher studierte er Wirtschaftswissenschaften. „Ich habe tagsüber gearbeitet und nachts studiert“, erinnert sich Johnson.

Zur Musik kam er über den Schwager seiner früheren Freundin. Der hatte in Israel ein Label, und Johnson half ihm bei der Künstlerbetreuung. „Wir promoteten elektronische Musik“, erzählt er. Über zehn Jahre arbeitete er mit dem Musiklabel IC/Digit Music zusammen. Es war damals eines der größten Elektronik-Labels. „Das war eine sehr interessante Zeit und es war auch alles einfacher als heute“, sagt er. „Das kleine Label in Israel war sehr gut vernetzt. Wir hatten dort die Ethnix unter Vertrag, das waren sozusagen die Fanta 4 von Israel.“

Als er sich von seiner damaligen Freundin getrennt hat, trennte er sich auch vom israelischen Label. „Ich hatte aber trotzdem immer mit Musik zu tun“, erzählt er. „So wie andere in die Kneipe gehen oder Modelleisenbahnen sammeln, habe ich mich immer um Künstler gekümmert.“

Das Label in Horb entstand eher aus Zufall. „Ich wollte ein Mikrofon kaufen“, erzählt er. Also rief er bei einer Firma im Saarland an, die professionell Audio-Equipment vermietet, um sich über Mikrofone zu erkundigen. Da habe er einen jungen Mann am Telefon gehabt, über den Johnson in einem längeren Gespräch herausfand, dass dieser junge Mann bei einer Metal-Band namens „Resistance of yield“ spielt und sie bei einem Label waren, das der Band nicht gefiel. „Wir haben uns angefreundet“, erzählt Johnson. Irgendwann wurde er dann von der Band gefragt, ob er sie nicht managen möchte. „Ich habe ihnen gesagt, das wird schwierig, denn Manager ist ein Fulltime-Job“, sagt er und lacht. „Ich schlug ihnen vor, dass ich wieder ein Label aufmache – und gesagt, getan – ich gründete „Liquid Tree Records.“ Die Band nahm der 46-Jährige aber nie unter Vertrag. „Sie wussten auf einmal nicht mehr, was sie wollten – aber dann hatte ich schon ein Label“, sagt er und lacht.

Dann kamen nach und nach immer mehr Demos aus der ganzen Welt bei ihm an. Die Künstler fanden ihn über die Homepage und weitere Internetportale. „Ich nehme kein Geld von den Künstlern“, sagt er. Das Equipment hatte er schon. In der Nähe von Karlsruhe ließ er sich zum Tontechniker ausbilden. Die Künstler geben ihm einen Anteil von den verkauften CDs. Dafür promotet er sie und mastert das Album. Ein Teil des Geldes aus den Verkäufen geht an einen Grafik-Designer, der das Booklet für die Künstler entwirft. Das Label betreibt Johnson nur nebenberuflich. Hauptberuflich arbeitet er bei einer IT-Firma in Nagold.

„Ich glaube an gute Musik, egal welche Musikrichtung. Für gute Musik gibt es immer ein Publikum. Der Trick ist nur, genau diese Leute zu erreichen“, sagt er. „Wenn dich niemand kennt, kauft auch deine Musik niemand.“ Was im Bereich Elektro begann, hat sich mittlerweile zu einem Rock-Label entwickelt. „Ich wollte nie ein Rock-Label haben. Aber tatsächlich sind 80 Prozent meiner Künstler aus der Rock- und Metall-Szene“, grinst Johnson. 2014 gewann er sogar mit dem Lied „Pool of Sorrow“ von der Band „Angelical Tears“ einen Award vom Verband Deutscher Musikschaffender in der Kategorie Metal. Stolz zeigt er die Urkunde an der Wand „Die Band kommt aus Oklahoma“, sagt er. „Die Sängerin hat einfach eine richtig tolle Stimme und singt auf Englisch und auf Russisch.“

Die Künstler, die bei ihm unter Vertrag sind, kommen aus aller Welt; unter anderem aus Amerika, Australien, Japan, Sibirien und der Slowakei. Nur mit den deutschen Bands scheint es nicht so richtig zu funktionieren. „Im Moment habe ich keine deutsche Band unter Vertrag“, sagt der 46-Jährige. „Ich warte immer darauf, dass mal jemand aus der Region ein Demo in meinen Briefkasten wirft.“

In der Gutermannstraße 5 zog das Label „Liquid Tree Records“ ein
Miguel Johnson hat schon 17 Alben unter seinem Label veröffentlich. Bild: sav

Das Album „Sing my Song“ von Nordlicht Yann erscheint im April dieses Jahres unter dem Horber Label „Liquid Tree Records“. Yann kommt aus Sibirien. Auch Antonio Vidarte, klassischer Komponist, Filmmusikmacher und DJ aus Los Angeles veröffentlicht unter dem Label sein zweites Melodic-Trance-Album „Desire.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.02.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Warum in die Ferne schweifen ... Wirtschaftsfaktor Tourismus Baden-Württemberg
Bildergalerien
Videos
Sie haben Fragen zu unserem neuen Bezahlsystem? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.
Single des Tages
date-click