Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Je suis Charlie

Je suis Charlie

Dokumentarische Rekonstruktion des Terroranschlags auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo.

Je suis Charlie

Frankreich 2015

Regie: Daniel Leconte, Emmanuel Leconte


90 Min. - ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating

Film bewerten

rating rating rating rating rating
12.11.2015
  • Klaus-Peter Eichele

Die noch blutigeren Pariser Terrorattacken vom Dezember haben die Erinnerung an den Islamisten-Angriff auf das Satiremagazin Charlie Hebdo elf Monate früher fast ein bisschen verblassen lassen. Daher kann man nur begrüßen, dass nun zum Jahrestag ein Dokumentarfilm in die Kinos kommt, der das traurige Ereignis wieder ins Gedächtnis ruft.

„Je suis Charlie“ rekonstruiert die Vorgeschichte und den Hergang des Massakers mit elf Toten sowie die Tage danach aus Sicht der überlebenden Opfer. In bestürzender Manier schildert etwa die Karikaturistin Coco, wie sie mit Kalaschnikow am Kopf den Terroristen die Tür zu den Redaktionsräumen aufschließen musste – und deswegen bis heute von Schuldgefühlen geplagt wird. Eindrücklich schildert der Film den unfassbaren Kraftakt der Traumatisierten, binnen weniger Tage eine neue Ausgabe von Charlie Hebdo zu Papier zu bringen – um zu beweisen, dass die Meinungsfreiheit stärker als der Terror ist.

Mit gemischten Gefühlen blicken die Protagonisten auf die Reaktionen der Gesellschaft nach der Attacke zurück. Zwar würdigen sie durchaus die Welle der Solidarität, die zwei Millionen Franzosen auf die Straße trieb – so viele, wie seit der Befreiung von der Nazi-Herrschaft nicht mehr. Allerdings gab es, nachdem die erste Empörung verflogen war, auch etliche Stimmen, die den ermordeten und überlebenden Journalisten eine Mitschuld unterstellt haben. Sie seien ihrerseits „säkulare Fundamentalisten“, und wer Mohammed-Karikaturen veröffentliche, müsse eben mit Konsequenzen rechnen.

Der Film endet mit Kurzporträts der Toten aus dem Mund ihrer Kollegen. Sie zeigen, dass nicht nur mutige Journalisten (mund-)tot gemacht, sondern auch liebenswerte Menschen aus dem Leben gerissen wurden.

Die Doku gibt zum Jahrestag des Angriffs auf Charlie Hebdo den Überlebenden das Wort.

Spielplan

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.11.2015, 11:22 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
10.01.2016

16:24 Uhr

Elli Emann schrieb:

Eine sehr erschütternde, aber auch zutiefst "menschliche" Dokumentation. Sie schildert das Geschehen aus der Sicht der Überlebenden in der Redaktion, die sich nicht einschüchtern lassen und zeichnet ein Bild der Getöteten nicht nur in ihrer Funktion als Karikaturisten, sondern auch als Mensch.
Die Doku beginnt mit einem Rückblick auf das Jahr 2007, als "Charlie Hebdo" Mohammed-Karikaturen veröffentlichte und dafür verklagt wurde. Das Magazin bekam vor einem franz. Gericht recht, machte sich aber damit viele Feinde. Es wird die grundsätzliche Frage aufgeworfen, was Satire darf.
Trotz starker Bedrohung hat die Redaktion weitergemacht. Eine franz. Schriftstellerin hat die Sorge, dass sich junge Journalisten zukünftig immer weniger etwas "trauen" aus (berechtigter) Angst um das eigene Leben. Der Originaltitel heisst "L'houmor à mort".