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Keine „Nur-Schlafstätte“ soll sein
Eine Postkarte des Weitinger Brauerei-Gasthofs „Adler“ aus den 1970er-Jahren mit Außenansicht, Blick in die gemütliche Gaststube und Ausblick auf die Weitinger Paradeansicht. Diese hat sich durch die Renovierung des Kirchturms und bauliche Veränderungen noch mehr zu ihrem Vorteil entwickelt. Repro: Nesch
Ortsentwicklung

Keine „Nur-Schlafstätte“ soll sein

Weitingen soll eine lebendige Mitte mit Wohnungen, Treffpunkt und Kulturstätte bekommen. Bei einem Bürgercafé zum „Adler-Areal“ formulierten Bürger ihre Wünsche.

14.07.2017
  • Dunja Bernhard

Die Zukunft aktiv gestalten. „Wer möchte das nicht?“, möchte man als Außenstehender fragen. Am Dienstagabend beim Bürgercafé im Weitinger Begegnungshaus waren es nicht viele. Gerade mal neun Einwohner – außer sieben Ortschaftsräten und Eigentümern – waren gekommen, um sich über die zukünftige Nutzung des „Adler-Areals“ Gedanken zu machen. Die ehemalige Brauerei-Gaststätte mit 34 Ar großem Grundstück im Herzen Weitingens steht zum Verkauf (die SÜDWEST PRESSE berichtete).

Damit alle Teilnehmer des Bürger-Cafés annähernd gleiche Voraussetzungen hatten, Ideen zu entwickeln, begann der Abend mit einer Begehung des Areals.

Anschließend beantworteten die Einwohner in zwei Gruppen Fragen, die Anne Hartmann und Julia Schütz von der Kommunalentwicklung Stuttgart mitgebracht hatten. Eine weitere Gruppe bildeten Ortschaftsräte und Eigentümer. Die Ergebnisse stellte am Ende der Veranstaltung jeweils ein Vertreter der Gruppen vor.

Treffpunkt zum Schwätzen

Die geografische Ortsmitte soll der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Weitingen sein, da waren sich alle Gruppen einig: ein Treffpunkt, „Latschare“, zum Ratschen und Schwätzen. Die Ortsmitte sollte auch ein Festplatz sein, der den Zusammenhalt der Vereine fördert und die Kultur
des Ortes widerspiegelt. Die Gasthäuser sollen möglichst erhalten bleiben.

Die Gruppe mit den Ortschaftsräten ging mit ihren Ideen noch weiter: Durch die Neugestaltung sollte die Ortsmitte aufgewertet werden. Denkmalgeschützte und neue Gebäude könnten harmonierend nebeneinanderstehen. Der Platz sollte wieder lebendiger werden und zugleich „hoamelich“ bleiben. „Als es noch keine Handys gab, traf man sich dort, um Neuigkeiten zu erfahren“, sagte Hermann Nesch. Der ehemalige „Adler“ solle jedoch nicht museal erhalten bleiben, sondern bewohnt werden.

Alle Gruppen sprachen sich dafür aus, dass eine Mischung von Wohnen, Gastronomie und Kultur das Beste für eine Belebung der Ortsmitte wäre. Als Vorschläge kamen barrierefreies Wohnen für mehrere Generationen, Büroräume, Werkstätten, Ateliers, Kleinkunstbühne und Erlebnisgastronomie.

Neue Bebauung sollte ortsgerecht sein und sich in das Areal integrieren. Sie sollte sich nicht vom Dorfplatz abgrenzen, sondern offen sein, forderte eine Gruppe.

Der „Adler“ steht für einige Weitinger als Sinnbild von Tradition und Dorfgeschichte und für Gemütlichkeit. Dort fanden lange Zeit gesellschaftliche Zusammenkünfte über Konfessions- und gesellschaftliche Grenzen hinweg statt.

Als identitätsstiftend sehen viele Weitinger das Rathaus, die Kirche und die schön gestaltete Fläche, die im Sommer „mediterranen Flair“ habe.

In Weitingen gebe es außerdem mit Bäcker, Gaststätte, Eiscafé und Pizzaservice eine Infrastruktur, „die nicht jedes Dorf hat“. Sie soll auf jeden Fall erhalten und möglichst noch ausgebaut werden.

Gemeinde hat Ideen

Bei der Frage, wer dieses Areal entwickeln sollte, waren sich die Teilnehmer ebenfalls einig: Die Gemeinde muss die Planungshoheit haben, forderten sie. Dabei lehnte keine Gruppe private Investoren ab. Ein Zwischenerwerb der Gemeinde könnte eine vorübergehende Lösung sein. Die Idealvorstellung und Wirtschaftlichkeit müsse bei der Planung zusammen gebracht werden. Die Projekte sollten zukunftsorientiert und langfristig erfolgversprechend sein. Der Ortschaftsrat sollte vor Entscheidungen Bürgerstimmen einfangen. Es könnte ein Arbeitskreis gebildet werden, so die Vorschläge zur Einflussnahme.

Auch der Vorschlag, einen Bürgerverein mit ähnlichen Zielen wie in Baisingen zu gründen, wurde gemacht. Der Baisinger Verein restaurierte mit viel Eigenarbeit die Schlossscheuer, die heute Veranstaltungssaal und Turnhalle ist.

Das Feedback am Ende des Abends war überaus positiv. „Tolle Atmosphäre“, „Vielfältige Ideen“. Einzig die geringe Beteiligung wurde bemängelt. Als offene Frage blieb, ob der Kauf des „Adler-Areals“ für die Gemeinde ein Thema ist. Bürgermeister Armin Jöchle sprach schon vor der Ideenvorstellung davon, dass er „schon wüsste, was man mit dem Areal machen könnte“. Auch einer Zwischenfinanzierung durch die Gemeinde schien er nicht abgeneigt. Auch wenn das letztendlich eine Entscheidung von
Ortschaftsrat und Gemeinderat sei. Fragen nach möglicher Förderung aus dem Landessanierungsprogramm oder von der Denkmalschutzbehörde konnten am Dienstag nicht beantwortet
werden.

Das Bürgercafé sei ein erster Schritt gewesen, sagte Jöchle. Die Mitarbeiterin der Kommunalentwicklung arbeite die Vorschläge nun auf. Vor dem Bürgercafé fand eine gebündelte Ideenentwicklung bisher nur nichtöffentlich in Ortschaftsrat und Gemeinderat statt.

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14.07.2017, 01:00 Uhr

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