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Kommt nie mehr ein Kinderarzt nach Sulz?
Kinderarzt Rolf Heppler und Helferin Janet Friedrich haben die Praxis Am Brunnenbach Mitte Dezember 2016 geschlossen – für immer? Archivbild: Priotto
Gesundheit

Kommt nie mehr ein Kinderarzt nach Sulz?

Die Kassenärztliche Vereinigung hat den Landkreis Rottweil gesperrt, weil der Versorgungsgrad mit sieben Medizinern ausreiche. Die Sulzer Praxis steht seit Dezember leer.

15.11.2017
  • Cristina Priotto

Der 12. Dezember 2016 war für Eltern mit minderjährigen Kindern aus dem Raum Sulz ein schwarzer Tag: Kinderarzt Rolf Heppler schloss an diesem Tag seine Praxis Am Brunnenbach nach 19 Jahren. Der 55-Jährige ist mit seiner Familie nach Niedersachsen gezogen und hat dort Anfang 2017 bei Cuxhaven erneut eine pädiatrische Praxis eröffnet (die SÜDWEST PRESSE berichtete mehrfach).

Die Wiederbesetzung des freien Kinderarztsitzes ist Sache der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und auch im Interesse der Stadt Sulz. Swantje Middeldorff, stellvertretende Pressesprecherin der KV in Stuttgart, teilte nun auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass es für die Nachfolge eher düster aussieht. Denn die Bedarfsplanung wird jeweils für den gesamten Landkreis erhoben. Darin wird festgelegt, wieviele Kinderärzte sich in der Region insgesamt niederlassen dürfen.

Ein aufgelassener Sitz, sprich eine vorübergehend verwaiste Praxis, darf nur nachbesetzt werden, wenn der Kreis nicht gesperrt ist. Doch genau dies hat die KV in der Bedarfsplanung für den Kreis Rottweil getan. Zur Begründung erläutert Middeldorff: „Es gibt derzeit sieben Kinderärzte im Landkreis Rottweil. Dies entspricht einem Versorgungsgrad von 110 Prozent – das ist die Grenze“. Die Folgen für Sulz sind gravierend: Da es nach der Berechnung der Kassenärztlichen Vereinigung in der Region somit rein rechnerisch genügend Kinderärzte gibt, darf sich derzeit kein neuer Pädiater niederlassen.

Denn die Bedarfsplanung der KV ist an die Bundesgesetzgebung gebunden. „Die hat ihre Schwächen, das wird in diesem Fall sehr deutlich“, räumt die stellvertretende KV-Pressesprecherin ein, zumal die Planung von 2012 ist.

Veraltete Zahlen und die Nicht-Berücksichtigung der räumlichen Verteilung der niedergelassenen Kinderärzte stoßen vielen Eltern sauer auf – denn wenn ein Kind erkrankt, möchten Mütter und Väter möglichst keine weiten Strecken mit dem maladen Sohn oder der fiebernden Tochter zurücklegen müssen. „Eltern haben eine deutlich andere Wahrnehmung – zu Recht“, sagt Swantje Middeldorff unserer Zeitung.

Die Crux der Situation in Sulz ist jedoch, dass die maximal zulässige Zahl der niedergelassenen Kinderärzte im Landkreis Rottweil gleichgeblieben und keine Sperrung erfolgt wäre, wenn zeitnah ein Nachfolger für Heppler hätte gefunden werden können. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Aufgrund der Sperrung darf sich somit derzeit zwischen Sulz und Deißlingen, Schramberg und Oberndorf nirgends ein neuer Pädiater ansiedeln. Nur wenn ein Sitz andernorts wegfiele, könnte wieder ein Kinder- und Jugendmediziner nach Sulz kommen. Darüber entscheidet der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung, ein Gremium aus Ärzten und Krankenkassen.

Middeldorff spricht jedoch noch ein anderes Problem an: „Es gibt generell zu wenige Kinderärzte in Deutschland“. Deshalb tun sich gerade Kommunen im ländlichen Raum so schwer, überhaupt jemanden zu finden beziehungsweise freiwerdende Sitze nachzubesetzen.

Rolf Heppler war bei der Eröffnung der Praxis 1997 der erste Kinderarzt in Sulz. Mit der Schließung endete die medizinische Behandlung vor Ort für hunderte Kinder. Alternativen sind häufig schwierig, denn viele Kinderärzte müssen wegen der sinkenden Zahl an Pädiatern Aufnahmestopps verhängen. Kurz vor seinem Weggang hatte der Kinder- und Jugendmediziner von einem Interessenten berichtet, der jedoch wieder absagte, weil die Ehefrau nicht aufs Land ziehen wollte.

Der Stadt gelang es trotz Anzeigen und Faltblättern nicht, einen Kinderarzt nach Sulz zu locken. Wie die neue Information der KV belegt, ist dies derzeit aber ohnehin nicht möglich.

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15.11.2017, 01:00 Uhr

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