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Wahl in Frankreich

M. Le Pen braucht hier niemand

Wie wählen unsere Nachbarn am Sonntag? In Horb und in Freudenstadt wäre man gerne von rechtspopulistischen Überraschungen verschont.

21.04.2017
  • Siegfried Schmidt

Nach Brexit, dem Briten-Abschied aus dem vereinten Europa, nach dem Trump-Schock in den USA werden die französischen Nachbarn und Freunde hoffentlich eine republikanisch vernünftige, eine Europa-angelehnte Wahl treffen, wenn am Sonntag elf Kandidaten für das Präsidentenamt antreten. Zwar steht an diesem 23. April der nächste Staatspräsident noch nicht fest, das entscheidet die Stichwahl der beiden stimmenstärksten Bewerber am 7. Mai, doch eine Vorentscheidung fällen die französischen Wähler sicherlich. Und nicht nur für uns rechtsrheinischen Beobachter sind diese Präsidentschaftswahlen die spannendsten und Zukunfts-entscheidendsten seit langem überhaupt. Es geht um nichts weniger als das Land und die Gesellschaft, in dem die Franzosen leben wollen. Angesichts des breit aufgespannten Kandidatenfelds und der unsicheren Prognosen scheint alles offen.

Mit keinem anderen Land bestehen engere Verbindungen, gerade auch auf kommunaler und privater Ebene, als mit Frankreich. Deshalb genießt die Präsidentenwahl auch eine besondere Aufmerksamkeit – bei politisch Interessierten generell wie auch in den frankophilen Kreisen, die Kontakte und Freundschaften mit Franzosen pflegen.

Auch wenn Horbs Partnerschaftsband mit Salins-les-Bains unbeeindruckt von einem Präsidenten, heißt er nun Emmanuel Macron, Francois Fillon oder gar Marine Le Pen, fortdauern wird, einen Stimmungsschleier dürfte die künftige Ausrichtung der Republik schon ausbreiten.

Der für die Partnerschaftsbeziehungen mit der Salinenstadt zuständige Citymanager Thomas Kreidler macht eine klare Ansage, welche Wahl er treffen würde: „Ich hoffe, dass Frau Le Pen kein Oberwasser bekommt. Diese Dame brauchen wir in Europa nicht. Eine solche Wahl widerspräche sogar dem Grundgedanken der Städtepartnerschaften.“

Seine ganz private Meinung, betont Kreidler, denn natürlich gibt es in der Stadt Horb keine offizielle, städtisch verbriefte Wahlempfehlung. Aber bei Partnerschafts-Aktivisten wie Kreidler liegen Sympathien und Hoffnungen eben offen zutage. Ebenso wie auch Befürchtungen zum Wahlausgang am Sonntag.

„Ich hatte auch nicht an den Brexit und an die Trump-Wahl geglaubt, und sah mich dann getäuscht. Nun möchte ich auf keinen Fall ein drittes Mal daneben liegen“, sagt Kreidler in etwas banger Erwartung hinsichtlich des Abschneidens der rechtspopulistischen Präsidentschaftskandidatin. Mit Le Pen könnte sich Frankreich abriegeln, den nächsten EU-Ausstieg anzetteln und, nur anderthalb bis zwei Stunden Autofahrt von hier, auch den Franc wieder einführen. Zumindest malen das die Gazetten so seit Wochen an die Wand.

Die Französin und Wahl-Freudenstädterin Fabienne Janz (47) hat näheren Kontakt mit zwei Französinnen aus dem Jura-Gebiet. Ihre Schwester lebt in Dole, gerade mal 45 Kilometer von Salins entfernt. Sie wird dem konservativen Fillon ihre Stimme geben. Die andere Bekannte stammt aus der Nähe von Salins und wohnt nun auch im Kreis Freudenstadt. Um dem unabhängigen, jungen Hoffnungsträger und politischen Aufsteiger Macron ins Amt zu verhelfen, wird sie am 23. April und am 7. Mai jeweils ins Auslands-Wahllokal nach Karlsruhe reisen, für die Stimmabgabe.

An Macron entzünden sich viele Hoffnungen, auf ihm ruhen die meisten positiven Erwartungen an den nächsten Präsidenten Frankreichs: Der Mann hat einen gewinnenden, einnehmenden Charakter, er ist freundlich und den Menschen zugewandt, bestens gebildet, weder rechts noch links, sondern „vorwärts“ (progressisme) und sympathisch unangepasst. Er kann zuhören, wie ihn der „Spiegel“ außerdem hofiert, und seine Ambitionen zielen auf nichts weniger als ein „neues Frankreich“.

Dieser höchst ungewöhnliche Präsidentschaftskandidat, auch international, im globalen Lichte besehen, ist auch Thomas Kreidlers erklärter Wunschkandidat. „Sehr sympathischer Mann“, meint der Citymanager. Kreidler wird am kommenden Sonntagabend gezielt die Nachrichtensendungen einschalten und den ersten Wahlausgang verfolgen. Beim nächsten Zusammentreffen mit den Städtepartnern aus Salins wird diese heftig umkämpfte Richtungswahl Frankreichs dann schon Geschichte sein. Vom 6. bis zum 8. Oktober werden die Franzosen auf Partnerschaftsbesuch weilen.

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21.04.2017, 09:58 Uhr

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