Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Moskau schießt sich auf Emmanuel Macron ein
Schärfster Konkurrent der von Moskau favorisierten rechtsextremen Marine Le Pen: Emmanuel Macron. Foto: afp
Frankreich

Moskau schießt sich auf Emmanuel Macron ein

Der unabhängige Präsidentschaftsbewerber ist Opfer von Hackern und einer Schmutzkampagne. Diese hat ihren Ausgangspunkt in Russland.

17.02.2017
  • PETER HEUSCH

Paris. Über Emmanuel Macrons Wiege muss sich vor 39 Jahren mehr als nur eine Glücksfee gebeugt haben. Der „Kennedy Frankreichs“ denkt zweimal schneller als alle anderen, ist wohlhabend, jung, glücklich verheiratet mit einer 24 Jahre älteren Frau, gutaussehend und er verfügt über beträchtlichen Charme. All diese Gaben könnten durchaus dafür sorgen, dass der Polit-Star im Mai der neue Staatspräsident seines Landes wird. Doch Moskau ist er offenbar ein Dorn im Auge.

Wie Richard Ferrand, Generalsekretär von Macrons Bewegung „En marche“, beklagt, wurde das Computersystem der Wahlkampfmannschaft des unabhängigen Kandidaten Opfer von tausenden russischen Cyber-Attacken. Außerdem behaupten russische Medien seit zwei Wochen, Macron führe ein Doppelleben und habe als „heimlicher Homosexueller“ ein Verhältnis mit Mathieu Gallet, dem 40-jährigen Generaldirektor des staatlichen Senders „Radio France“.

Losgetreten wurde die Rufmordkampagne von Wikileaks-Gründer Julian Assange. Der kündigte in einem Interview mit der russischen Zeitung „Iswestija“ Enthüllungen über Macron an, auf die seine Mitstreiter in den persönlichen E-Mails von Hillary Clinton gestoßen sein sollen.

Diese Enthüllungen erwiesen sich als äußerst banal. Mehr als Informationen über ein Pariser Treffen von Macron und Gallet im vergangenen Oktober, bei dem neben dem damaligen Regierungschef Manuel Valls auch Clintons Wahlkampfmanager John Podesta zugegen war, hatte Wikileaks – bislang zumindest – nicht zu bieten. Trotzdem nahmen staatsnahe russische Medien den Ball auf und Macron ins Visier, der laut jüngsten Umfragen zum gefährlichsten Konkurrenten für die von Moskau favorisierte rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen geworden ist.

„Russia Today“ und „Sputnik News“ verunglimpfen den ehemaligen Investmentbanker Macron als Lobbyisten der amerikanischen Banken, als Befürworter der Globalisierung und als Homosexuellen. Dafür lieferte Nicolas Dhuicq, ein konservativer Abgeordneter der französischen Nationalversammlung, die nötige Munition. Laut Dhuicq steht „eine sehr wohlhabende Gay-Lobby“ hinter Macrons Kandidatur.

In Frankreich gibt es kaum ein Echo auf die Schmutzkampagne. In der relativ offenen Gesellschaft ist Homosexualität kein Hindernis für eine politische Karriere. An Macrons Privatleben interessiert die Franzosen ungleich mehr, dass er sich als Schüler in seine Französischlehrerin verliebte und sie so unbeirrbar umwarb, dass die dreifache Mutter sich scheiden ließ, um ihn ehelichen zu können.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.02.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Schöner Arbeiten - Bedeutung von Architektur für Unternehmen der Region
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click