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Immer mehr auf der Straße

Obdachlosigkeit und Wohnungsnot sind auch in Horb ein Problem

Die Zahl der Obdachlosen in Horb nimmt zu: So ist im vergangenen Jahr die Zahl der Räumungsklagen ums Doppelte gestiegen. Außerdem konkurrieren immer mehr Bedürftige um die wenigen günstigen Wohnungen. Andreas Hauser von der Erlacher Höhe schlägt daher Alarm: Er fordert massive Investitionen in den sozialen Wohnungsbau.

09.01.2016
  • dagmar stepper

Horb. „Zahl der Wohnungslosen in Deutschland auf neuem Höchststand“, so titelt die BAG Wohnungslosenhilfe auf ihrer Homepage. 2014 waren 335000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 18 Prozent. Auch in Horb kann man diese Zunahme beobachten.

Andreas Hauser (45) von der Erlacher Höhe schätzt die Zahl der Obdachlosen hier auf 20 im Jahr. „Vor ein bis zwei Jahren waren es noch zehn“, sagt er. Dabei sind das nur die Zahlen der Räumungsklagen in der Stadt. „Wir müssen von versteckten Zahlen ausgehen“, erklärt er. Denn wenn man in Horb auch rund um den Bahnhof immer wieder Obdachlose antrifft, sind die meisten Betroffenen nicht präsent in der Öffentlichkeit. Sie kommen übergangsweise irgendwo unter – sei es in den städtischen Unterkünften oder bei Angehörigen und Bekannten auf dem Sofa.

Oder sie landen bei der Erlacher Höhe in der Beratungsstelle. Hier ist das Ziel, es gar nicht so weit kommen zu lassen. „Wir arbeiten präventiv“, betont Hauser. Drohende Obdachlosigkeit soll mit allen Mitteln verhindert werden. Doch auch hier wächst das Klientel stetig: „Die Anfragen nehmen deutlich zu“, hat Hauser beobachtet. Daher hat die Erlacher Höhe auch die Personalstellen in Horb aufgestockt. Pro Woche sind es zwei bis drei neue Fälle, insgesamt betreuen Hauser und seine Mitarbeiterin Rebekka Zinsser 25 bis 30 Einzelfälle.

Für Hauser ist es inzwischen fast wie ein Kampf gegen Windmühlen. „Vor einem Jahr hatten wir noch Adresslisten von Wohnungen, das haben wir nicht mehr“, berichtet er. Hauser ist für seine Klienten inzwischen auch auf den privaten Markt angewiesen. Der Wohnungsmarkt in Horb – vor allem in der Kernstadt – ist im unteren Preissegment so gut wie leergefegt. Horb ist als Wohnort attraktiv, der Autobahnanschluss trägt dazu bei, dass die Stadt wächst. Und somit auch die Konkurrenz: Studenten, sozial Schwache und Flüchtlinge suchen die selben günstigen Wohnungen. „Viele unserer Kunden fühlen sich an den Rand gedrängt“, sagt Hauser.

Daher wird ihre Arbeit immer wichtiger. Vor allem bei wackeligen Mietverhältnissen versuchen sie rechtzeitig zu handeln. Hier arbeiten sie eng mit Behörden zusammen. Sie bekommen Hinweise vom Jobcenter, von Gerichtsvollziehern, vom Ordnungsamt, von Pfarrern oder inzwischen sogar von den Vermietern selbst. Hauser und seine Kollegin versuchen dann, das Mietverhältnis wieder zu stabilisieren. Das kann alles mögliche bedeuten. Die Suche nach Fördermöglichkeiten oder Zuschüsse, ein klärendes Gespräch mit dem Vermieter oder eben die Suche nach einer neuen Wohnung. „Eine Wohnung ist einfach wichtig“, fasst Hauser die einfache Wahrheit zusammen und bedauert: „Aber wir können auch keine Wohnungen herzaubern.“

Daher fordert Hauser massive Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, denn „jahrelang wurden teilweise gravierende politische Fehlentscheidungen getroffen.“ Den Hauptschuldigen sieht er dabei beim Land, das sich vor vielen Jahren aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen hat. „Das rächt sich jetzt“, sagt Hauser. Bisher wurden nur die Rahmenbedingungen für Investoren verbessert. Das reicht seiner Meinung nach nicht: „Das Land muss nicht nur einen Betrag X zur Verfügung stellen, sondern auch selbst agieren – und es muss schnell gehen.“ Zudem müsse man den politischen Druck auf Wohnungsbaugenossenschaften mit öffentlicher Beteiligung erhöhen, damit diese sozial Schwachen mehr Wohnungen anbieten. „Wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert, sehe ich eher schwarz für die Zukunft“, bilanziert er.

Ein Hoffnungsschimmer ist für den Sozialarbeiter das Engagement der Stadt Horb (siehe Infokasten) und des Landkreises. „Horb möchte in den sozialen Wohnungsbau einsteigen und der Landkreis unterstützt, wo es nur geht“, sagt er. So erhöhte der Landkreis 2015 die Wohnzuschüsse für Hartz IV-Empfänger um rund 20 Prozent. Darüber ist Hauser sehr froh. Deprimierend findet er hingegen neue Gesetzesentwürfe zu Hartz IV, die seiner Meinung nach die Wohnungssituation für sozial Schwache verschärfen. „Wenn jemand am Boden liegt, dann macht es keinen Sinn, noch mehr Druck zu machen“, betont Hauser.

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09.01.2016, 01:00 Uhr

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