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Rechenmaschine statt Mensch

„Robo Advisor“ ist der neue Trend:*Automatisierte Anlageberatung per Roboter

Robo Advisor heißt eine neue Sparte der Finanzbranche. Sie schmälert das Geschäft der traditionellen Banken, weil die automatische Anlageberatung mit deutlich geringeren Gebühren arbeitet.

13.02.2016
  • von ROLF OBERTREIS und HELMUT SCHNEIDER

Frankfurt. Lars Reiner hat wohl darüber geschmunzelt. Die Deutsche Bank, sein ehemalige Arbeitgeber, ist unlängst auf den Zug aufgesprungen und hat sich zum so genannten Robo Advisor aufgeschwungen - mit einer App. Seit längerem werden solche Konzepte von jungen Firmen und Start-ups umgesetzt. Der Vorteil für den Kunden: Er bezahlt weniger Gebühren.

Reiners Firma Ginmon ist eine von vielen, die Banken und Vermögensverwaltern das Leben schwer machen. Der Zulauf ist beträchtlich. Aber Experten sagen auch hier: genau hinschauen.

In Zeiten von Niedrig- bis Nullzinsen suchen Anleger nach Konzepten, die noch einen einigermaßen auskömmlichen Ertrag garantieren, möglichst einfach und kostengünstig. Dies hat Reiner erkannt. Mehrere Jahre hat sich der 28-Jährige bei der Deutschen Bank mit der Vermögensverwaltung beschäftigt und Produkte entwickelt, die - wie er sagt - eher an den Gewinnen der Bank als an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet waren. 2014 hat es ihm dann gereicht. Heute sitzt er krawattenlos und in Jeans am Computer und kommuniziert mit den Kunden übers Internet. Seit April ist Ginmon online, in drei Jahren soll es schwarze Zahlen geben.

Vaamo, Easyfolio, Quirion, Scalable Capital oder Cashboard sind andere der mittlerweile zahlreichen Robo Advisors, die um jüngere Kunden buhlen, aber auch um Anleger, die Bequemlichkeit schätzen und sich nicht selbst im Detail um ihre Geldanlage kümmern wollen oder können. Mitunter geht das mit einem Sparbetrag von 10 EUR im Monat, andere fordern als Mindestanlage 5000 oder 10 000 EUR. Meist werden standardisierte Anlagestrategien vorgeschlagen. Oft stehen hinter den Strategien wissenschaftliche Konzepte, ausgetüftelt und begleitet von Hochschulprofessoren.

Versprochen werden Renditen zwischen 4 und 7 Prozent. Garantien gibt es natürlich nicht. Die Gebühren liegen zwischen etwa 0,5 und 1,4 Prozent des verwalteten Vermögens pro Jahr. Das ist erheblich weniger als bei Vermögensverwaltern, bei der Bank oder Sparkasse.

Und es soll auch günstiger sein als bei Online-Banken und -Brokern. Günstiger sind die Robo Advisors, weil sie kaum Personal brauchen, keine Filialen betreiben. Sie fungieren als Vermittler, nehmen keine Einlagen entgegen, geben keine Kredite aus. Deswegen brauchen sie keine Banklizenz und Geschäftserlaubnis der Finanzaufsicht Bafin. Sie müssen aber mit Banken zusammenarbeiten, die für sie die Verwaltung der Kundengelder übernehmen.

Weil es sich bei den passiven Indexfonds (ETF) um Sondervermögen handelt, sind die Kunden gegen eine mögliche Pleite des jeweiligen Robo Advisors geschützt, der ohnehin keinen Zugriff auf das Geld der Kunden hat. Zudem gehören die Banken der Einlagensicherung an. Im Falle einer Pleite der Bank sind die Gelder zumindest bis zu 100 000 EUR gesichert.

Wie vieles in der Finanzszene kommen Robo Advisors aus den USA. Das 2010 gegründete US-Unternehmen Betterment gilt als Pionier. Es verwaltet heute Kundenvermögen von mehr als 2,2 Mrd. Dollar (knapp 2 Mrd. EUR).

Hierzulande hat sich das gemeinnützige Portal Finanztip die Robo Advisors gerade genau angeschaut. Zumal mitunter Kritik laut wird, es handele sich um „digitale Drückerkolonnen“. Finanztip dagegen kommt zu einem positiven Urteil. Bequeme Anleger oder jene mit wenig Zeit sieht man bei Ginmon oder Vaamo durchaus gut aufgehoben. Die Kosten für Beratung, Kauf und die regelmäßige Überprüfung der Strategie seien deutlich niedriger als bei Banken oder Sparkassen.

Deshalb beobachten auch die Sparkassen in Baden-Württemberg den Trend aufmerksam und prüfen verschiedene Möglichkeiten von Robo Advisors, sagt ihr Pressesprecher Stephan Schorn. Man sei schließlich „einer der wenigen Anbieter im Finanzsektor, der auf allen Kanälen für seine Kunden erreichbar ist“. Verschiedene Modelle der „Selbstberatung“ seien im Aufbau. Denn die Kunden wollten sich per Internet auf das Beratungsgespräch mit einem Überblick über die Angebote vorbereiten, unterschiedliche Beispielrechnungen inklusive.

Ähnlich äußert sich Roman Glaser vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband. Man sei offen für Innovationen. „Robo Advisors sehen wir aber sehr kritisch“, sagt der Volksbanken-Chef gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Hier spucke eine Rechenmaschine anonym Finanzprodukte aus, „ohne dass sich eine qualifizierte Person mit dem Menschen beschäftigt“. Auch Sparkassensprecher Schorn hebt auf die persönliche Beratung ab: „Auch eine noch so gut programmierte Maschine kann eben nicht alles abdecken.“

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13.02.2016, 08:30 Uhr
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