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Ruben Enaje auf den Philippinen lässt sich am Karfreitag zum 31. Mal ans Kreuz nageln
Diese Nägel werden Ruben Enaje ins Fleisch getrieben. Foto: dpa
Leiden wie der Erlöser

Ruben Enaje auf den Philippinen lässt sich am Karfreitag zum 31. Mal ans Kreuz nageln

Für Ruben Enaje ist es Danksagung und Buße, für die Kirche eine Verirrung: Karfreitag lässt sich der Philippiner zum 31. Mal wie Jesus an ein Kreuz nageln. Der schlimmste Moment kommt fast am Ende.

25.03.2016
  • von GIRLIE LINAO, DPA

San Pedro Cutud. Wenn Ruben Enaje die langen Nägel betrachtet, die am Freitag in seine Hände und Füße geschlagen werden, schließt er kurz die Augen. "Man schreit vor Schmerz", sagt der Philippiner, der sich am Karfreitag zum 31. Mal wie Jesus an ein Kreuz nageln lässt. "Ich unterdrücke diese Schreie nicht, das löst die Spannung."

Wie der 56-Jährige, Großvater von fünf Enkeln, nehmen jedes Jahr mehr als ein Dutzend Gläubige in dem katholischen Land in Südostasien an dem Ritual teil. Für sie ist es eine Frage von Buße und Sühne, die Kirche ist eigentlich dagegen. Das Spektakel zieht tausende Schaulustige an. "Ich hoffe, dass es für sie nicht nur ein Spektakel ist, dass sie daran denken, wie Jesus uns von unseren Sünden befreit hat", sagt Enaje. "Ich hoffe, dass sie beten."

Enaje betet ständig, wie er im Hof seines Hauses in San Pedro Cutud, 60 Kilometer nördlich von Manila, erzählt. Er bete vor der Kreuzigung um Standfestigkeit, um Segen für die Männer, die die Nägel in seine Hände und Füße treiben, und für die Zuschauer. "Und ich bitte um Arbeit und Gesundheit."

Enaje ist Schildermaler. Vor 30 Jahren fiel er von einem Gerüst im dritten Stock und blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Danach ließ er sich zum ersten Mal ans Kreuz nageln, aus Dank. Seitdem hat er es getan, um Hilfe für seine kranke Frau und Tochter zu erbitten. Beide wurden gesund.

Seine Familie steht hinter ihm. "Jedes Mal, wenn er aufhören wollte, ist wieder etwas Schlimmes passiert", sagt seine Tochter EJ (30). "Es ist schlimm für ihn, aber er tut es für uns. Ich bin geheilt, weil er sich ans Kreuz nageln ließ."

Früher hat Enaje hingeschaut, wenn die Nägel in sein Fleisch eindrangen. Inzwischen schließt er die Augen. "Es wird jedes Jahr schlimmer, weil die Nägel immer an derselben Stelle eingetrieben werden."

Am meisten leidet er beim Rausziehen. "Wenn die Nägel sich verbogen haben, reißen sie Fleisch heraus", sagt er. Wenn das Kreuz aufgerichtet wird, komme der Adrenalinschub: "Ich fühle eine große Präsenz, die mich vor Schmerz und Hitze schützt". Das Ritual findet in der Mittagszeit statt. "Da oben am Kreuz ist es dann windig und friedlich. Wenn die Nägel später raus sind und die Wunden versorgt, fühle ich mich leicht und erneuert."

Die Kirche unterstütze solche Rituale nicht, sagt Pater Jerome Secillano von der katholischen Bischofskonferenz auf den Philippinen. "Egal, wie die Menschen sich anstrengen, nichts kann der Erlösungstat von Christus nahekommen", meint er. Verurteilen wolle er Leute wie Enaje aber nicht.

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25.03.2016, 08:30 Uhr

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